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“Kick Boris out”: Aktivisten wollen Johnson Mandat streitig machen

  • In den Umfragen liegen die Tories um Boris Johnson weit vorn. Wenig Grund zur Sorge also?
  • Im Gegenteil, denn der britische Premier muss um das Mandat in seinem eigenen Wahlkreis bangen.
  • Initiativen wie “Kick Boris out” oder “Fck Boris” bringen Johnson in Bedrängnis.
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Uxbridge. Der britische Premierminister Boris Johnson muss bei der Parlamentswahl am 12. Dezember möglicherweise um sein Mandat bangen. Darauf hoffen zumindest Initiativen wie "Kick Boris Out" oder "Boot Boris Out". Die Aktivisten arbeiten daran, genügend Wähler zu mobilisieren, um Johnson sein Mandat im Wahlkreis Uxbridge and Southern Ruislip streitig zu machen. Der konservative Politiker gewann bei der vergangenen Wahl 2017 nur mit einer knappen Mehrheit von rund 5000 Stimmen.

In einem offenen Brief wandten sich am Donnerstag Dutzende proeuropäische Organisationen an die Chefin der britischen Liberaldemokraten. Sie forderten Jo Swinson auf, ihre Kandidatin für den Wahlkreis zurückzuziehen und Labour zu unterstützen. Im Gegenzug sollten die Sozialdemokraten nicht mehr im Wahlkreis von Außenminister Dominic Raab, Esher and Walton, antreten. Dort haben die Liberaldemokraten Chancen auf Erfolg. Beide Parteien wollen ein zweites Referendum über den EU-Austritt erreichen.

In Johnsons Wahlkreis sind seit Wochen Aktivisten unterwegs, um junge Wähler zu mobilisieren. Bei einer Rave-Party Mitte November in den Straßen von Uxbridge riefen sie die Menschen dazu auf, sich für die Wahl registrieren zu lassen. Dahinter steht eine Initiative mit dem Namen "Fck Boris", die vor allem von jungen Frauen mit afrikanischem und asiatischem Migrationshintergrund getragen wird.

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Sofortiger Rücktritt für Johnson nicht zwingend, aber der Druck dürfte enorm werden

Johnsons Konservative liegen in den Umfragen weit vor den Sozialdemokraten von Labour. Das britische Mehrheitswahlrecht macht Voraussagen aber sehr schwer. Nur die Kandidaten mit den meisten Stimmen in ihrem Wahlkreis ziehen ins Parlament ein. Ob Labour-Chef Jeremy Corbyn das Ruder noch einmal herumreißen kann, könnte sich am Freitagabend bei einem TV-Duell zwischen den beiden Spitzenkandidaten erweisen.

Sollte Johnson sein Mandat tatsächlich verlieren, wäre der BBC zufolge ein sofortiger Rücktritt nicht zwingend. Johnson könnte versuchen, über eine Nachwahl doch noch ins Parlament zu kommen. Der Druck auf den Regierungschef dürfte aber in diesem Fall sehr hoch werden.

Alle lassen sich interviewen - außer Johnson

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Kritik zieht Johnson auch wegen einer weiteren Sache auf sich. Der Ministerpräsident will sich nicht von einem bekannten Journalisten interviewen lassen. An diesem Freitag steht die letzte Fernsehdebatte zwischen Johnson und seinem Herausforderer Jeremy Corbyn von der Labour-Partei an.

Der für seine bohrenden Fragen bekannte BBC-Journalist Andrew Neil hatte Johnson am Donnerstag im Fernsehen herausgefordert und gesagt, alle wichtigen Spitzenkandidaten der vergangenen beiden Jahre hätten sich einem Interview mit ihm gestellt - alle außer Johnson. Corbyn und drei weitere Parteichefs haben sich vor der anstehenden Parlamentswahl von Neil befragen lassen.

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Der Journalist beschuldigte Johnson, Angst zu haben. Er müsse Fragen über Vertrauen beantworten „und warum Kritiker und manchmal sogar enge Verbündete ihn so oft in seiner Karriere, in der Politik und im Journalismus, als nicht vertrauenswürdig erachtet haben“, sagte Neil.

Der Minister Michael Gove, ein Verbündeter Johnsons, rief die Wähler auf, im Amtssitz des Regierungschefs anzurufen. Johnsons Terminsekretär oder Terminsekretärin wisse, was der Premierminister tun werde, sagte er dem Radiosender LBC.

RND/dpa

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