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Kommt das Recht auf Homeoffice? DGB fordert Anspruch – Arbeitgeber sind dagegen

  • Anlässlich der sich entspannenden Pandemielage endete mit Beginn des Monats die Homeoffice-Pflicht.
  • Beschäftigte, Gewerkschaften und allen voran die SPD fordern nun ein gesetzlich verankertes Recht auf das Arbeiten zu Hause.
  • Bei Arbeitgebern stößt der Vorschlag der Sozialdemokraten auf Ablehnung.
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Berlin. Anlässlich der ausgelaufenen Homeoffice-Pflicht fordert die SPD einen entsprechenden Rechtsanspruch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für einen Teil der jährlichen Arbeitszeit.

Ein Ansatz, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) grundsätzlich begrüßt. „Wir brauchen klare Spielregeln für eine moderne, digitale Arbeitswelt“, erklärte Vorsitzender Reiner Hoffmann gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das gilt besonders für Betriebe ohne Betriebsrat und Tarifvertrag, in denen es ansonsten noch keine verlässlichen Vereinbarungen zum mobilen Arbeiten gibt.“

Bei den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern im Land dagegen stößt die Forderung auf Unverständnis. „Wir haben beim Homeoffice geliefert, und das werden wir auch weiterhin tun. Dafür brauchen wir keine Verordnung“, heißt es seitens der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) auf RND-Anfrage. „Es ist gut, dass die SPD mit ihren Plänen, die Verordnung noch zu verlängern, am Widerstand der Union gescheitert ist.“

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SPD fordert mindestens 24 Tage Homeoffice bei einer Fünf-Tage-Woche

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Mit dem Wegfall der Corona-Notbremse endete am 1. Juli auch die Pflicht, Beschäftigten das mobile Arbeiten zu ermöglichen. Was bleibt, ist die Arbeitsschutz­verordnung für Unternehmen – sie gilt weiterhin bis zum 10. September 2021. Heißt: Das Arbeiten in den eigenen vier Wänden bleibt in der Theorie eine wichtige Maßnahme im Kampf gegen die Pandemie.

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Das aber reicht den Sozialdemokraten nicht. Gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“ forderte Parteivorsitzende Saskia Esken: „Beschäftigte sollen bei einer Fünf-Tage-Woche mindestens 24 Tage im Jahr mobil oder im Homeoffice arbeiten können, wenn es die Tätigkeit erlaubt.“

Dass der Wunsch, die pandemie­bedingte Flexibilität aufrechtzuerhalten, bei vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern groß ist, zeigt auch eine Umfrage des Beratungsunternehmens EY. Demnach spricht sich ein Großteil der Deutschen, nämlich 81 Prozent, für eine weiterführende Option für das mobile Arbeiten aus. 38 Prozent der Befragten gaben an, sich zu wünschen, künftig nur noch drei- bis viermal pro Woche ins Büro zu gehen, 36 Prozent sogar nur noch ein- bis zweimal.

DGB: Homeoffice darf nicht vom Arbeitgeber angeordnet werden

„Viele Beschäftigte wünschen sich generell mehr mobile Arbeit und mehr Homeoffice, weil sie so Familie, Freizeit und Beruf besser unter einen Hut kriegen“, bestätigte auch DGB-Vorstands­mitglied Anja Piel dem RND. „Wichtiger als irgendeine Zahl von möglichen Tagen ist hierbei aber, dass die Beschäftigten grundsätzlich frei entscheiden können – Homeoffice darf nicht einseitig vom Arbeitgeber angeordnet werden.“

Piel forderte daher ein Recht auf selbstbestimmtes mobiles Arbeiten inklusive Homeoffice, „das durch Tarifverträge und Mitbestimmung in Betrieben und Verwaltungen auszugestalten ist“. Unerlässlich seien etwa klare Absprachen über Erreichbarkeiten.

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Homeoffice-Pflicht: Arbeitgeber fordern mehr Freiraum und Verantwortung

Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sprechen sich dagegen für mehr Flexibilität und Freiheit anstelle weiterer Regulierungen aus. „Eine Homeoffice-Regulierung ist weder nötig noch sinnvoll“, hieß es seitens des BDA. Denn eine nationale Lösung für alle Branchen und Unternehmen werde es nicht geben. Deshalb sei es nun an der Politik, „der deutschen Wirtschaft und den Sozialpartnern endlich vertrauensvoll die Freiwilligkeit und Eigen­verantwortlichkeit in die Hand zu geben“.

Neben dem DGB spricht sich auch die Gewerkschaft Verdi dagegen aus, lediglich zu vertrauen. „Wir werden auf jeden Fall versuchen, dies in Tarifverträgen künftig zu regeln, also dort, wo es möglich ist, auch einen höheren Anteil an mobiler Arbeit/Homeoffice tarifvertraglich zu ermöglichen“, sagte Norbert Reuter, Leiter der Tarifpolitischen Grundsatzabteilung, dem RND.

Dafür seien klare Regelungen unabdingbar. „Mobile Arbeit und Homeoffice dürfen nicht zur nächsten Kosten­senkungswelle für Unternehmen werden, indem Kosten vom Betrieb auf die Beschäftigten verlagert werden.“

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Arbeitsminister ist für ein Homeoffice-Gesetz nach der Bundestagswahl

Auch Bundesarbeits­minister Hubertus Heil (SPD) warb in der Vergangenheit für feste Regelungen für das mobile Arbeiten: Sein Vorschlag, die Homeoffice-Pflicht zu verlängern, war es, den die Union vor Monaten ablehnte. In der „Tagesschau“ sagte er kürzlich, er sei noch immer „fest davon überzeugt, dass ein Gesetz für mobiles Arbeiten nach der Bundestagswahl beschlossen werden muss“.

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