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“Woher kommt dieser Hass?” – Luisa Neubauer über Hatespeech im Netz

  • Sexistische Hasskommentare gehören zum Alltag der Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer.
  • Nun hat sie eine einstweilige Verfügung gegen den rechtspopulistischen Autor Akif Pirincci erwirkt.
  • In einem “Spiegel”-Interview erzählt sie, wie stark sie und andere Fridays-for-Future-Aktivistinnen mit Hasskommentaren zu kämpfen haben.
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Berlin. Die prominente Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer hat eine einstweilige Verfügung wegen eines Facebook-Posts des rechtspopulistischen Autors Akif Pirincci erwirkt. Pirincci hatte ein Foto Neubauers mit einer “sexistischen Erniedrigung” kommentiert, wie der “Spiegel” berichtet. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin sprach Neubauer nun über das Ausmaß der Hassnachrichten, die ihr und anderen jungen Klimaaktivistinnen in den sozialen Medien entgegenschlägt.

Mit sexistischen Kommentaren in den sozialen Medien habe sie schon zu kämpfen, seitdem sie sich öffentlich politisch äußere, sagte Luisa Neubauer. Bereits wenige Minuten nach ihren Posts auf Twitter oder Instagram gingen die ersten Hasskommentare ein. Ein großer Teil dieser Kommentare sei sexistisch: “Der sexualisierte Hass in den Kommentaren geht irritierend oft über zu Foren, in denen über meine Vergewaltigung fantasiert wird.”

Nicht nur sie habe mit Hatespeech zu kämpfen, sondern auch andere Aktivistinnen der Klimaschutzbewegung. “Weibliche Aktivistinnen bekommen ein Vielfaches an Hasskommentaren ab”, sagte Neubauer dem “Spiegel”. “Völlig unabhängig von dem, was wir inhaltlich sagen oder posten.” Dabei werde etwa darüber spekuliert, ob Geschlechtsverkehr mit jugendlichen Aktivistinnen bereits legal wäre.

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Kritik an Facebook und Behörden

Es werde viel zu selten gefragt, woher dieser Hass komme, so Neubauer. “Wir reden hier nicht über einen Konflikt zwischen mir und dem Hater, sondern über strukturellen Frauenhass, Sexismus und Misogynie, die überall und immer radikaler zum Ausdruck gebracht werden.” Die Aktivistin kritisierte in dem Interview sowohl soziale Netzwerke wie Facebook, die zu wenig gegen die Verbreitung solcher Hassnachrichten unternähmen, als auch die deutschen Behörden.

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“Als ich zum Beispiel mal eine Anzeige in Berlin gestellt habe, musste meine Anwältin mehrere Schreiben schicken, bis die Anzeige zugelassen wurde, ohne dass meine private Anschrift angegeben wurde”, berichtete Neubauer. Andernfalls wäre ihre Adresse für alle Prozessbeteiligten – also auch einen mutmaßlichen Verfasser sexistischer Hassnachrichten – einsehbar gewesen.

Sollte sie nach der einstweiligen Verfügung gegen Pirincci auch in einem Hauptsacheverfahren gewinnen und ein Schmerzensgeld erhalten, werde sie dies an die Organisation Hate Aid spenden, die Opfer von Hatespeech im Netz juristisch unterstützt, erklärte Neubauer.

RND/feh

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