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  • Klimawandel: Auswirkungen in Australien - Regierung zum Handeln aufgefordert

Inselaufstand gegen australische Regierung

  • Brände, Dürre, Überschwemmungen und tote Korallen: Australien bekommt den Klimawandel schon heute zu spüren.
  • Vor allem die Inseln in der Torresstraße zwischen Australien und Papua-Neuguinea sind dem Untergang geweiht.
  • Ihre Bewohner fordern die australische Regierung zum Handeln auf.
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Canberra. Australien stellt sich bei den Klimazielen stur. Nicht einmal der Druck des US‑Präsidenten Joe Biden beim virtuellen Gipfel im April konnte den australischen Regierungschef Scott Morrison dazu bewegen, die schwachen Klimaziele des Landes aufzubessern. Bisher will das Land seine Emissionen bis 2030 um 26 bis 28 Prozent unter das Niveau von 2005 senken, ein Nullemissions­ziel bis 2050 ist bisher nicht offiziell ausgesprochen worden.

Dabei ist Australien eines der Länder, das die Auswirkungen des Klimawandels schon heute deutlich zu spüren bekommt. Die Bewohner der Torres-Strait-Inseln, eine Gruppe von über 100 Inseln zwischen der Kap-York-Halbinsel an der Spitze Australiens und der Küste von Papua-Neuguinea, erleben seit Jahren, wie der steigende Meeres­spiegel, extreme Wetter­ereignisse und Küstenerosion ihre Heimat und ihre Lebensweise bedrohen.

East Gippsland: Bilder der immensen Buschfeuer in Australien gingen im Winter 2019/20 um die ganze Welt. © Quelle: -/State Government of Victoria/A
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„Das Riff sieht aus wie eine Wüste“

Schon 2008 schilderte eine Fallstudie die Auswirkungen auf nistende Schildkröten, die Vogelwelt und das Seegras in der Region. Über die Bewohner der Insel hieß es in der damaligen Studie: „Sie fühlen, dass ihr Leben physisch wie kulturell gefährdet ist.“

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„Aus meiner Sicht wäre es sehr wünschenswert, wenn wir auch weltweit eine CO₂-Bepreisung bekämen.“ sagte die Kanzlerin am Donnerstag beim Klimadialog.  © Reuters

Über zehn Jahre später ist die Situation nochmal dramatischer: So berichtete der Inselbewohner Yessie Mosby im Interview mit dem australischen Sender ABC, wie der Klimawandel seine Insel – Masig Island – zu einem zunehmend trostlosen Ort gemacht hat.

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Beispielsweise ist der Brunnen der Insel durch eingedrungenes Meerwasser salzig geworden, die Korallen vor der Insel sind abgestorben. „Das Riff sieht aus wie eine Wüste“, sagte Mosby. Auf anderen Inseln ist die Lage ähnlich: Auf Poruma Island, eine etwas kleinere und schmalere Insel, ist bereits eine Plantage mit 250 Kokospalmen ins Meer gespült worden. Eine Straße und Gebäude auf der Westseite der Insel sind ebenfalls gefährdet.

Beschwerde beim UN‑Menschenrechtsausschuss

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Wissenschaftliche Modelle deuten darauf hin, dass einige der tief liegenden Inseln innerhalb von Jahrzehnten sogar völlig unbewohnbar werden könnten, sollten die globalen Temperaturen weiter ansteigen. „In diesem Fall werden wir in unserem eigenen Land Klimaflüchtlinge werden“, sagte Kabay Tamu, ein weiterer Inselbewohner von der Insel Warraber. „Wenn ich nur daran denke, kommen mir manchmal Tränen in die Augen.“

Bereits 2019 haben Tamu und Mosby gemeinsam mit sieben anderen Inselbewohnern deswegen eine Beschwerde beim UN‑Menschen­rechts­ausschuss in Genf eingereicht. In der Petition werfen die Insulaner der australischen Regierung vor, ihre Menschen­rechte verletzt zu haben, indem sie nicht ausreichend gegen den Klimawandel vorgeht.

Damals schrieb Tamu in einer Erklärung, dass er fürchte, dass der Klimawandel erneut zu einer Art Koloniali­sierung führen werde, wenn seine Leute ihr Land verlassen müssen und ihre Sprache, Kultur und Traditionen dann nicht mehr ausleben können.

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Sandsäcke mit einer Lebensdauer von 50 Jahren sollen das gefährdete Ufer schützen

Die australische Regierung weist die Vorwürfe von sich. Sie hat den Menschenrechts­ausschuss im August deswegen aufgefordert, die Petition abzulehnen. Gegenüber lokalen Medien betont der Minister für indigene Angelegenheiten, Ken Wyatt, stets, dass die Regierung davon überzeugt sei, „dass ihre Klimapolitik im Einklang mit den inter­nationalen Menschenrechts­verpflichtungen“ stehe.

Zudem wolle man die Inselbewohner nicht alleinlassen, sondern ihnen mit dem Bau von Infrastruktur – wie zum Beispiel Seemauern – helfen. Anfang 2018 wurde für Poruma beispielsweise eine Notfinanzierung über 650.000 Australische Dollar, umgerechnet fast 420.000 Euro, genehmigt, um das gefährdete Westufer der Insel zu schützen. Doch die speziellen Sandsäcke, die anstatt von Felsen oder Ziegeln für den Wall benutzt wurden, haben nur eine Lebensdauer von rund 50 Jahren.

Premierminister lehnt Einladung ab

Die Bewohner der Torresstraße fühlen derzeit, dass ihnen die Zeit immer mehr davonläuft. Erfüllen sich die wissenschaftlichen Prognosen und der Meeresspiegel steigt in ihrer Region bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa 80 Zentimeter an, hätte dies noch mal verheerendere Auswirkungen auf die Inseln als bisher schon.

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Australiens Premierminister Scott Morrison hört beim Onlineklimagipfel US-Präsident Joe Biden zu. © Quelle: imago images/AAP

Bereits während des UN‑Klimagipfels in New York 2019 hat der Insel­bewohner Kabay Tamu den australischen Premierminister Scott Morrison deswegen aufgefordert, seine Insel Warraber zu besuchen, um sich selbst ein Bild von den Auswirkungen des Klimawandels zu machen.

Denn wie Tamu es formulierte: „Schließlich ist es ziemlich schwer, von Canberra aus zu sehen, wie sich die Wetterbedingungen ändern.“ Der Politiker lehnte die Einladung später jedoch per E‑Mail ab.

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