Kommt Ende des Jahres der Merz?

  • Friedrich Merz, Kandidat um den CDU-Vorsitz, war durch den Corona-Lockdown lange gebremst.
  • Jetzt meldet er sich selbstbewusst zurück – mit dem festen Willen, die Abstimmung beim Parteitag im Dezember zu gewinnen.
  • Im Zentrum des deutschen Vorwahlkampfs steht jetzt das Duell zwischen Merz und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Friedrich Merz war gut drauf, als er dieser Tage unser Berliner Büro besuchte. Gut gelaunt blinzelte er in die Septembersonne, nachdem der Fotograf ihn auf den Balkon dirigiert hatte: Hier, im siebten Stock des Hauses der Bundespressekonferenz, kann man schöne Bilder hinbekommen, zum Beispiel mit dem Kanzleramt im Hintergrund.

Die Hemdsärmel aufgekrempelt, ohne Schlips, erklärte Merz den Hauptstadtkorrespondenten Daniela Vates und Andreas Niesmann, wie er im Augenblick die Welt sieht, von der Flüchtlingskrise auf Lesbos bis zur Frauenquote in der CDU.

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Zwei deutliche Signale des Sauerländers

Mitnehmen kann man jenseits des Fachlichen und Sachlichen aus dem Interview zwei deutliche Signale des Sauerländers:

  1. Merz gibt nicht auf. Im Frühjahr hatte der Corona-Lockdown Merz monatelang von der Bildfläche verschwinden lassen. Das Virus bremste den Unglücklichen gleich doppelt: Größere Veranstaltungen waren plötzlich verboten, und staatliche Funktionen, die ihn ins Rampenlicht hätten bringen können, hat Merz nun mal nicht. Jetzt aber ist er da – und kämpft.
  2. Merz kennt seinen Feind. Sein Kampf richtet sich gegen Parteifreund Armin Laschet. Der sieht sich nach der NRW-Kommunalwahl gestärkt. “Teilen Sie diese Einschätzung?”, fragten Vates und Niesmann. O-Ton Merz: “Es war eines der schlechtesten Kommunalwahlergebnisse, das die CDU in Nordrhein-Westfalen jemals bekommen hat. Trotzdem ist es unter den heutigen Umständen auch ein gutes Ergebnis. Richtig beurteilen können wir es aber erst nach der Stichwahl in einer Woche. Ohne diese Stichwahl hätten wir jetzt schon einen grünen Oberbürgermeister in Aachen.”

Gestrecktes Bein gegen Armin Laschet

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Im Fußball greift der Schiedsrichter, wenn er so etwas sieht, zur Gelben Karte: gestrecktes Bein.

Aachen, muss man wissen, ist die Heimatstadt von Laschet. Frei übersetzt lautet die Botschaft von Merz an seine CDU: Liebe Freunde, was ist eigentlich von einem CDU-Landesvorsitzenden zu halten, der nicht mal in seiner eigenen Heimatstadt den Trend in Richtung Grüne stoppen kann?

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Es ist, Amerika lässt grüßen, eine Art Vorwahlstimmung, die sich jetzt in Deutschland ausbreitet, mit dem Duell Merz gegen Laschet im Zentrum. Die CDU-Delegierten fällen ihre Entscheidung am 4. Dezember, bei einem Bundesparteitag in Stuttgart. Der Gewinner hat dann innerhalb der Union das viel zitierte Recht des ersten Zugriffs auf die Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl, die im September oder Oktober 2021 stattfinden wird.

Die deutsche Politik war lange nur auf Corona fixiert. Jetzt widmet sie sich auch wieder anderen Dingen. Das ist gut und überfällig. Manche werden zwar seufzen, aber sogar die Rückkehr zum Streit um Posten und Positionen kann man mit etwas gutem Willen positiv deuten: als Zeichen einer Normalisierung.

Zitat des Tages

Ich würde auch mit Vollintegralhelm reisen, wenn Reisen damit wieder möglich werden.

Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident, bei einem Besuch in Italien auf die Frage, was er zur Maskenpflicht sage

Leseempfehlungen

Die Musik von Pink Floyd hat eine ganze Epoche geprägt. Der altgediente Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason (76) spielt jetzt mit seiner neuen Band Saucerful of Secrets erstmals wieder Songs von damals – zuvor war ein Vierteljahrhundert Pause. Aber was sind schon 25 Jahre, wenn es sozusagen um klassische Musik geht? “Mit dem Schlagzeugspielen ist es doch wie mit dem Radfahren – man verlernt es nicht”, sagt Mason im Interview mit RND-Redakteur Matthias Halbig.

