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Krankenkassen warnen: Ohne Steuermilliarden droht Beitragssprung auf über 16 Prozent

  • Die gesetzlichen Krankenkassen sind tief in die roten Zahlen gerutscht.
  • Sie fordern die große Koalition auf, noch vor der Wahl den Zuschuss aus dem Bundeshaushalt aufzustocken.
  • Andernfalls erwarten sie deutlich steigende Beitragssätze.
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Berlin. Angesichts tiefroter Zahlen in der gesetzlichen Krankenversicherung haben Kassen und die Opposition die Bundesregierung aufgefordert, zur Verhinderung kräftiger Beitragsanhebungen den Steuerzuschuss zu erhöhen.

„Wenn die große Koalition ihr mit der Sozialgarantie gegebenes Versprechen halten will, die Sozialbeiträge stabil bei 40 Prozent zu halten, dann muss der Steuerzuschuss für die gesetzliche Krankenversicherung noch vor der Wahl deutlich angehoben werden“, sagte der Vorstandschef der Krankenkasse Barmer, Christoph Straub, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Die bisher zugesagte Erhöhung um 7 Milliarden Euro reiche nicht aus. Straub betonte: „Nötig ist eine Aufstockung in der Größenordnung von weiteren 7 Milliarden Euro.“

„Ansonsten drohen Anfang 2022 massive Beitragserhöhungen auf breiter Front. Die Rücklagen der Kassen sind weitgehend aufgebraucht, die Reserven des Gesundheitsfonds sind auch weg“, fügte Straub hinzu. Eine neue Koalition habe nach der Wahl angesichts einer wahrscheinlich langwierigen Regierungsbildung gar keine Chance, bis zum Jahresende eine Lücke in dieser Dimension zu schließen. „Ich kann die Bundesregierung nur dringend dazu aufrufen, noch vor der Wahl zu handeln“, sagte er.

Techniker Krankenkasse und Opposition warnen ebenfalls

Auch der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, warnte: „Die gesetzliche Krankenversicherung steht zum Jahreswechsel vor einem erneuten Defizit.“ Angesichts der aktuellen Zahlen sei es fraglich, ob die in Aussicht gestellten 7 Milliarden Euro zur Einhaltung der Sozialgarantie ausreichten. „Sobald sich diese Deckungslücke aber genauer quantifizieren lässt, muss die Politik für Klarheit sorgen und eine Entscheidung treffen, die die Beitragszahlenden nicht im Regen stehen lässt“, sagte er dem RND.

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Im ersten Halbjahr haben die rund 100 Krankenkassen ein Defizit von rund 1,9 Milliarden Euro angehäuft. 2020 verbuchten sie dagegen in den ersten sechs Monaten noch ein Plus von 1,3 Milliarden Euro. Grund für die roten Zahlen sind insbesondere kostenträchtige Reformen aus den Vorjahren. Sie lassen die Ausgaben schneller steigen als die Beitragseinnahmen. 2020 und Anfang 2021 hatte es nur deshalb eine Entspannung gegeben, weil die Menschen aus Angst vor einer Ansteckung Praxen und Kliniken mieden.

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Grünen-Fraktionsvize Maria Klein-Schmeink warf Union und SPD vor, für den Ausgabenanstieg verantwortlich zu sein und die Rücklagen im Gesundheitsfonds und bei den Kassen „buchstäblich leergeplündert“ zu haben. „Jetzt geht es darum, zumindest für 2022 Handlungssicherheit und Verlässlichkeit für die gesetzliche Krankenversicherung und ihre Versicherten zu schaffen“, sagte sie dem RND. Finanzminister Scholz stehe in der Pflicht, für einen entsprechenden Bundeszuschuss zu sorgen, forderte die Grünen-Politikerin.

Krankenkassen-Beitragssätze derzeit im Schnitt bei 15,9 Prozent

Die Kassen bekommen derzeit aus dem Bundeshaushalt einen Zuschuss von 14,5 Milliarden Euro. Eine Erhöhung um 7 auf dann 21,5 Milliarden Euro hat die große Koalition bereits beschlossen. Möglich wäre der Regierung, per Verordnung eine weitere Aufstockung zu beschließen. Da auch der Bundestag zustimmen muss, ist die Parlamentssitzung am 7. September die letzte Chance, das noch vor der Bundestagswahl zu erledigen.

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Die Beitragssätze liegen derzeit im Schnitt bei 15,9 Prozent (allgemeiner Beitrag 14,6 Prozent plus kassenindividueller Zusatzbeitrag von durchschnittlich 1,3 Prozent). Würde die Koalition keinen weiteren Steuerzuschuss festlegen, müssten die Sätze zum Jahresanfang im Schnitt um 0,6 Punkte auf dann 16,5 Prozent steigen.

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