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Kliniken vor dem Kollaps: Lockdown-Verlängerung nur eine Frage der Zeit

  • Nicht nur Gesundheitsminister Jens Spahn und Kanzleramtschef Helge Braun plädieren für eine Verlängerung der aktuellen Kontaktsperren über den 10. Januar hinaus.
  • Auch aus dem Gesundheitswesen kommt die klare Ansage:
  • Ohne längeren Lockdown droht den Kliniken der Kollaps, warnt der Deutsche Krankenhausverband.
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Berlin. Weniger als eine Woche vor der Bund-Länder-Entscheidung über eine Verlängerung des derzeitigen Lockdowns überwiegen die Stimmen für ein Festhalten an den Corona-Maßnahmen über den 10. Januar hinaus.

Von Virologen und Experten aus dem Gesundheitswesen, aber auch von den Regierungen fast aller Bundesländer und aus der Bundesregierung liegen inzwischen klare Plädoyers für einen längeren Lockdown vor.

Jens Spahn: Keine Möglichkeit, Lockdown zu beenden

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So betonte nicht nur Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), er sehe angesichts der hohen Todes- und Infektionszahlen keine Möglichkeit, den Lockdown zu beenden. „Die Zahlen belegen, wie brutal dieses Virus immer noch zuschlägt“, sagte er am Mittwoch in Berlin. Von einer Normalität sei man sehr weit entfernt.

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Auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hatte bereits Anfang der Woche gesagt, er rechne damit, „dass wir zunächst am 5. Januar, wenn wir uns das nächste Mal treffen, das Ganze noch nicht genau beurteilen können – und deswegen den Lockdown fortsetzen müssen“.

Damit haben sich zwei der zentralen Vertreter des Bundes bei der Ministerpräsidentenkonferenz am kommenden Dienstag klar für eine Verlängerung der Maßnahmen ausgesprochen.

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Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, ruft die Politik zur Verlängerung des Lockdowns auf. © Quelle: imago images / Future Image

Unterstützung erfahren sie von Experten und Praktikern aus dem Gesundheitswesen. So warnt der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), ohne einen längeren Lockdown drohten immer wieder Engpässe an den deutschen Kliniken: „Wir verzeichnen weiterhin eine steigende Belegung der Krankenhäuser mit Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind. Mittlerweile sind es etwa doppelt so viele wie in der ersten Welle“, sagte Gaß dem RND.

Hinzu kämen zwischen 20.000 und 25.000 Patienten mit Covid-19 auf den Infektionsstationen. „Die Zahlen werden frühestens ab Mitte Januar zurückgehen, wenn denn der Lockdown wirkt“, warnte der DKG-Chef. „Die Impfungen können sich nicht vor Mitte Februar bemerkbar machen. Auch in den nächsten Wochen werden sich also immer wieder Kliniken von der Notfallversorgung abmelden oder Patienten verlegen müssen.“

Gerald Gaß: Es muss bei Kontaktbeschränkungen bleiben

Die Kliniken müssten immer wieder mit Personalengpässen rechnen: „Die Mitarbeiter hatten keinerlei Ruhe über die Feiertage. Viele müssen selbst in Quarantäne oder infizieren sich“, so Gaß. „Angesichts der Meldungen über den mutierten Virustyp müssen Kontakte noch stärker eingeschränkt werden.“

Die klare Forderung der Krankenhäuser an die Politik laute: „Es muss bei den Kontaktbeschränkungen über den 10. Januar hinaus bleiben. Ansonsten wird es zu einer Überforderung der Krankenhäuser kommen“, sagte Gaß dem RND.

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Armin Laschet: Lockerungen „geradezu ausgeschlossen“

Auch angesichts solcher Warnungen senden mehr und mehr Landesregierungen längst das Signal, dass die Auflagen über den 10. Januar hinaus gültig bleiben dürften. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) betonte am Mittwoch, man müsse den Menschen die Erwartung nehmen, dass der Lockdown nächste Woche ende.

„Wir werden noch eine längere Zeit durchhalten müssen“, sagte Laschet in Düsseldorf. „Die Todeszahlen haben heute einen absoluten Höhepunkt erreicht. Unter dem Gesichtspunkt halte ich es geradezu für ausgeschlossen, dass wir in wenigen Tagen Zahlen hätten, die etwas anderes ermöglichen als eine Verlängerung des Lockdowns.“

Tobias Hans (CDU), der Ministerpräsident des Saarlandes. © Quelle: Oliver Dietze/dpa

Ähnliche Äußerungen kamen aus den Regierungen von Hessen, Sachsen und Baden-Württemberg – wobei die Stuttgarter Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) zumindest die Grundschulen und Kitas am 11. Januar wieder öffnen will. Dagegen sprach sich der Deutsche Lehrerverband aus: Die Infektionslage erfordere entweder Distanzunterricht oder bestenfalls Wechselbetrieb.

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte, die aktuellen Zahlen und die „große Sorge, dass an Silvester gefeiert wird“, gäben keine Lockerungen her. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte dem RND gesagt, es deute für die Bund-Länder-Runde nichts auf Lockerungen hin.

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Manuela Schwesig: Noch eine lange Strecke

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, sagte dem ZDF: „Ich gehe fest davon aus, dass wir weiterhin mit Einschränkungen leben müssen.“

Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) betonte: Die Infektionen pro hunderttausend Einwohner in sieben Tagen müssten deutlich unter 50 kommen, „damit wir wieder in besserem Fahrwasser sind – und das wird noch eine lange Strecke“.

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Trotz Weihnachten und Silvester gelten deutschlandweit weiterhin Kontaktbeschränkungen. Eine Übersicht über die allgemeinen Corona-Regeln zum Jahreswechsel.  © RND

Zuletzt hatten Ministerpräsidenten, Bundeskanzleramt und Koalitionspolitiker am 13. Dezember erweiterte Geschäfts-, Kultur- und Schulschließungen sowie Kontaktsperren bis 10. Januar verhängt und vereinbart, die Maßnahmen am 5. Januar zu überprüfen.

Seitdem sind die Infektionen aber kaum zurückgegangen. Am Mittwochmorgen hatte die Zahl der durch die Gesundheitsämter gemeldeten Corona-Todesfälle sogar erstmals die Marke von 1000 pro Tag überschritten: Laut Robert-Koch-Institut lag sie bei 1129, also 167 über dem Wert der Vorwoche.

Entsprechend trübe ist die Stimmung der Deutschen mit Blick aufs neue Jahr: Laut einer Umfrage des Instituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur glaubt nur jeder Vierte (26 Prozent), dass die Corona-Pandemie 2021 weitgehend überwunden wird. Zwei Drittel rechnen damit, dass das Virus das Leben in Deutschland noch das ganze Jahr über beeinträchtigt.

Das Virus hatte Deutschland vor knapp einem Jahr erreicht. Die erste Infektion war am 27. Januar in Bayern bekannt geworden. Seitdem haben sich mehr als 1,6 Millionen Menschen angesteckt, mehr als 30.000 sind gestorben.

mit qua und Agenturmaterial

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