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Fällt die ukrainische Hauptstadt noch heute?

Russische Armee marschiert in Kiew ein – Anwohner sollen „Molotow-Cocktails“ vorbereiten

Ein russisches Militärfahrzeug steht in einem Außenbezirk der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Ukrainische Verteidigungseinhzeiten stehen neben einem offenbar erschossenen vermeintlichen russischen Saboteur.

Ein russisches Militärfahrzeug steht in einem Außenbezirk der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Ukrainische Verteidigungseinhzeiten stehen neben einem offenbar erschossenen vermeintlichen russischen Saboteur.

Kiew. Russische Truppen sind am Freitag in Außenbezirke der ukrainischen Hauptstadt Kiew vorgestoßen. Explosionen erschütterten am frühen Morgen die Stadt und in der Nähe der Regierungszentrale waren Schüsse zu hören. Luftschutzsirenen heulten in den Straßen. Der ukranische Präsident Wolodymyr Selenskyj bat um internationale Hilfe, um den Angriff abzuwehren. Er gab die Zahl der Todesopfer in der ersten Angriffswelle mit 137 an.

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Ukraine: Bevölkerung soll Molotow-Cocktails vorbereiten

Im Großraum Kiew kämpft das ukrainische Militär nach eigenen Angaben zufolge gegen russische Truppen.

+++ Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Liveblog +++

Das ukrainische Militär teilte mit, russische Spione und Saboteure seien knapp fünf Kilometer von der Hauptstadt entfernt gesichtet worden. Außerdem habe es nördlich der Hauptstadt erhebliche Kämpfe gegeben. Die Polizei in Kiew forderte die Menschen auf, eine U-Bahn-Station im Stadtzentrum nicht zu verlassen, weil in der Gegend Schüsse fielen. Andernorts in der Hauptstadt bezogen Soldaten Verteidigungspositionen an Brücken, und gepanzerte Fahrzeuge rollten durch die Straßen. US-Außenminister Antony Blinken sagte, Kiew könne womöglich belagert werden.

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Das Ministerum rief die Bevölkerung auf, sogenannte Molotow-Cocktails zum Kampf vorzubereiten und Sichtungen über russische Militärtechnik zu melden. Einwohner sollten ihre Wohnungen nicht verlassen. Das ukrainische Heer warnte, russische Einheiten nutzten teilweise eroberte ukrainische Technik.

Weitere NATO-Truppen werden nach Osteuropa verlegt

Die Luftwaffe will zunächst mit drei weitern Kampfflugzeugen in Rumänien die dortige Luftraum-Überwachung stärken.

Bericht von bewaffneten Patrouillen in der Innenstadt

Auf den Straßen in Kiew herrscht angesichts eines erwarteten russischen Vorstoßes Angst. Ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur berichtete, mit Sturmgewehren bewaffnete Patrouillen seien in der Innenstadt unterwegs. Straßen und Plätze waren leer. Außenminister Dmytro Kuleba hatte zuvor von „schrecklichen russischen Raketenangriffen“ auf die Stadt mit knapp drei Millionen Einwohnern berichtet.

Das ukrainische Verteidigungsministerium rief die Bevölkerung dazu auf, russische Militärfahrzeuge überall zu blockieren. „Kommt mit ukrainischen Flaggen auf die Straßen, filmt die russischen Besatzer. Zeigt ihnen, dass sie hier nicht erwünscht sind, dass ihnen jeder Widerstand leisten wird“, hieß es in einem emotionalen Appell. Von Kampfhandlungen sollten sich die Bewohnerinnen und Bewohner aber fernhalten, damit das ukrainische Militär „seine Arbeit erledigen“ könne.

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Unterdessen verbrachten auch im Osten des Landes Menschen die Nacht in Luftschutzbunkern. „Es kamen immer mehr Menschen, je länger die Nacht dauerte“, schrieb die 34-jährige Jewgenija Andrejewna aus der zweitgrößten Stadt Charkiw der Deutschen Presse-Agentur. „Alle kamen mit ihren Haustieren.“ Am Morgen habe sie zunächst wieder in ihre Wohnung zurückkehren können.

UN schätzt: 100.000 Menschen sind auf der Flucht

Nach Schätzung der Vereinten Nationen sind inzwischen in der Ukraine schon 100.000 Menschen auf der Flucht. Die EU und die USA belegten Russland mit verschärften Sanktionen, verzichteten aber noch auf härteste Strafmaßnahmen. Trotz seiner großangelegten Attacke setzt Russland eigenen Angaben zufolge die Gaslieferungen über Pipelines durch die Ukraine nach Europa fort.

Putin hatte am Donnerstag nach monatelangem Truppenaufmarsch an den Grenzen eine Offensive aus verschiedenen Richtungen gegen das Nachbarland gestartet. Während Panzer in die ehemalige Sowjetrepublik vorstießen, gab es Luftangriffe im ganzen Land. In Kiew flüchteten die Menschen zum Schutz auch in U-Bahnhöfe.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach von einem eklatanten Bruch des Völkerrechts. Der gesamte Westen reagierte geschockt. Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einer „tiefgreifenden Zäsur in der Geschichte Europas nach dem Ende des Kalten Krieges“. Sie verfolge die Entwicklungen mit größter Sorge und Anteilnahme. In Deutschland begann eine Debatte um eine Stärkung der Bundeswehr.

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Die genaue militärische Lage blieb undurchsichtig. Russland setzte eigenen Angaben zufolge insgesamt 118 ukrainische Militärobjekte „außer Gefecht“ – darunter elf Militärflughäfen. Dem Verteidigungsministerium zufolge wurden auch fünf ukrainische Kampfflugzeuge und ein Hubschrauber abgeschossen. Ein Militärsprecher bestätigte zudem, dass die Russen das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl erobert haben, knapp 70 Kilometer von Kiew entfernt.

