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Keine Entscheidung gegen Australien - EU verteidigt Astrazeneca-Lieferstopp

  • Italien stoppte den Export von Impfstoff nach Australien.
  • Dort reagiert man irritiert.
  • Für den australischen Finanzminister ist das Vorgehen des EU-Staats ein Beweis, wie gut das eigene Land dastehe - gerade im Vergleich zum europäischen Impfdebakel.
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Brüssel. Die Europäische Union hat Italiens Schritt verteidigt, eine große Astrazeneca-Impfstofflieferung nicht an Australien zu überstellen. Die Entscheidung solle nicht gegen Australien zielen, sondern sicherstellen, dass der Hersteller seine den EU-Ländern zugesagten Dosen liefere. EU-Kommissionssprecher Eric Mamer sagte am Freitag: „Fakt ist, dass die Europäische Union ein großer Exporteur von Impfdosen ist.“

Hintergrund ist der Streit zwischen EU und Astrazeneca, weil der Hersteller viel weniger Dosen geliefert hat als versprochen. Von der ursprünglichen Bestellung von 80 Millionen Dosen im ersten Quartal des Jahres, hat der Konzern Probleme, die Hälfte zu liefern. Auf Antrag Italiens wurde am Donnerstag denn die Ausfuhr von 250.000 Dosen gestoppt. Erstmals wurde damit vom System der Exportkontrolle Gebrauch gemacht, das die EU Ende Januar eingeführt hat, um Pharmakonzerne zur Einhaltung von Lieferpflichten zu zwingen.

Frankreich unterstützt italienisches Vorgehen

Australien nannte die EU-Entscheidung enttäuschend und frustrierend. Die Welt bewege sich derzeit auf unbekanntem Territorium, da sei es nicht überraschend, dass einige Länder die Spielregeln aushebeln würden, sagte Finanzminister Simon Birmingham am Freitag Sky News Australia. Die Aktion sei eine Erinnerung daran, wie viel Verzweiflung es in anderen Teilen der Welt gebe, „verglichen mit der sehr guten Position, die wir selbst hier in Australien haben“.

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Das Land hat sich 53,8 Millionen Dosen des Impfstoffs gesichert, der von Astrazeneca und der Oxford University entwickelt wurde. 50 Millionen davon werden in Australien hergestellt, in Partnerschaft mit dem in Melbourne sitzenden Biopharmakonzern CSL.

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In Europa sprang indes Frankreich Italien zur Seite. Wenn nötig, könne man Gleiches tun und ebenfalls Impfstoffexporte blockieren. Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran sagte in einem Interview des Fernsehsenders BFMTV: „Glauben Sie mir, je mehr Dosen ich habe, desto glücklicher bin ich als Gesundheitsminister.“ Frankreich und seine europäischen Partner seien entschlossen, dass die Verträge mit Impfstoffherstellern erfüllt würden.

Nur elf Millionen Europäer haben vollen Impfschutz

Ähnlich äußerte sich EU-Kommissionssprecher Mamer: „Wir arbeiten mit den Unternehmen zusammen, um sicherzustellen, dass sie die Dosen liefern, die für die Europäische Union vorgesehen sind. Für alle Unternehmen, die das tun, gibt es kein Problem mit Exporten.“ Mit Blick auf das Astrazeneca-Mittel sagte er: „Wir glauben, dass dieser Impfstoff ein wichtiges Element in unserem Portfolio ist und deshalb erwarten wir die Lieferung der vereinbarten Dosen.“

Für die Bevölkerung von 450 Millionen Menschen hat die EU Abkommen mit sechs unterschiedlichen Herstellern geschlossen. Insgesamt wurden bis zu 400 Millionen Dosen von Astrazeneca bestellt, mit anderen Unternehmen gibt es Deals über die Lieferung von mehr als zwei Milliarden Dosen.

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Bislang sind aber bloß 33 Millionen Impfdosen verabreicht worden und bloß elf Millionen Europäerinnen und Europäer haben den vollen Impfschutz. Trotz der aktuellen Probleme ist die EU-Kommission zuversichtlich, bis Sommerende 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung impfen zu können.

Es gab Gerüchte, wonach Astrazeneca für Lieferungen an Drittländer Dosen von Produktionsstätten in der EU abschöpfe. Dies dementierte Konzernchef Pascal Soriot jedoch. Die Engpässe seien allein auf technische Produktionsprobleme zurückzuführen, erklärte er. Zu den jüngsten Nachrichten wollte sich Astrazeneca nicht äußern.

RND/AP

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