Keine Freiheit über den Wolken

  • Ein Flugzeug wird zu einer außerplanmäßigen Landung in Minsk gezwungen, ein belarussischer Regimekritiker verhaftet.
  • Es soll ein Manöver des belarussischen Machthabers Lukaschenko gewesen sein.
  • Wird der Welt mehr einfallen, als den Vorgang zu verurteilen?
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

erst gab es eine Bomben­warnung, dann landete die Boeing der Fluglinie Ryanair außerplanmäßig in Minsk. Statt von Athen nach Vilnius zu gelangen, fanden sich die Insassen auf dem Rollfeld in Belarus wieder.

Nach der mehrere Stunden andauernden Zwangspause setzte die Maschine ihre Reise am Sonntagabend fort. Bomben wurden keine gefunden, doch eine Spur von Sprengstoff war nicht das Einzige, das beim Start fehlte. Als sich das Flugzeug wieder in die Luft erhob, blieb der Platz von Passagier Roman Protasevich leer.

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Was war geschehen? Protasevich, ein belarussischer Regimekritiker und Gegner von Machthaber Alexander Lukaschenko, wurde festgenommen, wie zunächst die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja auf Twitter mitteilte. Ihre Erklärung: Die belarussische Regierung hatte das Flugzeug zum Landen gezwungen, um Tichanowskajas Mitstreiter verhaften zu können. RND-Haupt­stadt­korres­pondentin Daniela Vates hat die Ereignisse für Sie zusammengefasst.

Reaktionen folgten prompt. Das Auswärtige Amt forderte Belarus auf, den Vorfall zu erklären. Auch in der deutschen und der internationalen Politik herrschte Entsetzen.

Mit der Entführung einer Passagier­maschine, die zwischen zwei EU-Mitgliedsstaaten unterwegs war, hat Lukaschenko eine rote Linie überschritten.

Alexander Graf Lambsdorff, stellvertretender FDP-Fraktions­­vorsitzender, gegenüber dem RND

Ist es erneut ein Fall autokratischen Allmachtverhaltens, der ohne Folgen bleiben wird? Zumindest die Kritik einiger Staaten an einem derartigen Eingriff in die Freiheit des Luftverkehrs war deutlich. Nun müssen aber auch Taten folgen, um Lukaschenko nicht mit seinem Manöver durchkommen zu lassen. „Wer wie ein Terrorist handelt, muss auch damit rechnen, wie ein Terrorist behandelt zu werden“, schreibt unser Brüssel-Korrespondent Damir Fras in seinem Kommentar.

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Die EU-Staaten könnten gleich am Montag Sanktionen beschließen.

Die eigene Wohnung – lieb und teuer

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Rasant sind die Mieten in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen. Und das nicht nur in den Millionenstädten Berlin, Hamburg und München. Auch in anderen Großstädten von Hannover bis Heilbronn wird das Finden einer finanzierbaren Wohnung mehr und mehr zur Glückssache. Zum Protest gingen am Sonntag in Berlin mehrere Tausend Menschen auf die Straße.

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Tausende Teilnehmer bei Mietendemo in Berlin
1:07 min
Die Wohnungssituation in Berlin gilt als besonders angespannt. Das sogenannte Mietendeckelgesetz ist jedoch vom Bundes­verfassungs­gericht verworfen worden.  © dpa

Für Daniela Vates ist klar: Die Wohnungspolitik wird eine zentrale Frage für die neue Regierung werden. „Mit Not dürfen keine Geschäfte gemacht werden, das treibt eine Gesellschaft auseinander“, schreibt Vates in ihrem Kommentar.

Hohe Rendite­erwartungen sind es dann auch, die für linksalternative Wohnprojekte in Berlin zunehmend zum Problem werden. So begründet zumindest Bausenator Sebastian Scheel (Die Linke) die stark steigende Zahl der Räumungen bei linken Projekten in der Hauptstadt. Eigentümer und Eigentümerinnen wollten höhere Mieten für ihre Objekte fordern, alternativen Projekten würde gekündigt und das Eigentumsrecht schließlich von der Polizei durchgesetzt. Allein in den vergangenen neun Monaten gab es drei Räumungen in Berlin. Von 2011 bis 2017 waren es insgesamt zwei gewesen.