Nach ukrainischen Angaben erlitten die russischen Truppen ihrerseits schwere Verluste. Das Verteidigungsministerium sprach von 30 zerstörten russischen Panzern, 130 Panzerfahrzeugen, 7 Flugzeugen und 6 Hubschraubern. Etwa 800 russische Soldaten seien getötet worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Ukraines Präsident Selenskyj bezieht Angriff auf sich

Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in einer Videobotschaft, die ukrainische Armee habe am ersten Tag der Invasion 137 Soldaten verloren, 316 Soldaten seien verletzt worden. Russland habe das gesamte Staatsgebiet angegriffen und gehe auch gezielt gegen die Zivilbevölkerung vor. Die Russen machten entgegen ihrer Zusicherung keinen Unterschied zwischen militärischen Zielen und Wohnhäusern, so Selenskyj. Zugleich hielt er dem Westen mangelnde Unterstützung vor: „Wir verteidigen unseren Staat allein. Die mächtigsten Kräfte der Welt schauen aus der Ferne zu.“

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Selenskyj mutmaßte, dass der Angriff dazu dienen soll, ihn zu stürzen. „Nach unseren Informationen hat mich der Feind zum Ziel Nr. 1 erklärt, meine Familie zum Ziel Nr. 2″, sagte er – eine Einschätzung, die die US-Regierung teilt. Schon am späten Donnerstagabend hatte Selenskyj eine allgemeine Mobilmachung angeordnet, die für 90 Tage gelten soll und die Einberufung von Wehrpflichtigen und Reservisten vorsieht. Wie viele Männer betroffen sein werden, sagte der 44-Jährige nicht.

Nach Angaben des Generalstabs in Kiew lieferten sich ukrainische Truppen in der Nähe der Hauptstadt heftige Gefechte. In der Metropole heulten mehrfach die Sirenen, wie ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Die U-Bahn-Stationen der Hauptstadt mit etwa 2,8 Millionen Einwohnern dienten als Schutzräume. Angriffe wurden auch aus anderen Landesteilen gemeldet, auch aus dem Süden.

„Der Krieg ist in Moskau weit weg“: Der Blick aus Russland auf den Einmarsch in die Ukraine

Russlands Präsident Wladimir Putin hat einen Krieg gegen die Ukraine begonnen. RND-Korrespondent Paul Katzenberger schildert seine Eindrücke aus Moskau.

Bei einem Krisengipfel in Brüssel suchten Scholz und die übrigen EU-Staats- und Regierungschefs eine starke Antwort auf den russischen Angriff. Sie vereinbarten Strafmaßnahmen mit Blick auf Energie, Finanzen und Transport. Zudem soll es Exportkontrollen für bestimmte Produkte sowie Einschränkungen bei der Visavergabe geben. Selenskyj wurde nach Brüssel zugeschaltet.

EU beschließt neue Sanktionen – Swift-Ausschluss bisher nicht beschlossen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte danach: „Unsere Einigkeit ist unsere Stärke.“ Ganz einig waren sich die Staats- und Regierungschefs aber nicht: Mehrere forderten noch härtere Strafen, auch mit Blick auf das Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift. Ein Swift-Ausschluss hätte zur Folge, dass russische Institute quasi vom globalen Finanzsystem ausgeschlossen würden.

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Scholz wandte sich jedoch dagegen, dieses Sanktionsinstrument jetzt schon einzusetzen. Manches müsse man sich „aufbehalten für eine Situation, wo das notwendig ist, auch noch andere Dinge zu tun“, sagte der SPD-Politiker. US-Präsident Joe Biden kündigte ebenfalls Sanktionen an, auch gegen große russische Banken. Zudem will er strikte Exportkontrollen für den Technologiesektor und weitere Strafmaßnahmen gegen die russische Elite.

Die Vereinigten Staaten verlegen zudem 7000 weitere Soldaten nach Europa, die zunächst in Deutschland stationiert werden und die Verteidigung der Nato-Partner stärken sollen. Die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten schalten sich an diesem Freitag zu einer Sondersitzung zusammen.

Der Westen hatte mit Verhandlungen und der Drohung harter Sanktionen versucht, einen russischen Einmarsch abzuwenden - letztlich vergeblich. Nach Beginn der Offensive sprach Macron als erster westlicher Politiker direkt mit Putin. Der französische Präsident nannte das Gespräch „offen, direkt und kurz“. Er habe Putin aufgefordert, die Kämpfe so rasch wie möglich zu beenden. Doch dies habe keine Wirkung gezeigt. Macron sprach sich dafür aus, den Gesprächsfaden dennoch nicht ganz abreißen zu lassen.

In der Ostukraine kämpfen seit 2014 prorussische Separatisten gegen ukrainische Regierungstruppen. Anfang der Woche hatte Putin die selbst ernannten Volksrepubliken der Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten anerkannt. Dann folgte die Invasion auf breiter Front.

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In Deutschland sprachen sich führende Politiker der Ampel-Koalition dafür aus, der Bundeswehr mehr Geld zur Verfügung zu stellen. In dem Sinne äußerten sich Finanzminister Christian Lindner (FDP) in der ARD-Sendung „Maischberger“ sowie Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“. Unionsfraktionschef Friedrich Merz forderte im Deutschlandfunk eine Neuausrichtung der Außen- und Sicherheitspolitik

RND/dpa/AP

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