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Die neue Macht der Jusos – und was sie wirklich bedeutet

Kevin Kühnert gratuliert seiner Nachfolgerin Jessica Rosenthal zur Wahl als neue Bundesvorsitzende der Jusos (Archivfoto).

Kevin Kühnert gratuliert seiner Nachfolgerin Jessica Rosenthal zur Wahl als neue Bundesvorsitzende der Jusos (Archivfoto).

Berlin. Es ziehe jetzt ein anderer Blickwinkel auf die Zeit und auf die Gesellschaft in den Bundestag ein, so formuliert es Kevin Kühnert. Der stellvertretende SPD-Chef ist, wie auch Juso-Chefin Jessica Rosenthal, einer von 49 Jusos, die gerade den Sprung in den Bundestag geschafft haben.

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„Natürlich werden wir als Jusos auch versuchen, einen Teil der vielen Jugendproteste, die seit Jahr und Tag sich vor Parlamenten abspielen, in die Parlamente reinzutragen“, sagt der 32-Jährige.

Wäre Olaf Scholz nur ein Kanzler von Gnaden der Jusos? Falls es dem 63-Jährigen gelingen sollte, eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen zu bilden, käme diese im Bundestag auf 416 Stimmen. Ohne die Jusos wären es noch 367 Stimmen: eine Stimme weniger, als es zur absoluten Mehrheit im Deutschen Bundestag braucht.

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Fast ein Viertel der Fraktion

Jetzt ist es wahrlich nicht so, als müsste Olaf Scholz im Fall erfolgreicher Koalitions­verhandlungen wegen der Jusos um seine Wahl zittern. Die Jugendorganisation der SPD hat zwar vor nicht einmal zwei Jahren Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans gegen ihn als Parteivorsitzende durchgesetzt. Doch auch die Jusos wissen, dass sich seitdem die Zusammenarbeit zwischen den Parteivorsitzenden und Scholz gut entwickelt hat.

Gleichzeitig gilt aber: Die Jusos machen jetzt fast ein Viertel der SPD-Bundestagsfraktion aus – und können damit auch im Regierungsalltag ein echter Machtfaktor sein.

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Gekommen dazu ist es wie so oft im Leben: Es ist einfach anders gelaufen, als fast alle gedacht haben. Angesichts der über viele Monate schlechten Umfragewerte hatten viele Platzhirsche diesmal auf die Kandidatur verzichtet.

Durch den unerwarteten Wahlsieg der SPD zogen Listenplätze, die vor Kurzem noch als aussichtslos galten. Und Jusos gewannen Wahlkreise, die man ihnen deshalb überlassen hatte, weil keiner geglaubt hatte, da sei diesmal irgendwas zu holen.

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„Geborene“ Mitglieder

Doch sind die Jusos im Bundestag überhaupt ein Block, der sich einheitlich in Stellung bringen ließe? Jedes SPD-Mitglied ist bis zur Vollendung des 35. Lebensjahres Juso, sogenanntes „geborenes“ Mitglied. Als Verband sind die Jusos eine linke Kraft in der SPD, die sich vor vier Jahren zum Beispiel kräftig gegen die große Koalition gestemmt hat.

Diesmal haben viele Jusos darauf gehofft, dass es zu Rot-Rot-Grün reichen könnte. Das hat es aber nicht – weshalb eine Rebellion gegen eine Ampelkoalition auch gar keinen Sinn ergeben würde. Dazu kommt: Auch unter Jusos gibt es natürlich Unterschiede.

„Für mich ist die Ampel die Lieblingskoalition – ich weiß aus Rheinland-Pfalz, wie gut das funktionieren kann“, sagt Verena Hubertz, erfolgreiche Gründerin und Unternehmerin. Die 33-Jährige hat den Wahlkreis in Trier, der zuvor fest in CDU-Hand war, mit 33 Prozent gewonnen und ist jetzt neu für die SPD im Bundestag.

„Die Ampel ist ein progressives Bündnis, in dem sich wirtschaftlicher Fortschritt, soziale Gerechtigkeit und der Kampf gegen den Klimawandel gut verbinden lassen“, sagt Hubertz.

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Und mehr noch: „Juso ist nicht gleich Juso – wir bringen alle unsere eigenen Perspektiven ein“, befindet sie. Auch Kevin Kühnert sagt mit einem Lachen im Gesicht, auf Juso-Kongressen werde nicht mal die Geschäftsordnung einstimmig beschlossen.

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