KfW-Studie: Ungeschulte Mitarbeiter hemmen Digitalisierung

  • Die Digitalisierung mittelständischer Unternehmen läuft nicht rund.
  • Nach einer KFW-Studie liegt das an unzureichenden Digitalkompetenzen der Mitarbeiter.
  • Besonders viel Nachholbedarf gibt es im Bereich Forschung und Entwicklung.
Laura Treffenfeld
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Berlin. Fehlende IT-Kompetenzen der Mitarbeiter bremsen einer Umfrage zufolge die Digitalisierung des deutschen Mittelstands. Ein Drittel der kleineren und mittleren Firmen kann den Bedarf an digitalem Know-how und Fähigkeiten nicht decken, wie aus Daten der staatlichen Förderbank KfW hervorgeht.

Danach sahen zuletzt 38 Prozent der Unternehmen mangelnde Kenntnisse der Mitarbeiter als Hürde bei der Digitalisierung. Bei einer Befragung 2016 waren es noch 29 Prozent. In der Studie heißt es: „Circa 80 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen haben großen Bedarf an digitalen Grundkompetenzen wie der Bedienung von Standardsoftware und digitalen Endgeräten."

Die Forschende Industrie beklagt dabei die größten Engpässe. Insgesamt seien die Digitalkompetenzen hier unterdurchschnittlich gedeckt – obwohl der Bedarf in der Branche besonders groß ist. Im Forschungs- und Entwicklungsintensiven verarbeitenden Gewerbe mangelt es insgesamt in jedem zweiten Unternehmen an mindestens einer Digitalkompetenz.

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Handwerk sieht kaum Bedarf an mehr digitalen Kompetenzen

Das Handwerk hingegen sieht laut der KFW-Studie bei keiner der untersuchten Kompetenzen größeren Bedarf, da der Bausektor weit weniger digital aufgestellt ist. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass gerade die qualitativ hochwertige berufliche Ausbildung ein Alleinstellungsmerkmal des Handwerks ist, und in den kontinuierlich fortgeschriebenen Aus- und Weiterbildungsordnungen auch die jeweils relevanten, aktuellen Dimensionen der Digitalisierung berücksichtigt werden.

Das ZDH weist zudem darauf hin, dass die digitalen Anforderungen zwischen den Baugewerken stark variieren. Drohnen etwa machten bei Dachdeckern viel Sinn und werden dort auch bereits intensiv genutzt – im Innenausbau, etwa bei den Parkettlegern, fehle hingegen dafür der Einsatzbereich.

Schulungen für Mitarbeiter, die das Problem beheben könnten, sind für viele Unternehmen aber zu teuer. Ein Drittel der in der KFW-Studie befragten Mittelständler bezeichneten die direkten Kosten als Problem, ein Viertel den Arbeitsausfall abwesender Mitarbeiter. Als Lösung werden in der Studie digitale Lernformate vorgeschlagen, da diese zeit- und ortsunabhängiges Lernen ermöglichen.

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IT-Experte: Mitarbeiter nicht allein lassen

Michael Littger, Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins "Deutschland sicher im Netz" (DSIN), sieht das Bereitstellen von digitalen Angeboten allein nicht als beste Lösung an. "In erster Linie müssen die Mitarbeiter zu Fortbildungen angeleitet werden. Da haben wir die Bringschuld, nicht andersherum. Ich glaube stark an das zielgruppenspezifische Ansprechen."

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Die Mitarbeiter mit dem Wust an Angeboten allein zu lassen, sei nicht zielführend. "Wir als DSIN wollen daher mit den Leuten in Kontakt treten. Wir sind da unter anderem mit Ratgeberbussen, Experten-Teams oder Info-Schaufenstern unterwegs und gehen zum Beispiel in Vereinshäuser an mehreren hundert Standorten im Bundesgebiet. Ich bin überzeugt, wir müssen auf die Unternehmen zutreten."

Michael Littger, Geschäftsführer von Deutschland sicher im Netz (DSIN), empfiehlt Unternehmen die Zwei-Faktor-Authentifizierung einzusetzen. © Quelle: Deutschland sicher im Netz (DsiN)

Meist würde es in Sachen IT-Sicherheit bereits bei den Grundlagen hapern. "Wir sprechen da über mangelnde Verhaltenskompetenzen, die zu einem großen volkswirtschaftlichen Schaden durch Fahrlässigkeit führen. Man könnte sicher 90 Prozent dieser Schäden abwenden, wenn nur die Grundkompetenz vorhanden wäre", sagt Littger.

Größere Unternehmen mit einer eigenen IT-Abteilung haben oft schon technische und organisatorische Vorkehrungen getroffen. Hingegen ergreift ein Großteil des kleinen Mittelstands, vor allem mit wenigen Mitarbeitern, keine Maßnahmen. "Das Problem ist aber, wir sind alle miteinander vernetzt. So leiden unter diesem Mangel am Ende auch die großen, abgesicherten Unternehmen, die mit den Kleinen zusammenarbeiten", erklärt Littger.

Diese Maßnahmen erhöhen IT-Sicherheit in Unternehmen

Drei einfache Dinge können aber auch kleine Unternehmen umsetzen, um ihre IT-Sicherheit mit wenig Kostenaufwand zu erhöhen. "Wenn wir in die Unternehmen gehen sagen wir immer, führt den zweiten Faktor ein. Eure ganzen Onlinekonten, Kundenportale oder Social Media-Accounts sind sonst nicht sicher. Meist gibt es zum Beispiel einen Facebook-Account, für den fünf Mitarbeiter das Passwort haben – und dann kennt es bald jeder in der Abteilung. Aber wenn man noch einen USB-Stick am Schlüssel dabei hat, der dem Programm sagt, ich bin wirklich autorisiert, hilft das enorm."

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Es gebe Unternehmen, die die zwei-Faktor-Authentifizierung eingeführt haben und dadurch keine Sicherheitsvorfälle in der Hinsicht mehr hatten. "Auch eine generelle Awareness-Maßnahme ist eine gute Idee. Ruhig einfach mal ein Plakat aufhängen: Wenn jemand anruft, den man nicht kennt, keine Aussagen zu Passwortzugängen geben. Da haben schon viele einen Anruf bekommen von einer angeblichen Finanzabteilung, die noch schnell den Abschluss einer Transaktion gefordert hat."

Zudem sein es hilfreich, so der IT-Experte, auch im kleinsten Unternehmen einen Sicherheitsbeauftragten zu benennen. Der müsse gar nicht viel IT-Knowhow mitbringen, aber die Praxis zeige, wer sich zuständig fühlt, entwickelt auch schnell eigene Kompetenzen.