Klöckners Umweg zum Verbraucherschutz

  • Lebensmittelkennzeichnung wird künftig transparenter.
  • Ministerin muss sich von Bürgern helfen lassen.
  • Für die Industrie bleibt leider alles freiwillig, meint Jörg Kallmeyer.
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So einfach kann Politik sein: Wenn man nicht weiß, was das Beste für die Menschen ist, dann lässt man die Menschen einfach selbst entscheiden. Verbraucherschutzministerin Julia Klöckner hat sich von 1600 Verbrauchern in einer Studie vorschlagen lassen, wie Lebensmittel so gekennzeichnet werden können, dass man auf einen Blick erkennen kann, ob sie gesund oder ungesund sind. Herausgekommen ist das Zauberwort Nutri-Score – eine Farbskala, die neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in die Bewertung aufnimmt. Klöckner will dem Wunsch der Verbraucher Rechnung tragen und der Industrie nun die Nutri-Score-Kennzeichnung empfehlen. Dafür allerdings hätte es der umfangreichen Verbraucherstudie gar nicht bedurft: Nutri-Score gibt es schon lange in Frankreich und der Schweiz. Experten und Verbraucherschützer werben schon seit Jahren für diese Lösung.

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Klöckner lehnte das Modell bislang ab, weil es in der Industrie nicht beliebt ist. Nun kann die CDU-Politikerin auf das eindeutige Votum der Verbraucher verweisen. Ein geschickter Schachzug oder das Eingeständnis eigener politischer Schwäche? Klöckner fällt es schwer, in einem Ressort, das sowohl die Interessen der Landwirtschaft als auch der Verbraucher vertreten soll, eigene Schwerpunkte zu setzen. Wer aber nicht in Verdacht geraten will, vor mächtigen Lobbygruppen einzuknicken, wird irgendwann auch einmal selbst Akzente setzen müssen. Im Sinne des Verbraucherschutzes gilt in diesem Fall: Hauptsache, das Ergebnis stimmt. Und die Industrie wird es verkraften. Nutri-Score ist für sie eine Empfehlung, keine Pflicht.