Krankenversicherung: Probleme nicht weiter mit Geld zukleistern

  • Nach einer Studie drohen in der gesetzlichen Krankenversicherung in den nächsten 20 Jahren Defizite von 50 Milliarden Euro.
  • Seriös lässt sich sich so etwas jedoch gar nicht schätzen.
  • Aber klar ist, dass Reformen im Krankenhaussektor und in der Arzneimittelversorgung dringend nötig sind, kommentiert Tim Szent-Ivanyi
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Berlin. „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, lautet ein beliebtes Bonmot, das unter anderem Mark Twain zugeschrieben wird. Gleichwohl hat sich die Bertelsmann Stiftung mit der längerfristigen Finanzentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung beschäftigt und malt nun ein Schreckensszenario mit einem Defizit von 50 Milliarden Euro bis 2040 an die Wand.

An der Grenze zum Unseriösen

Derartige Prognosen über so lange Zeiträume bewegen sich allerdings an der Grenze zum Unseriösen. Wer beispielsweise 2014 die Kassenfinanzen für 2016 schätzen wollte, lag mit Sicherheit daneben. Denn die starke Zuwanderung der Folgejahre, von der die Kassen bis heute enorm profitieren, konnte damals niemand auf dem Schirm haben. Oder: Wenn 2030 ein Mittel gegen Krebs zur Verfügung stünde, würde das die Finanzen wegen der vermutlich extrem hohen Therapiekosten erst einmal über Jahre explodieren lassen.

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Mit Zahlen muss man sich also nicht aufhalten. Völlig richtig ist hingegen die Mahnung, endlich die strukturellen Probleme des Gesundheitswesens anzugehen, die bisher mit viel Geld zugekleistert werden. Die größte Baustelle ist der Kliniksektor. Es gibt zu viele Krankenhäuser mit zu vielen Betten. Das führt nicht nur zu Personalmangel, sondern auch dazu, dass auf Teufel komm raus operiert wird, um wirtschaftlich überleben zu können.

Explodierende Arzneimittelkosten

Die zweite große Baustelle ist die Arzneimittelversorgung. Neue Medikamente werden immer teurer, Jahreskosten von mehr als einer Million Euro pro Patient sind keine Seltenheit mehr. Hier fehlen Mechanismen, um eine Balance zwischen den tatsächlichen Entwicklungskosten der Pharmaindustrie und der zumutbaren Belastung der Solidargemeinschaft zu finden. Gelingen hier keine Reformen, dürften die Finanzprobleme der Krankenkassen sogar noch größer werden als prognostiziert.