Kolumbien: Ehemaliger Farc-Führer Santrich offenbar getötet

  • Laut Informationen des kolumbianischen Geheimdienstes soll der ehemalige Farc-Kommandeur Jesús Santrich getötet worden sein.
  • Santrich tauchte 2019 unter, weil ihm wegen Drogenhandels der Prozess gemacht werden sollte.
  • Gemeinsam mit anderen Farc-Dissidenten hatte er nach dem Friedensschluss von 2016 wieder die Waffen aufgenommen.
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Berlin, Bogotá. Der ehemalige kolumbianische Farc-Anführer Jesús Santrich ist Medienberichten zufolge bei einem Feuergefecht in Venezuela getötet worden. Der kolumbianische Verteidigungsminister Diego Molano erklärte am Dienstagabend (Ortszeit) via Twitter, laut Geheimdienstinformationen sei Santrich wohl bei einer Konfrontation nahe der Grenze zu Kolumbien getötet worden. Auch ehemalige Farc-Kämpfer bestätigten den Tod des Ex-Guerilleros.

Santrich war einer der Verhandlungsführer für den 2016 zwischen der kolumbianischen Regierung und der Farc-Guerilla geschlossenen Friedensvertrag. Später tauchte Santrich, der wegen Drogenhandels angeklagt worden war, unter.

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Todesumstände sind unklar

Unklar sind bislang die Todesumstände von Santrich. Molano sprach von Gefechten „krimineller Banden“. Die Untergrundorganisation Segunda Marquetalia, der Santrich angehörte, machte das kolumbianische Militär für den Anschlag auf den Ex-Farc-Kommandanten verantwortlich. Santrich sei in einem Lkw unterwegs gewesen, als dieser mit Schüssen und Granaten attackiert worden sei.

Die USA haben Santrich wegen Drogenhandels angeklagt und ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar auf Informationen ausgesetzt, die zu seiner Ergreifung führen. In der vergangenen Woche bestätigte das Oberste Gericht in Kolumbien eine mögliche Auslieferung von Santrich, damit ihm in den USA der Prozess gemacht werden könne. Auch in Kolumbien wurde Santrich inhaftiert und danach wieder freigelassen.

Farc-Partei distanzierte sich von Santrich

Nachdem sich die Farc zur politischen Partei gewandelt hatte, wurde Santrich im Juni 2019 als Abgeordneter im kolumbianischen Repräsentantenhaus vereidigt, tauchte aber Wochen später unter. Danach war er in einem Youtube-Video neben dem Ex-Farc-Führer Iván Márquez zu sehen, der seine Anhänger dazu aufrief, wieder zu den Waffen zu greifen. Die Farc-Partei distanzierte sich von der Aktion. Der kolumbianische Präsident Iván Duque kündigte Militäraktionen an.

In dem seit mehr als 50 Jahren andauernden Bürgerkrieg in Kolumbien zwischen staatlichen Kräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs wurden mehr als 260.000 Menschen getötet, etwa sieben Millionen wurden vertrieben. Etwa 80.000 Kolumbianer gelten als vermisst.

RND/epd

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