Mein Kollege Felix Franke hat sich mit den Argumenten der Szene, der Politik und der Polizei auseinandergesetzt und aufgeschrieben, warum die Geschichte komplizierter ist, als es auf den ersten Blick scheint.

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Zitat des Tages

Wer Israel das Existenzrecht abspricht, antisemitische Parolen skandiert, Hass gegen Juden verbreitet und zu Gewalt aufruft, hat sein Schutzrecht verwirkt und muss unser Land verlassen.

Alexander Dobrindt (CSU) fordert in einem Interview die Abschiebung von Asylbewerbern und -bewerberinnen, die sich auf Demonstrationen antisemitisch äußern.

Leseempfehlungen

Es ist eine Geschichte, die sich wacker hält: Wer zur Psychotherapie geht, wird später nicht verbeamtet. Viele Lehramts­anwärter und Lehramts­anwärterinnen verzichten deswegen ganz auf eine Behandlung oder zögern sie hinaus – mit fatalen Folgen. Meine Kollegin Kira von der Brelie schreibt über die Kraft der Stigmatisierung psychischer Krankheiten.

­Ab Juni fliegen Flugzeuge ab dem Flughafen München mit „grünem Kerosin“. Durch den Einsatz sogenannter Sustainable Aviation Fuels (SAF) soll das Fliegen nachhaltiger werden. Denn der Airport verfolgt ein ambitioniertes Klimaziel: Er will bis spätestens 2030 CO₂-neutral werden, schreibt Catharina Schulz vom Reisereporter.

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Mit Reisen ab Kiel eröffnen Aida und Tui am Pfingst­wochenende die Kreuzfahrtsaison in Deutschland, wie die „Kieler Nachrichten“ berichten. Die Reedereien hoffen, nach dem Corona-Schock an den langjährigen Kreuzfahrt­boom wieder anknüpfen zu können. Auch unter den ersten Reisenden herrscht große Freude – trotz einiger Einschränkungen an Bord.

Termine des Tages

Die entmachtete Regierungschefin Aung San Suu Kyi soll heute erstmals in Myanmar persönlich vor Gericht erscheinen. Ihre Anwälte hoffen, dabei endlich Zugang zu ihrer Mandantin zu bekommen. Seit dem Putsch von Anfang Februar befindet sich Aung San Suu Kyi im Hausarrest und wurde nicht mehr öffentlich gesehen.

Bei der Eishockey-Welt­meister­schaft in Lettland will das deutsche Nationalteam um 19.15 Uhr den dritten Sieg in Folge feiern. Leicht wird es aber nicht, denn es geht gegen die Eishockey-Topnation Kanada. Deutschland will mindestens das Viertelfinale erreichen und muss dafür in der Vorrunde unter die besten vier kommen.

Was heute wichtig wird

Die Weltgesundheits­organisation (WHO) will bei ihrer virtuellen Jahres­versammlung über eine bessere Pandemie­vorbereitung sprechen. © Quelle: imago images/IP3press

Das Szenario einer Pandemie war lange bekannt, aber war die Welt wirklich auf das Coronavirus vorbereitet? Um im Falle einer erneuten Pandemie bestmöglich aufgestellt zu sein, will die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) heute die Weichen stellen. Auf ihrer virtuellen Jahrestagung sollen unter anderem Vorsorge, Impfungen und Basisdienste für Menschen in allen Ländern gestärkt werden.

Deutschland und etwa zwei Dutzend andere Länder machen sich dabei auch für einen inter­nationalen Pandemievertrag stark. Mit ihm sollen etwa Staaten verpflichtet werden, sich besser zu möglichen Gefahren auszutauschen und bessere Pläne für den Fall einer Bedrohung auszuarbeiten. Deutschland ist mit Abstand der größte Beitragszahler der WHO.

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Paul Berten und Nils Oehlschläger

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