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Die Rosenheim-Cops sind Kult. Im Oktober läuft bereits die 20. Staffel der Serie an – diesmal erstmals ohne den verstorbenen Joseph Hannesschläger alias Kommissar Korbinian Hofer. RND-Redakteurin Hannah Scheiwe sprach mit Darsteller Max Müller und berichtet, wie derzeit gerade gedreht wird: gar nicht so viel in Rosenheim, wie es scheint.

Die 450 Jugendherbergen in Deutschland stehen vor der bisher größten Herausforderung ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte. Fürs laufende Jahr rechnet das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) mit einem Rückgang bei Umsatz und Übernachtungen von etwa 80 bis 90 Prozent. DJH-Hauptgeschäftsführer Julian Schmitz spricht im RND-Interview über neue Konzepte und alte Klischees.

Benedikt Schwan ist 41 Jahre alt, als er erfährt, dass er keine Kinder zeugen kann. Vier Jahre ist das mittlerweile her, eine endgültige Diagnose bekam Schwan bis heute nicht. Der Berliner Wissenschaftsjournalist findet sich damit allerdings nicht einfach ab. In seinem Buch “Ohnekind” geht er dem Thema Zeugungsunfähigkeit bei Männern auf die Spur. Er will aufklären. Im RND-Gespräch erklärt Schwan, warum das Thema so dringlich ist.

Termine des Tages

Das Duell Merz gegen Laschet wird heute – in einer bundesweit seltenen Aufführung – als Liveact zu sehen sein: Beim Niedersachsentag der Jungen Union in Hildesheim, Beginn 9.30 Uhr, treten im Laufe des Tages sowohl Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet als auch der frühere CDU/CSU-Fraktionschef und Blackrock-Manager Merz auf.

Der FDP-Bundesparteitag beginnt heute um 10 Uhr im Berliner Hotel Estrel. Gegen 11 Uhr spricht Parteichef Christian Lindner, am frühen Nachmittag soll Volker Wissing zum neuen Generalsekretär gewählt werden. Die Stimmung bei den Liberalen ist mau. Die Partei ist von stolzen 10,7 Prozent bei der Bundestagswahl heruntergekommen auf 5 Prozent im jüngsten Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen.

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© Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Die CDU Thüringen kommt heute zu einem Landesparteitag in Erfurt zusammen. Christian Hirte kandidiert für den Posten des Landesvorsitzenden. Der Mann ist nicht unumstritten: Angela Merkel hatte ihn von seiner Position als Ostbeauftragter der Bundesregierung entbunden, nachdem Hirte dem FDP-Mann Thomas Kemmerich zu dessen Wahl zum Ministerpräsidenten gratuliert hatte. Kemmerichs Wahl war mit Stimmen der AfD zustande gekommen; der FDP-Mann gab sein Amt nach bundesweit gewachsenem Druck, auch aus seiner eigenen Partei, wieder auf.

In Belarus (Weißrussland) wird heute mit einer neuen Welle von Demonstrationen gegen Staatschef Alexander Lukaschenko gerechnet.

In Thailand haben Kritiker des regierenden Generals Prayut Chan-o-cha zu Protestaktionen aufgerufen, die an der Thammasat University in Bangkok beginnen sollen. Die Demonstranten fordern unter anderem den Entwurf einer neuen Verfassung und Neuwahlen. Es geht aber auch um die Rolle der Monarchie – das Thema war lange Zeit ein Tabu in dem südostasiatischen Land.

In Großbritannien berät die Labour-Partei bei einem virtuellen Parteitag über Strategien gegen den konservativen Premier Boris Johnson.

Podcast des Tages

Schnappschuss des Tages

Ein Missverständnis: Dieser Mann glaubte, er kann noch baden gehen am Strand von Tel Aviv. Doch auch das ist nicht mehr möglich, seit die Regierung einen extrem strengen Lockdown verfügt hat, der von nun an drei Wochen lang gelten soll. Niemand soll sich von seiner Wohnung mehr als 500 Meter entfernen, Ausnahmen gelten nur für Lebensmittelkäufe und Arztbesuche. © Quelle: Getty Images

Jede Stunde neu: News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start ins Wochenende!

Aus dem RND-Newsroom: Matthias Koch

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