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„Die werden das Kind schon schaukeln“: Kevin Kühnert ahnungs­los bei Lanz über Sondierungen

  • Bei Markus Lanz hat sich der SPD-Politiker ahnungslos gegeben, was die Ampelsondierungen in Berlin betrifft.
  • Er vertraue dem Sondierungsteam, sagte Kühnert.
  • Lanz reagierte überrascht bis ungläubig, schließlich sei Kühnert „der größte Strippenzieher, den die SPD seit langer Zeit gesehen hat“.
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Berlin. SPD-Politiker Kevin Kühnert ist nicht in die Sondierungen über eine mögliche Ampel­koalition eingebunden. Er sei nicht einmal informiert, sagte Kühnert in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“.

„Nein, tatsächlich weiß ich das nicht. Ehrliche Antwort“, sagte Kühnert auf die erstaunte Nachfrage von Moderator Lanz, dass der SPD-Politiker doch genau wisse, was dort passiere. Er könnte zwar mit SPD-General­sekretär Lars Klingbeil oder Kanzler­kandidat Olaf Scholz telefonieren, „und vielleicht würde ich irgendwas herausfinden, aber warum sollte ich?“, fragte Kühnert zurück.

„Natürlich interessiert mich, was dort passiert“, sagte Kühnert. Aber zum einen seien es nur Sondierungen und keine Koalitions­verhandlungen, zum anderen wisse er, wofür sich die Delegation seiner Partei bei den Gesprächen einsetze – das sei das gemeinsam erarbeitete Partei­programm. „Die werden das Kind schon schaukeln.“

Kühnert: „Sie machen das, wofür wir gewählt worden sind“

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Lanz reagierte sichtlich überrascht bis ungläubig auf die Aussagen Kühnerts. Seine Nachfrage, dass die SPD-Delegation also mache, was Kühnert ihnen sagen würde, blockte der SPD-Politiker direkt ab. „Sie machen das, wofür wir gewählt worden sind von erheblich vielen Menschen“, entgegnete Kühnert. Es gehe jetzt um die Rahmen­bedingungen für ein gemeinsames Regieren.

Moderator Markus Lanz aber wollte sich nicht so leicht abschütteln lassen. „Ihr Einfluss auf die Partei ist ja so enorm groß mittlerweile, dass ich das ehrlich gesagt nicht glauben kann. Sie wissen doch ganz genau, was dort besprochen wird“, hakte Lanz abermals nach. Es tue ihm leid, wenn Lanz das nicht glauben könne, erwiderte Kühnert. Aber das ändere nichts an seiner Antwort, die wahrheits­gemäß sei: „Ich bin weder an den Gesprächen beteiligt noch habe ich irgendeine Stand­leitung.“

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„FAZ“-Parlaments­korrespondentin Helene Bubrowski, die ebenfalls in die Sendung eingeladen worden war, begrüßte das Verhalten der Sondierer. Sie finde es gut, dass in den Gesprächen zunächst Vertrauen aufgebaut werden solle und „es keine Durch­stechereien gibt“. Deshalb kritisierte sie auch den „Lunger­journalismus“ von Medien­vertretern, die selbst das Mittagsmenü für berichtens­wert halten.

Lanz: „Sie wissen also mehr als Kevin Kühnert?“

Bijan Djir-Sarai, außen­politischer Sprecher der FDP-Bundes­tags­fraktion, sagte, dass er wisse, was bei den Sondierungen besprochen werde. „Sie wissen also mehr als Kevin Kühnert?“, fragte Moderator Lanz erstaunt. „Zumindest gibt es regelmäßig Bundes­vorstands­sitzungen. Dann wird kurz über die Dinge informiert“, antwortete Djir-Sarai.

Lanz wandte sich erneut an den SPD-Politiker. Wie es ihm denn gehe, wenn er nun häufiger auf FDP-Chef Christian Linder treffe, den er im Wahl­kampf wegen seiner Steuerpläne als „Luftikus“ bezeichnet habe. „Ich treffe ja gar nicht auf den“, antwortete Kühnert knapp. „Aber bald – am Kabinettstisch“, erwiderte Lanz sichtlich entnervt. „Das schließe ich aus. Das wissen Sie auch, dass ich das schon mehrfach getan habe. Spannend, dass wir diese Debatte jetzt noch mal neu aufmachen – netter Versuch“, sagte Kühnert.

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Ob Lindner sich denn nun besser mache als in den Jamaika-Verhand­lungen von 2017, wollte Lanz wissen. Er wisse ja nicht, wie Linder sich verhalte, aber bisher scheine die Chemie zu stimmen, sagte Kühnert. „Sind Sie wirklich so ahnungslos?“, fragte Lanz. „Warum sollte ich mich jetzt dümmer stellen, als ich eigentlich bin?“, fragte Kühnert zurück. „Glauben Sie mir einfach: Ich vertraue denjenigen, die für meine Partei dort in der Spur sind“, versicherte der SPD-Politiker. Außerdem habe er nicht mal Lindners Telefon­nummer.

Lanz: „Der größte Strippen­zieher, den die SPD seit langer Zeit gesehen hat“

Moderator Lanz traute seinen Ohren weiterhin nicht. Nachdem er eine NDR-Dokumen­tation über Kühnert gesehen habe, habe er sich gedacht: „Das ist der größte Strippen­zieher, den die SPD seit langer Zeit gesehen hat.“ Lanz machte das insbe­sondere an einer Szene fest, in der Kühnert die späteren SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans briefte. Kühnert teile diese Auffassung nicht, sagte er.

Mit der SPD-Vorsitzenden Esken habe Lanz offenbar Probleme gehabt. Es habe einmal die Situation gegeben, als Esken dachte, Lanz hätte sie beleidigt, erzählte der Moderator. Sie weigerte sich offenbar daraufhin für drei Monate, in die Sendung von Lanz zu kommen. „Wenn Sie also ein gutes Wort für uns einlegen könnten, wäre das sehr schön“, sagte Lanz zu Kühnert. „Das überlege ich mir noch mal am Ende der Sendung“, entgegnete der SPD-Mann.

RND/sic

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