• Startseite
  • Politik
  • Kinderarbeit: Entwicklungsminister Müller appelliert an uns Verbraucher

Entwicklungsminister Müller: Wir Verbraucher können etwas gegen Kinderarbeit tun

  • Entwicklungsminister Müller will Unternehmen, die im Ausland produzieren, dazu zwingen, die Menschenrechte einzuhalten.
  • Die Pandemie habe die Lage der Kinder nochmals verschärft, sagt er.
  • Und er appelliert an die Verbraucher, die Herkunft der Produkte zu hinterfragen.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Deutschland will den Kampf gegen Kinderarbeit zu einem Schwerpunkt der bevorstehenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft machen. Ziel der Bundesregierung sei es, die Grundlagen für ein europäisches Lieferkettengesetz zu schaffen, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Anlass des “Internationalen Tages gegen die Kinderarbeit” an diesem Freitag. “Alle großen Unternehmen wären dann verpflichtet, faire Löhne für die Arbeiter in ihren Lieferketten zu bezahlen und Kinderarbeit zu beenden, dort wo unsere Schuhe, Kleidung, Kaffee produziert werden”, betonte der CSU-Politiker.

“Die Lage ist dramatisch”

Müller sagte, 150 Millionen Kinder müssten täglich auf Kaffeeplantagen oder in Steinbrüchen schuften, fast die Hälfte von ihnen unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Der Fortschritt für eine Welt ohne Kinderarbeit sei schon vor Corona schleppend gewesen. Durch die Pandemie drohten nun enorme Rückschritte. “Die Lage ist dramatisch”, warnte der Minister.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Durch die Pandemie hätten viele Eltern ihren Arbeitsplatz verloren. Kinder müssten arbeiten, damit die Familien überleben könnten. “Eine Milliarde Kinder können nicht zur Schule gehen und viele verlieren so die einzige Mahlzeit am Tag”, sagte er. Nach Schätzungen könnten durch die Pandemie weitere 40 Millionen Kinder dieses Jahr in extreme Armut geraten. Nach seinen Angaben wachsen derzeit rund 400 Millionen Kinder weltweit in extremer Armut auf.

“Deswegen werden wir die Situation der Kinder in der Welt und den Kampf gegen Kinderarbeit zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft machen”, kündigte er an. “In Westafrika arbeiten zwei Millionen Kinder auf Kakaoplantagen – auch für unsere Schokolade. Im Kongo schuften Kinder in Minen für Koltan, das wir für unsere neuen Smartphones brauchen. Jeder dritte Grabstein in Deutschland stammt aus Indien, wo 150.000 Kinder in Steinbrüchen schuften”, so der Minister.

“Einfach machen”

“Mit einem Lieferkettengesetz können wir das ändern”, mahnte der CSU-Politiker. 50 renommierte Unternehmen unterstützten ein solches Gesetz in Deutschland. Fast 200.000 Menschen hätten eine entsprechende Petition unterzeichnet. “Wir müssen es jetzt einfach machen. Es sollte sich heute kein Unternehmer mehr hinstellen können und sagen: Ich habe nichts aktiv gegen Kinderarbeit und Sklaverei in meiner Lieferkette getan.”

Anzeige

Müller appelliert auch an die Verbraucher, ihren Beitrag zu leisten. “Ich wünsche mir, dass mehr Kunden sich fragen: Wurde mein T-Shirt oder mein Kaffee ohne Kinderarbeit hergestellt?”, sagte er. Kunden könnten zum Beispiel auf Siegel wie den Grünen Knopf achten oder faire Schokolade kaufen. “So kann jeder von uns mithelfen, die Kinderarbeit einzudämmen”, forderte Müller.

Ein Lieferkettengesetz ist in der Bundesregierung umstritten. Die SPD unterstützt das Vorhaben von Müller, die CDU setzt mit Rücksicht auf die Wirtschaft bisher auf freiwillige Lösungen. Allerdings mehren sich auch in der CDU die Stimmen, die gesetzlichen Handlungsbedarf sehen.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen