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Kommt Corona aus Labor in China? Streit um den Ursprung des Virus

  • Noch hat die Wissenschaft nicht endgültig geklärt, woher das Coronavirus gekommen ist.
  • Vor allem aus den USA wird nun der Vorwurf laut, der Erreger könne aus einem Bio-Labor aus Wuhan stammen.
  • Die chinesische Regierung ist empört – doch sie verweigert zugleich eine offene Debatte über die Herkunftsfrage.
Fabian Kretschmer
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Peking. Der Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie steht in den meisten Ländern noch aus. Dennoch ist bereits eine zunehmend harsche Debatte über die Frage nach dem Ursprung des Erregers ausgebrochen, die federführend von den zwei mächtigsten Volkswirtschaften der Welt geführt wird. Sowohl China, als auch die Vereinigten Staaten gehen mit derselben Taktik vor: Sie beschuldigen den jeweils anderen.

Bereits vor Wochen hatten chinesische Botschafter und Sprecher des Außenministeriums die krude These in die Welt gesetzt, das Virus könne vom US-Militär nach China eingeführt worden sein. Mittlerweile sind die Staatsmedien jedoch längst wieder von jenem Narrativ abgerückt.

In den USA wird chinesisches Labor als Corona-Quelle vermutet

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Nun allerdings gelangt aus den Reihen republikanischer US-Senatoren eine ebenfalls nicht neue Theorie über ein biochemisches Labor der chinesischen Armee in Wuhan in den medialen Fokus: Dort soll sich eine Praktikantin angesteckt und die Krankheit zum nahe gelegenen Huanan-Markt in Wuhan weiterverbreitet haben – jenen Ort, der bislang als Ursprung identifiziert wurde.

Nicht nur der für seine dubiose journalistische Praxis bekannte Fernsehsender Fox-News spielt jene Theorie in seinem Programm rauf und runter, auch die renommierte “Washington Post” berichtete von jenem Labor in Wuhan, in dem chinesische Wissenschaftler Forschungen an Coronaviren bei Fledermäusen betrieben haben – angeblich, ohne die notwendigen Sicherheitsstandards eingehalten zu haben.

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US-Präsident Donald Trump kündigte an, Zahlungen der USA an die WHO wegen des Umgangs mit der Corona-Pandemie vorübergehend einzustellen.  © Fabian Kretschmer/Reuters

Das Wuhan-Institut für Virologie beheimatet die größte Virusbank Asiens: das chinesische Zentrum für die Sammlung von Viruskulturen. Mehr als 1500 verschiedene Erregerstämme sind laut der Website des Instituts dort vorhanden. Das 2015 vollendete und 2018 eröffnete Zentrum ist das erste Bioforschungslabor der höchsten Sicherheitsstufe in ganz Asien. Laut Washington Post wiesen US-Diplomaten in Peking das US-Außenministerium schon früher auf unzureichende Sicherheitsstandards in dem Labor bei der Erforschung von Sars-ähnlichen Coronaviren aus Fledermäusen hin.

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Britische Forscher: “Möglicher Laborunfall” als Ursache?

Auch in Großbritannien halten Forscher das für denkbar: Die Biosicherheitswissenschaftlerin Filippa Lentzos vom Londoner King’s College sagte, der Ursprungsort der Coronavirus-Pandemie sei nach wie vor unbekannt. Es gebe Hinweise, die “auf einen möglichen Laborunfall” hindeuten könnten, sagte Lentzos weiter. Bewiesen sei dies jedoch nicht.

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Als US-Präsident Donald Trump jüngst im Weißen Haus von einem Journalisten darauf angesprochen wurde, entgegnete er vage: “Wir hören die Geschichte immer öfters”. Und fügte eine indirekte Warnbotschaft an: Seine Regierung untersuche sehr genau, was passiert sei.

Peking reagiert nun empört: Man solle die Frage nach dem Ursprung der Wissenschaft überlassen, sagte Zhao Lijian, Sprecher des Außenministeriums.

Aktueller Forschungsstand: Kein “laborbasiertes Szenario”

Die Wissenschaft hat zur Labor-These eine einhellige Meinung: Laut einer im Fachmagazin “Nature” publizierten Studie sei es äußerst unwahrscheinlich, dass das Sars-CoV-2 von Menschenhand kreiert wurde. “Wir glauben nicht, dass irgendein laborbasiertes Szenario plausibel ist”, heißt es in dem Bericht. Komplett ausschließen lässt sich diese Möglichkeit allerdings auch nicht.

Trotz des Pochens auf wissenschaftlichen Wahrheitsdrang lässt die Kommunistische Partei Chinas genau diese offene Debatte über die Verantwortlichkeit nicht zu. Diese Woche hat die Regierung eine Direktive erlassen, künftig sämtliche Forschung zum Ursprung des Virus zu kontrollieren. Chinesische Wissenschaftler, die zu diesem Thema publizieren wollen, müssen vorher eine staatliche Genehmigung einholen.

China wagt mehr Transparenz

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Für die Regierung ist die Diskussion unangenehm, weil die ersten Wochen – im Gegensatz zur späteren hocheffizienten Virusbekämpfung – von Vertuschungsaktionen und Fehlentscheidungen geprägt waren. Aus dem Außenministerium heißt es bis heute, Vertuschungen habe es “niemals” gegeben. Eine Aussage, die sich leicht widerlegen lässt: Längst ist bekannt, dass die Behörden mehrere Mediziner in Wuhan, die frühzeitig vor einer “neuartigen Lungenseuche” warnen wollten, zum Schweigen gebracht worden sind.

Neu ist allerdings ein internes Dokument der Nationalen Gesundheitskommission in Peking, über das die Nachrichtenagentur AP diese Woche berichtet hat: Bereits am 14. Januar hat Kommissionsleiter Ma Xiaowei von der “schwerwiegendsten Herausforderung seit Sars” alarmiert. Jedoch erst knapp eine Woche später hat die Regierung bestätigt, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Auf jene Details stützen sich die vor allem in den USA vorangetriebenen Initiativen von China-Kritikern, die mit Sammelklagen die Regierung in Peking für den wirtschaftlichen Schaden aufkommen lassen wollen. Eine ähnliche Diskussion hat die “Bild”-Zeitung in einer aktuellen Kampagne geführt, was wiederum von der chinesischen Botschaft in Berlin als “infam” zurückgewiesen wurde. Rechtlich gesehen haben solche Klagen keine Chance, schließlich sind Nationalstaaten nicht justiziabel.

Am Freitag schließlich hat Chinas Regierung einen Schritt in Richtung Transparenz gewagt – und seine offiziellen Statistiken ausgebessert: Die Covid-19-Todeszahlen der Stadt Wuhan wurden von 1290 auf knapp 3900 angehoben. Die für viele Beobachter nicht überraschende Korrektur erklärt die Stadt Wuhan damit, dass viele der zu Beginn der Epidemie in den eigenen vier Wänden Verstorbenen ursprünglich nicht auf das Virus getestet werden konnten. Ebenfalls waren einige Privatkrankenhäuser zunächst nicht an das zentrale Berichtssystem angeschlossen.

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