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Kinderärzte: „Schulschließungen richten unheilbaren Schaden an“

Ein leeres Klassenzimmer.

Berlin. Die Kinder- und Jugendärzte haben die im Rahmen der Bundesnotbremse vorgesehenen Schulschließungen scharf kritisiert und vor massiven Schäden für Kinder und Jugendliche gewarnt. „Wenn Kinder und Jugendliche immer wieder in den Bildungslockdown geschickt werden, wird ein Schaden angerichtet, der nicht wieder zu heilen ist“, sagte Verbandspräsident Thomas Fischbach dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das Offenhalten der Schulen ist unabdingbare Voraussetzung für das Kindeswohl“, betonte er.

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Die Vermittlung von Wissen könne vielleicht später noch nachgeholt werden, argumentierte Fischbach. „Doch es geht in der Schule auch um die Persönlichkeits- und Sozialentwicklung junger Menschen, die in festen Zeitfenstern verläuft. Was hier durch soziale Isolation verpasst wird, lässt sich später nicht mehr einfach nachholen“, beklagte er. Darüber sei sich die Politik offensichtlich nicht ansatzweise im Klaren. „Das ist aber auch kein Wunder, wenn die Fachleute nicht gefragt werden“, kritisierte er.

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Fischbach: „Massiv verschlimmbessert“

„Die Koalition hat die Notbremse durch die Absenkung des Schwellenwertes für Schulschließungen massiv verschlimmbessert“, so der Verbandspräsident. Trete sie in Kraft, müssten bundesweit in fast der Hälfte aller Landkreise die Schulen geschlossen werden.

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Die seelischen und körperlichen Nebenwirkungen fehlender sozialer Kontakte und mangelnder Bewegungsmöglichkeiten durch Schulschließungen seien jedoch bereits unübersehbar, betonte der Kinderarzt. „Wir erleben in unseren Praxen Vereinsamung, Depressionen, aggressives Verhalten und eine Zunahme von Fettleibigkeit“, berichtete er.

Notbremse: Lehrer und Lehrerinnen beklagen zu hohe Grenzwerte für Schulschließungen

Die Corona-Notbremse des Bundes ist noch einmal nachgebessert worden. Viele Lehrer und Lehrerinnen kritisieren dennoch den hohen Grenzwert für den Distanzunterricht.

„Wir müssen die Schulen offen halten – natürlich unter Beachtung von Schutzkonzepten, die zum Beispiel feste Gruppen, Wechselunterricht, gestaffelte Anfangszeiten und regelmäßiges Lüften vorsehen“, forderte der Verbandschef. Man sehe in den Praxen, dass sich Kinder zumeist innerhalb ihrer Familien ansteckten, oftmals bei Eltern oder weiteren Verwandten.

„Die Schulen sind keine Treiber der Pandemie“, betonte er. Der nunmehr festgelegte Inzidenzwert von 165 für die Schließung von Schulen sei eine gegriffene Zahl ohne jede Evidenz. „Die Politik muss die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen endlich ernst nehmen“, verlangte der Verbandspräsident.

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Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes soll am Mittwoch im Bundestag beschlossen und am Donnerstag vom Bundesrat bestätigt werden. Sie gibt dem Bund die Möglichkeit, bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 Infektionen pro 100.000 Einwohner bundesweit einheitliche Regeln zur Bekämpfung der Pandemie zu erlassen. Neben den Schulschließungen ist unter anderem eine nächtliche Ausgangssperre geplant.

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