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Corona-Krise: Kippt das Beherbergungsverbot?

  • Gerade in den Ballungs­räumen steigen die Corona-Infektions­zahlen an.
  • Ein Mittel dagegen soll das Beherbergungs­verbot für diejenigen sein, die aus deutschen Risiko­gebieten kommen.
  • Die Gewerkschaft NGG sagt, der Gesundheits­schutz für die Mitarbeiter in den Hotels müsse Priorität haben. Sie warnt aber auch vor den wirtschaftlichen Folgen.
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Berlin. Ein Wort will Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag nicht hören. Es ist das Wort Panikmache. Er kenne niemanden in der Bundesregierung, der Panik mache, sagt er.

„Die Pandemielage ist ernst, weil wir nahezu überall steigende Infektionszahlen verzeichnen“, sagte Seibert nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts der Bundesregierung, das zu einer Bestandsaufnahme dienen sollte. Gerade in Großstädten und Ballungsräumen gebe es auch sprunghaft steigende Infektionszahlen.

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„Alle in der Bundesregierung sind sich darüber einig: Jetzt ist die Zeit, in der sich entscheidet, ob wir uns erfolgreich gegen diese Entwicklung stemmen können oder ob uns die Zahlen in Richtung Winter und Weihnachten davonlaufen“, sagte Seibert. Dies würde sich dann eher früher als später auch in den Intensivstationen der Krankenhäuser zeigen, fügte er hinzu. Dann würde eine wachsende Zahl von Patienten einen hohen Preis bezahlen, so der Regierungssprecher.

Immer mehr Städte überschreiten den Warnwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Berlin, Frankfurt und Bremen liegen über dieser Marke. In den vergangenen Tagen sind unter anderem Köln, Stuttgart und Essen dazugekommen. Auch in München hat der Wert nach Angaben des Robert-Koch-Instituts jetzt knapp die Marke überschritten.

Beherbergungsverbot: Eine hart geführte Debatte

Eine harte Debatte hat währenddessen das Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Risikogebieten ausgelöst. Es soll am Mittwoch bei der Minister­präsidenten­konferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch einmal beraten werden. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verwies darauf, Beherbergungs­verbote zwischen Berlin und Brandenburg machten angesichts von Hundert­tausenden Pendlern keinen Sinn.

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Kanzleramts­minister Helge Braun (CDU) hatte das Beherbergungs­verbot als „echte Notfall­maßnahme“ verteidigt. Der Deutsche Hotel- und Gaststätten­verband (Dehoga) erwartet, das Beherbergungsverbot werde noch ein juristisches Nachspiel haben.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten warnt vor den wirtschaftlichen Folgen. „Ein wochenlanges Beherbergungs­verbot würden viele Betriebe nicht überleben – etwaige Reserven sind längst aufgebraucht“, sagte der Vizechef der Gewerkschaft, Freddy Adjan, dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

„Wenig Verständnis habe ich, wenn die Beschäftigten in den Hotels als Kontrolleure der ständig wechselnden Regelungen eingesetzt werden sollen“, fügte Adjan hinzu. „Hotel­fachleute sind weder Polizisten noch Detektive.“ Der NGG-Vize­vorsitzende betonte zugleich: „Oberste Priorität hat für uns die Gesundheit der Beschäftigten in den Betrieben. Sie dürfen, trotz aller wirtschaftlichen Nöte, keinem Risiko ausgesetzt werden.“

Die Sache mit den Infektions­zahlen

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Fachlichen Streit gibt es über die Frage, wie wichtig die reine Infektions­zahl als Kriterium für die Beurteilung der Lage ist. Regierungs­sprecher Seibert betonte, von dieser Zahl hänge ab, ob die Gesundheits­ämter in der Lage seien, die Kontakt­verfolgung aufrecht­zu­erhalten. Genau das müsse aber das Ziel bleiben.

Der Vorstands­vorsitzende der Kassen­ärztlichen Bundes­vereinigung (KBV), Andreas Gassen, hatte zuvor in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gesagt: „Wir müssen aufhören, auf die Zahl der Neuinfektionen zu starren wie das Kaninchen auf die Schlange, das führt zu falschem Alarmismus.“ Er ergänzte: „Selbst 10.000 Infektionen täglich wären kein Drama, wenn nur einer von 1000 schwer erkrankt, wie wir es im Moment beobachten.“ Seibert sprach von einer gestiegenen Zahl schwer verlaufender Fälle.

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