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Ist Cherson bald ein Teil Russlands?

Wie die Besatzer der ukrainischen Stadt versuchen, Tatsachen zu schaffen

Eine Kundgebung gegen die russische Besatzung auf dem Svobody-Platz in Cherson am 7. März 2022.

Die Region Cherson im Südosten der Ukraine soll nach Willen Putins Teil Russlands werden. Wie die russische Nachrichtenagentur Tass mitteilte, plant die prorussische Verwaltung der Region, den russischen Präsidenten um eine Beitrittsgenehmigung zu bitten: „Es wird einen Antrag geben, die Region Cherson zu einem vollwertigen Bestandteil der Russischen Föderation zu machen“, wird Kirill Stremussow, stellvertretender Leiter der Verwaltung, zitiert.

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+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Ein ranghoher Vertreter der Regierungspartei Geeintes Russland hatte am Freitag Moskaus dauerhaften Anspruch auf das Gebiet Cherson bekräftigt. „Russland ist für immer hier!“, sagte der Duma-Abgeordnete Andrej Turtschak.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte das zurückgewiesen und erklärt, Cherson zurückerobern zu wollen. „Es wird keine Volksrepublik Cherson geben“, sagte Mychajlo Podoljak, Berater des Präsidenten im ukrainischen Radio.

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Die Stadt Cherson war bereits in den ersten Tagen des Krieges von Russland erobert worden. Sie ist die einzige Gebietshauptstadt der Ukraine, die die russischen Truppen kontrollieren. Russland hatte im April erklärt, es habe die Region vollständig unter Kontrolle. Immer wieder protestieren die Bewohner und Bewohnerinnen Chersons gegen die Besatzer.

Die Region hat eine große strategische Bedeutung, weil sie eine Landverbindung zwischen der bereits 2014 annektierten Halbinsel Krim und den von Russland unterstützten Separatistengebieten im Donbass in der Ostukraine darstellt.

Vor dem Krieg lebten in der Großstadt Cherson im Südosten der Ukraine fast 300.000 Menschen, nach ukrainischen Angeben sind seit Kriegsbeginn fast die Hälfte der Bevölkerung aus der Seehafenstadt am Dnepr geflohen.

Der ehemalige Chef der Gebietsverwaltung, Hennadij Lahuta, hatte am Montag erklärt, dass nach vorläufigen Schätzungen seit März 45 Prozent der Bevölkerung Cherson verlassen haben. Aus dem gesamten Gebiet sei nach der russischen Okkupation jeder Fünfte geflohen.

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Russland will Pässe ausgeben

Sicherheitsbehörden hatten immer wieder davor gewarnt, Russland plane in der Region ein „Referendum“ abzuhalten, um die Okkupation zu legitimieren. Ein ähnliches Vorgehen hatte es bereits im Mai 2014 in den Gebieten Donezk und Luhansk gegeben. Das Referendum wurde international kaum anerkannt und gilt als illegal.

Medienberichten zufolge unternimmt die russische Führung nun konkrete Schritte zur Abspaltung des Gebietes Cherson von der Ukraine: So planen die Behörden die Ausgabe von russischen Pässen und die Einführung des Rubels, der russischen Landeswährung. Innerhalb von vier Monaten, beginnend am ersten Mai, soll die Währung in Cherson komplett auf den Rubel umgestellt werden.

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Bereits in den letzten Tagen und Wochen hat Russland in der Region Tatsachen geschaffen. Am 27. April hatten die russischen Besatzer eine neue Verwaltung im Gebiet und der Stadt Cherson eingesetzt und den bisherigen Bürgermeister, Ihor Kolychaew, entlassen. Der russischen Nachrichtenagentur RIA zufolge, war Kolychaew nicht dazu bereit gewesen, mit den Besatzern zu kooperieren.

Der Zugang zu ukrainischem Fernsehen ist in der Region bereits längere Zeit blockiert, die ukrainischen Internetprovider wurden gesperrt. Laut Berichten der BBC sind die Bewohner und Bewohnerinnen dazu gezwungen, sich über den russischen Rundfunk zu informieren.

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Medien- und Augenzeugenberichten zufolge wird die Situation in Cherson immer angespannter: Laut der BBC bleiben die Regale in den Supermärkten zunehmend leer. Geschäfte, Restaurants und Unternehmen seien zum Großteil geschlossen.

Für Menschen, die aus der Region und auch vor den Kämpfen fliehen wollen, wird es immer schwieriger. Die Fluchtrouten in die Westukraine sind inzwischen geschlossen. Lediglich in Richtung der besetzten Halbinsel Krim könne man das Gebiet noch verlassen, so die BBC.

RND/ao

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