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Sorge um Kinder in der Corona-Krise: „Kein Lockdown für Kinderrechte“

  • Die UN warnt davor, dass aus der Corona-Krise eine verlorene Generation an Kindern heranwächst.
  • Mehr Armut und eine mangelnde Gesundheits- und Bildungsversorgung würden weltweit mehr Kinder bedrohen.
  • Der Kinderschutzbund kritisiert, dass in Deutschland die Kinderrechte nicht vollständig anerkannt seien.
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Bremen. Angesichts der Corona-Krise haben die Vereinten Nationen vor dem Heranwachsen einer verlorenen Generation von Kindern gewarnt. Je länger die Krise andauere, desto tiefer seien die Auswirkungen auf Gesundheit, Ernährung, Bildung und Wohlgefühl von Kindern, erklärte die Exekutivdirektorin des Kinderhilfswerks Unicef, Henrietta Fore, am Donnerstag in New York.

Die Krise verdüstere die Zukunftsaussichten vieler Mädchen und Jungen, betonte Fore anlässlich des Weltkindertages am Freitag. Die Corona-Pandemie habe zu einer Verschärfung der weltweiten Armut geführt, unter der besonders Kinder litten. Bis Mitte 2020 sei die Zahl der Mädchen und Jungen, die in großer Armut leben, um 150 Millionen im Vergleich zu der Zeit vor Beginn der Pandemie gestiegen.

Gesundheits- und Nahrungsversorgung verschlechtert

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In vielen Ländern habe sich die Gesundheitsversorgung von Kindern verschlechtert, sagte sie. So würden weniger Kinder geimpft. Ressourcen für Geburtshilfe fehlten oder würden in den Kampf gegen die Corona-Pandemie umgeleitet.

Aus 135 Ländern sei ein Rückgang von 40 Prozent bei der Bereitstellung von Nahrungsmittel-Diensten für Heranwachsende gemeldet worden, hieß es von Unicef. Im Oktober hätten 265 Millionen Kinder keine Schulspeisung erhalten. Derzeit könnten insgesamt mehr als 570 Millionen Schüler nicht in ihre Bildungseinrichtungen gehen, da diese coronabedingt geschlossen worden seien.

Kritik auch am Zustand in Deutschland

Auch in Deutschland sind die Kinderrechte nach Auffassung des Kinderschutzbundes trotz der 1989 unterschriebenen UN-Kinderrechtskonvention noch immer nicht voll umfänglich anerkannt.

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„Tatsächlich stoßen die Kinderrechte im Alltag immer wieder an ihre Grenzen“, kritisierte am Mittwoch der Bremer Landesvorsitzende Carsten Schlepper mit Blick auf den Internationalen Tag der Kinderrechte am Freitag. Gerade jetzt zur Zeit der Corona-Pandemie müssten die Rechte von Kindern und Jugendlichen gesehen werden.

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So lebten in Bremen viele Kinder in Armut, hätten nicht die gleichen Bildungschancen wie andere oder bekämen nicht die Hilfe, die ihnen zustehe, führte Schlepper aus. Nach wie vor würden Kinder und Jugendliche nur ungenügend bei Angelegenheiten beteiligt, von denen sie selbst betroffen seien. Umfragen unter Kindern und Jugendlichen zeigten, dass sie oft gar nicht gefragt würden: „Ihre Rechte werden nicht ernstgenommen.“

“Keinen Lockdown für Kinderrechte”

Überdies ändere die Coronakrise das Leben der meisten Kinder und Jugendliche auf einschneidende Weise. „Sport- und Freizeitaktivitäten sind kaum noch möglich, viele Schulklassen mussten bereits in Quarantäne.“ Wenn Eltern überfordert oder durch Existenzangst belastet seien, könne das zudem zu einem Anstieg von Konflikten führen.

„Das bedeutet für viele Kinder, dass sie Streit in der Familie miterleben oder dass sie Zeuge oder Opfer von innerfamiliärer Gewalt werden“, warnte Schlepper. Daher sei der Zugang zur Hilfe von außen besonders jetzt extrem notwendig. „Wir appellieren an alle Erwachsene, Kinder und Jugendliche in schwierigen Situationen nicht alleinzulassen, genau hinzusehen und zu hören und gegebenenfalls Hilfe einzuleiten.“

Der Kinderschutzbund betone nachdrücklich, dass Kinderrechte immer und überall gelten, auch in der Coronakrise: „Es gibt keinen Lockdown für Kinderrechte.“

RND/epd

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