Vermittlungsversuch scheitert

Papst Franziskus: „Kyrill darf nicht Putins Messdiener sein“

Papst Franziskus hat versucht, mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill im Krieg in der Ukraine zu vermitteln. Das Gespräch war nicht erfolgreich, wie nun bekannt wurde.

Papst Franziskus hat versucht, mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill im Krieg in der Ukraine zu vermitteln. Das Gespräch war nicht erfolgreich, wie nun bekannt wurde.

Rom. Nach der Videokonferenz zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill vom 17. März hatte der Vatikan die üblichen diplomatischen Floskeln verbreitet: Papst Franziskus stimme mit dem Patriarchen darin überein, „dass die Kirchen aufgerufen sind, zur Stärkung von Frieden und Gerechtigkeit beizutragen“, und so weiter.

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Aber trotz der vom Papstsprecher behaupteten Übereinstimmung war klar, dass das Gespräch nicht so verlaufen war, wie es sich der Papst erhofft hatte. Wie frustrierend die Videokonferenz für Franziskus wirklich war, weiß man nun genauer. „Ich habe vierzig Minuten mit Kyrill gesprochen. Die ersten zwanzig Minuten hat er mir mit einem Blatt in der Hand sämtliche russischen Rechtfertigungen für den Krieg aufgelistet“, erklärte der Papst in der gestrigen Ausgabe des „Corriere della Sera“.

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Weitet Moskau seinen Krieg auf Transnistrien aus?

In der selbst ernannten prorussischen Republik Transnistrien hatte es diese Woche mehrere Anschläge gegeben. Sie könnten Russland als Vorwand für eine Okkupation dienen.

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Er habe zugehört und Kyrill geantwortet: „Bruder, davon verstehe ich nichts. Aber wir dürfen keine Staatskleriker sein, wir dürfen nicht die Sprache der Politik verwenden, wir müssen die Sprache von Jesus sprechen und für den Frieden einstehen.“ Der Patriarch, betonte Franziskus im „Corriere della Sera“, dürfe nicht „Putins Messdiener“ sein. Das sind klare Worte für den orthodoxen „Kollegen“, der den Überfall auf die Ukraine vom ersten Tag an als einen heiligen Krieg oder viel mehr als eine heilige militärische Spezialaktion verbrämt hat.

Auch Kyrill weigert sich bis heute, den Krieg als solchen zu bezeichnen. Ein bereits für den 14. Juni in Jerusalem vereinbartes Treffen mit dem Patriarchen habe er deshalb wieder abgesagt, erklärte der Papst gegenüber dem „Corriere della Sera“.

Aber wie kann man derartige Brutalitäten, wie sie in der Ukraine geschehen, nicht stoppen wollen?

Papst Franziskus

Stattdessen möchte sich Franziskus nun mit Wladimir Putin treffen, um den Kremlchef zu Friedensverhandlungen oder wenigstens zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Seine Bereitschaft, nach Moskau zu reisen, habe er Putin schon zwanzig Tage nach Kriegsbeginn zukommen lassen, aber bis heute habe er keine Antwort erhalten, bedauert Franziskus. Er und die vatikanische Diplomatie würden weiterhin nicht lockerlassen – er fürchte jedoch, dass Putin ein solches Treffen derzeit nicht stattfinden lassen könne oder wolle. „Aber wie kann man derartige Brutalitäten, wie sie in der Ukraine geschehen, nicht stoppen wollen?“, fragt sich der Papst schon fast verzweifelt.

Friedensappelle bisher erfolglos

Tatsächlich wirkt Franziskus in dem Gespräch mit dem „Corriere della Sera“ besorgt und pessimistisch. Der Papst, der beinahe täglich Friedensappelle lanciert, leidet sichtlich unter dem Gemetzel in der Ukraine. Schon am ersten Kriegstag hatte er umgehend den russischen Botschafter am Heiligen Stuhl aufgesucht, um ihm seine Bestürzung zu signalisieren und Moskau zur umgehenden Einstellung der Feindseligkeiten aufzufordern; am gleichen Tag hat er auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angerufen.

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Danach hat der Papst seine besten Leute nach Kiew geschickt, unter anderem den vatikanischen Staatssekretär und Chefdiplomaten Pietro Parolin und, bereits zum vierten Mal, den päpstlichen Almosenmeister, der die humanitäre Hilfe des Vatikans vor Ort koordiniert. Bisher sind sämtliche Versuche des Papstes, in dem Konflikt eine vermittelnde Rolle zu spielen, trotz seiner verbalen Zurückhaltung gegenüber dem russischen Aggressor kläglich gescheitert.

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Dies bedrückt ihn genauso wie die Sorge vor einem möglichen Weltkrieg. Und auch gesundheitlich ist der Papst derzeit angeschlagen: Er leidet seit Längerem an einer schmerzhaften Kniearthrose, die ihn am Gehen und Stehen hindert. Gestern musste er sich einem kleinen Eingriff unterziehen: Ins entzündete Gelenk wurden Medikamente gespritzt.

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