Krieg in Äthiopien: keine Zeit zum Abwarten

  • In Äthiopien eskaliert der Konflikt zwischen der Regierung und einer Oppositionsgruppe.
  • Tausende sind auf der Flucht, die ganze Region droht destabilisiert zu werden.
  • Die Schockwellen könnten bis nach Europa zu spüren sein – die EU sollte dem Drama nicht einfach nur zusehen, kommentiert Daniela Vates.
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Manche Dramen liegen offen zutage und fallen dennoch nicht auf – oder erst dann, wenn die Lage so eskaliert ist, dass es wirklich nicht mehr anders geht. Und oft steht dann die Frage im Raum, warum man das alles nicht hat kommen sehen.

So ist es gerade mit Äthiopien. Ein brutaler Konflikt zwischen der Regierung und einer Oppositionsgruppe hat sich dort innerhalb mehrerer Monate zu einem Binnenkrieg zugespitzt. Nun hat Ministerpräsident Abiy Achmed eine Militäroffensive in der Provinz Tigray angekündigt, wo die Opposition zu Hause ist. Er hat die Bevölkerung aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

Schon jetzt ist es schlimm genug: Tausende Menschen sind auf der Flucht, aus Angst oder schierer Not – die Region Tigray ist abgeriegelt, die Versorgungslage vermutlich schlecht. Das zweitbevölkerungsreichste Land Afrikas steht davor, sich vom Hoffnungs- in ein Unglücksland zu verwandeln.

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Eskaliert der Konflikt weiter, besteht die Gefahr, dass Nachbarländer in Mitleidenschaft gezogen werden. Schon gab es Angriffe auf Eritrea, mit dem Abiy gerade erst mühsam Frieden geschlossen hatte. Der Sudan, der sich gerade so mühsam aufrichtet, könnte durch neue Flüchtlinge destabilisiert werden.

Ein Land und eine gesamte Region könnten ins Kippen kommen. Das ist kein regionales Problem am Horn von Afrika, auch wenn Tausendfaches Leid reichen würde für Aufmerksamkeit. Die Wirkungen des Bebens aber können über Tausende Kilometer hinwegtragen.

Es ist noch nicht lange her, da war die EU überrascht darüber, dass ein Krieg in Syrien die Flüchtlingslager der Nachbarländer gefüllt und die Versorgungslage dort weiter verschlechtert hatte. Auch deswegen machten sich viele auf nach Europa.

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Man hätte früher auf die Vorzeichen achten und nicht einfach abwarten sollen, hieß es damals.

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