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Klimakonferenz – Es ist zum Heulen

Der Perito-Moreno-Gletscher im Los-Glaciares-National­park in der Nähe von El Calafate in Argentinien. Schmelzende Gletscher sind ein Sinnbild für den Klimawandel.

Berlin.Selten enden große Ereignisse so ungeplant symbolisch: Der Präsident der Welt­klimakonferenz, Alok Sharma, kämpfte mit den Tränen, bevor er mit einem Hammerschlag das Verhandlungs­ergebnis besiegelte. Es mag Erschöpfung mitgeschwungen haben nach zwei Wochen aufreibender Verhandlungen. Aber eines macht die Aufge­wühltheit Sharmas vor allem deutlich: die Enttäuschung darüber, dass auch der Klimapakt von Glasgow weit hinter dem zurückbleibt, was eigentlich nötig wäre. Es ist schlichtweg zum Heulen.

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Denn der Klimawandel ist mittlerweile als Fakt anerkannt. Es ist ja auch nicht mehr zu übersehen: Gletscher gehen zurück, die Polkappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt, es gibt Kälteeinbrüche, Hitzeperioden, sintflutartige Regenfälle. Die verhandelnden Staaten sind sich bewusst, welche Gefahren das birgt und dass es nötig ist, sich mit aller Kraft gegen die Entwicklung zu stemmen. Aber gereicht hat es wieder einmal nur dafür, die Backen aufzublasen, etwas kräftiger als bisher immerhin.

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In der Konferenzblase

Das ist bei Weitem nicht genug. UN-General­sekretär António Guterres hat das so formuliert: Es sei jetzt Zeit, „in den Not­fall­modus zu gehen“.

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Dass sich ausgerechnet die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze traute, von einem „welt­bewegenden“ Ergebnis zu sprechen, verwundert daher sehr. Es lässt sich nur damit erklären, dass Schulze etwas zu tief in die Konferenz­blase abgetaucht war, in der die Minimal­bewegungen diplomatischer Gefechte Glücksgefühle auslösen. Eine gewisse Abge­brüht­heit mag auch mitspielen: Wenn die Weltklima­konferenz den Ehrgeiz der Klimaschutz­demons­tranten übernommen hätte, wäre dies eine gehörige Überraschung gewesen.

COP26: Enttäuschung und Erleichterung über Glasgow-Klimapakt

Mit Spannung hat die Welt auf den zwei­wöchigen Weltklimagipfel in Glasgow geblickt.

Es gibt auch Lichtblicke

Und natürlich lassen sich auch positive Punkte finden: Es gibt etwas strengere Ziele für die Vorlage von Klima­schutz­plänen. Die Treib­haus­gase sollen bis 2030 um 45 Prozent reduziert werden. Und erstmals haben sich die 200 verhandelnden Staaten überhaupt um das Thema Kohle gekümmert. Immerhin. Aber die Ernüchterung folgt auf dem Fuß: In letzter Minute fiel das Wort vom Ausstieg doch wieder unter den Tisch. Von Abbau ist jetzt weit weniger verbindlich und endgültig die Rede.

Natürlich ist es gut, dass China und die USA, die sich auf so vielen Ebenen belauern, wenigstens beim Thema Klima zusammen­gefunden haben. Aber auch das ist aber ein Erfolg auf wackeligem Grund. Sollte Donald Trump oder einer seiner nicht minder fakten­resistenten Apologeten in drei Jahren erneut Präsident werden, wird die Vereinbarung hinweggespült werden wie ein Inselstaat vom steigenden Meeres­spiegel.

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Trump hat schon einmal ein Klima­abkommen aufgekündigt. Schon um seiner Zerstörungs­wut etwas entgegen­zusetzen, wäre also mehr Verbind­lichkeit nötig. Das gilt auch für Finanz­zusagen an die Länder, die den Klimawandel als Erstes existenziell zu spüren bekommen werden.

Eisberge, Eisbären, Enkelkinder

Dafür sollten die Bilder von den Eisbären, Eisbergen und die auf der Konferenz geschwenkten Fotos von Enkel­kindern eigentlich reichen. Wenn das nicht der Fall ist, weil die Gegenwart den Protagonisten wichtiger ist als die Zukunft, muss – so schnöde es klingt – das Geld die Überzeugungs­arbeit leisten.

Wenn Klimaschutz als Wett­bewerbs­vorteil begriffen wird, wenn es sich lohnt, Treibhaus­gase zu reduzieren, dann geht mit Sicherheit etwas voran.

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Dass der Bundes­verband der Deutschen Industrie das Ergebnis von Glasgow als enttäuschend kritisiert, lässt hoffen.

Die nächste Bundes­regierung entbindet das nicht von der Aufgabe, ein ernst­haftes Klimapaket auf die Beine zu sein. Im Gegenteil. Es sollte tatsächlich welt­bewegend sein, im wahrsten Sinne des Wortes.

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