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Köster und van der Horst: „Auch beim Klimaschutz muss die Witzdichte stimmen“

  • Es ist der letzte Sommer der Ära Merkel, die ZDF-Nachrichtensatire ist im Urlaub.
  • Ist das nicht die perfekte Gelegenheit für Fabian Köster und Lutz van der Horst, die Reporter der „heute-show“, in einer Spezialausgabe eine Bilanz aus 16 Jahren Angela Merkel zu ziehen? Ist es.
  • Nur dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) haben sie vorher erklärt, warum sie sich dabei ausgerechnet auf das komplexe Thema Klimaschutz konzentrieren – und wie man sogar skeptische Deutsche von der Energiewende überzeugt.
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Berlin. Herr Köster, Herr van der Horst, Sie waren auf Recherchereise, um herauszufinden, wie es Deutschland nach 16 Jahren Merkel und einem Jahr Corona geht. Eine große Frage!

Köster: Ja, deshalb haben wir sie auf einen Punkt zugespitzt: auf Klimaschutz und Energiewende. Das dürfte ja das bestimmende Wahlkampfthema werden. Also wollten wir die Bilanz von 16 Jahren „Klimakanzlerin“ daran festmachen, was in Sachen Verkehrswende, Windenergie und Gebäudesanierung geschafft wurde.

Und: Ihr Fazit?

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Van der Horst: Man sieht, was in den 16 Jahren das Problem war: dass so wenig investiert wurde. Die Deutsche Bahn sollte zum Beispiel für die Börse fit gemacht werden – also hat man kurzfristig viel Gewinn eingefahren, aber nichts mehr investiert. Jetzt stehen wir da mit zu wenig Schienen, zu wenig Wagen, zu wenig Personal und es wird sehr, sehr lange dauern, die Bahn für eine Verkehrswende zu modernisieren. Und währenddessen wird es ja erst mal schlimmer. Kaum vorstellbar!

Köster: Man will ja gar nicht mehr diese Bahn-Witze machen, aber es ist leider kein Klischee. Wenn du – wie ich gerade – vom Dreh aus Brüssel mit dem ICE heimfährst, der bei Lüttich bei 34 Grad mit technischem Defekt stehenbleibt und die Klimaanlage ausfällt – da wird der Klimawandel schon spürbar.

"Heute-show Spezial" mit Köster und van der Horst. © Quelle: ZDF

Witze über Windkraftausbau, Netze und Infrastruktur reißen sich nicht gerade von selbst. Was hat Sie an diesem komplexen Schwarzbrot-Thema gereizt?

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Van der Horst: Gerade das: Ein schwieriges, aber wichtiges Thema, über das die Menschen mehr wissen wollen – und Unmengen Fakten, die man verständlich machen muss. Und ich finde, wir haben das gut gemacht, oder Fabian? Überhaupt nicht so trocken, wie man annimmt.

Versteht der Zuschauer das Thema besser, weil es durch Satire weniger anstrengend ist?

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Köster: Die Chance ist da – zumal wir trotzdem eine gewisse Witzdichte halten wollten. Schon bei unserem Spezial im vorigen Sommer ging es ums Bildungssystem, da denkt man auch nicht sofort: Wow, Medienentwicklungspläne der Kultusminister, da schalt ich ein zum Ablachen! So ist es nun wieder: Über Gebäudesanierung spricht man nicht abends in der Kneipe. Aber wenn man darauf stößt, wie riesig der Anteil der CO₂-Emissionen aus dem Gebäudesektor ist gegenüber den 0,3 Prozent, den innerdeutsche Flüge ausmachen – wundert man sich, worüber in den Talkshows so geredet wird.

Sie haben auch Gegner und Befürworter der Windkraft getroffen – und erkannt: Beide haben ihre Argumente. Was kann man für die Klima-Debatten im Wahlkampf daraus lernen?

Köster: Bei Windkraft wird es emotional, weil es einen deutschen Mythos berührt: den deutschen Wald. In Bayern muss ein Windrad das Zehnfache seiner Höhe von der nächsten Siedlung entfernt sein. Also kann man sie fast nur noch im Wald bauen. Das sagen natürlich Naturschützer: „Wir sind pro Windkraft, aber baut das Ding doch ins Gewerbegebiet!“ Kann man nachvollziehen.

Van der Horst: Aber die Fronten sind verhärtet. Da werden dann Statistiken missbraucht, etwa zu Vögeln, die durch Windräder sterben. Die Zahl ist ein Witz verglichen mit den 100 Millionen Vögeln, die pro Jahr an Glasscheiben sterben. Das ist aber jedem egal. Fakt ist: Wenn wir die Energiewende nicht hinkriegen, sterben mehr als ein paar Vögel.

Sie haben auch Anwohner besucht, die einen Windpark im Ort unterstützen. Wie hat man die überzeugt?

Van der Horst: Mit Kohle. So simpel ist das. Wer in den Windpark investiert hat, hatte in den ersten fünf Jahren rund 46 Prozent Rendite. Da hab ich auch gleich versucht, reinzukommen. Aber man muss im Ort wohnen.

Köster: Lutz zieht jetzt also nach Bayern. (lacht).

Klimaschutz ist heftig politisiert. Werden Sie in Hatemails und Briefen als linksgrün versiffte Comedians beschimpft?

Van der Horst: Überraschenderweise nicht. Unter den Youtube-Videos sieht man mal böse Kommentare, sonst nicht. Oder es wird von uns ferngehalten.

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Köster: Aber den Klimawandel haben ja alle Parteien außer der AfD als Problem erkannt. Eine Sendung darüber ist ja nicht mehr linksgrün versifft.

"Heute-show Spezial" mit Köster und van der Horst. © Quelle: ZDF

Aber keine Partei spricht die Zumutungen an, die mehr Klimaschutz mit sich brächte – von Spritpreisen bis zu Kurzstreckenflügen in den Urlaub.

Van der Horst: Ja, über die Energiewende zu reden ist schick. Das will auch ein Söder nutzen, der dann sehr viele Bäume umarmt – nur bringt uns das überraschenderweise nicht weiter. Zu sagen „Schaut mal, ich hab den Baum lieb“, sieht toll aus. Aber es muss auch Konsequenzen haben.

Köster: Auch da kann man viel entkräften, wenn man sich einliest: Friedrich Merz hat neulich getwittert, die Grünen wollten Kurzstreckenflüge nach Malle verbieten. Aber per Definition ist ein Kurzstreckenflug unter 1500 Kilometer weit – Berlin-Mallorca wäre also gar nicht betroffen. Solche Verzerrungen finde ich schwierig, wenn man eine sachliche Debatte will.

In Berlin haben Sie mit SPD-Bürgermeister-Kandidatin Franziska Giffey über die Verkehrswende gesprochen. Wollten Sie noch schnell die alten Doktortitelwitze raushauen?

Köster: Klar, irgendwoher muss die Lustigkeit ja kommen.

Wie hat sie reagiert?

Van der Horst: Das erfährt man am 25. Juni im ZDF.

Köster: (lacht) Clever!

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Das „heute-show Spezial“ läuft an diesem Freitag (25.6.), 22.30 Uhr im ZDF, ein weiteres Spezial zum Wahlkampf am 3.9., danach jeweils in der Mediathek.

In der aktuellen Folge des Podcasts „Geyer & Niesmann“ erzählen Köster und van der Horst mehr über das Projekt und frotzeln sich durch die aktuelle Lage: Überall, wo es Podcasts gibt.

Die Folge hier direkt anhören:

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