Kramp-Karrenbauer dachte wegen Afghanistan an Rücktritt

  • Für die schleppende und bürokratische Evakuierung der Ortskräfte aus Afghanistan hat die Regierung viel Kritik einstecken müssen.
  • Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sieht einen Teil der Schuld bei sich und dachte auch über ihren Rücktritt nach.
  • Sie habe sich nicht durchsetzen können.
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Für die schleppende und chaotische Evakuierung der Ortskräfte aus Afghanistan ist die Bundes­regierung unter anderen von der Opposition und zivilen Bewegungen scharf kritisiert worden.

Bundes­verteidigungs­ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat diesbezüglich Fehler eingestanden. Sie dachte sogar über ihren Rücktritt nach, erklärte sie gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie habe sich mit ihrem früheren Engagement für die Ortskräfte in der Regierung nicht durchsetzen können.

„Die Frage ist, welche Ableitung treffe ich daraus: Die eine ist, ich ziehe mich aus dem Amt zurück. Die andere ist, ich kämpfe, jetzt im Wahl­kampf und hoffentlich auch danach, dass eine solche Situation nicht mehr eintritt und dass wir beim nächsten Mal handlungs­fähiger sind“, sagte die CDU-Politikerin. Sie habe sich für die zweite Variante entschieden.

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Taliban leeren Gefängnisse – auch IS-Kämpfer kommen frei
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Im größten Gefängnis Afghanistans ist kaum noch eine Zelle besetzt. Die Taliban haben die Häftlinge nach ihrer Machtübernahme freigelassen.  © AFP

Ende des Einsatz am 13. Oktober geplant

Der zunächst verschobene Abschluss­appell und der Große Zapfen­streich zum Ende des Afghanistan-Einsatzes sind laut der Verteidigungs­ministerin nun am 13. Oktober geplant. Bereits zuvor will Kramp-Karrenbauer mit der Aufarbeitung des Einsatzes beginnen.

Als Konsequenz aus dem Afghanistan-Einsatz mahnt Kramp-Karrenbauer zudem zu mehr militärischer Unabhängigkeit der Europäischen Union. Sie wolle ihren EU-Kollegen bis Ende Oktober einen Vorschlag für eine Eingreif­truppe der Europäer vorlegen, sagte die CDU-Politikerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Das heißt nicht, dass wir uns von den Amerikanern trennen sollten. Aber es kann Situationen geben, in denen wir eine andere Interessen­lage haben, auch innerhalb der NATO.“ Dann müsse Europa aus eigener Kraft handlungs­fähiger werden. In der EU mehrten sich zuletzt bereits die Stimmen für ein stärkeres militärisches Engagement des Staaten­bundes.

Nach dem Truppen­abzug der USA und ihrer Verbündeten hatten die Taliban in Afghanistan überraschend schnell die Macht übernommen. Ende August beendeten die USA nach dem vollständigen Abzug auch die militärische Mission zur Evakuierung von US-Bürgern, Verbündeten und schutz­bedürftigen Afghanen.

RND/ar/Reuters

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