Russen greifen Infrastruktur an

Ukrainern fehlen Wasser und Strom: „Viele Menschen sammeln Regenwasser“

Eine Frau geht durch das Stadtzentrum von Kiew, das nach einem russischen Raketenangriff am Tag zuvor ohne Strom ist.

Eine Frau geht durch das Stadtzentrum von Kiew, das nach einem russischen Raketenangriff am Tag zuvor ohne Strom ist.

Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer sind nach den schweren russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur von der Stromversorgung abgeschnitten. Rund 50 Prozent des Netzes seien betroffen, teilte die ukrainische Energiegesellschaft DTEK auf Anfrage des RedaktionsNetzwerk Deutschlands (RND) mit.

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Am Mittwoch gab es einen der bisher heftigsten Angriffe auf das ukrainische Netz, so DTEK. In der Folge schalteten sich die Kernkraftwerke des Landes ab, die meisten Wärme- und Wasserkraftwerke fielen aus. Die Energiegesellschaft sieht Hinweise darauf, dass Ingenieure, die das ukrainische Stromnetz zu Sowjetzeiten mit aufgebaut hatten, nun die russische Armee beraten. So wüsste das Militär, an welchen Stellen es den größten Schaden anrichten könne. Doch was bedeuten die Blackouts für die Ukraine?

Unberechenbarer Zustand

„Die Situation ist sehr unvorhersehbar, man weiß nie, wann man Strom hat und wann nicht“, sagt Oleksander Vlasenko, der in der Ukraine für das Internationale Rote Kreuz arbeitet. Insbesondere Menschen, die keinen Generator haben, litten sehr, so Vlasenko gegenüber dem RND. Er selbst könne im Büro einen Generator nutzen. Doch diese Möglichkeiten hätten viele Privathaushalte nicht. Während der Blackouts, wenn alles dunkel ist, blieben die meisten Menschen zu Hause und warteten ab, bis der Strom zurück sei, so Vlasenko.

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Städte stärker betroffen

Im ganzen Land sei auch die fehlende Wasserversorgung ein riesiges Problem. Am heftigsten betroffen seien die Regionen nahe der Front, erklärt Vlasenko. Dort ist auch das Rote Kreuz tätig. Laut Vlasenko trifft der Ausfall der Wasserversorgung ländliche Regionen weniger hart. „Viele Dörfer sind unabhängiger, weil sie ihre eigenen Wassersysteme haben“, erklärt er. Im Gegensatz zu den Städten sind sie nicht in ein größeres Netz eingebunden, das über elektrische Pumpen betrieben wird. Haushalte auf dem Land haben oft ihre eigenen kleinen Brunnen.

Auch in Kiew fällt immer wieder der Strom aus

Auch in Kiew fällt immer wieder der Strom aus

Was machen all jene, die keinen eigenen Brunnen haben? „Viele Menschen sammeln Regenwasser für ihren alltäglichen Bedarf“, erklärt Vlasenko. Die fehlende Wasserversorgung bedeutet auch, dass das Kanalisationssystem nicht funktioniert. Wer einen kleinen Wasservorrat angelegt hat, könne den dann beispielsweise zum Spülen nutzen, so Vlasenko.

Mit Blick auf den Winter haben die dörflichen Gegenden einen weiteren Vorteil. „Auf dem Land heizen die meisten Menschen mit Holz“, so Vlasenko. Dafür braucht es keinen Strom.

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Unklare Zukunft

Wann die Stromversorgung wieder stabil sein wird, ist unklar. Das kommt auch darauf an, wie schwer die Angriffe Russlands auf die Energieinfrastruktur in den kommenden Wochen und Monaten sein werden.

Ebenfalls unklar ist, wann die Kernkraftwerke wieder flächendeckend hochgefahren werden. Dafür müssten nicht nur die Werke selbst, sondern auch die Leitungen zum Weitertransport der elektrischen Leistung funktionstüchtig sein, erklärt Kai Strunz von der Technischen Universität Berlin, der dort den Fachbereich Energieversorgung leitet.

Kein Strom in Kiew: Selenskyj kritsiert Klitschko

Nach den schweren russischen Angriffen sind in der ukrainischen Hauptstadt Kiew weiterhin Zehntausende Bewohner ohne Strom. Am Samstag waren in der Metropole noch 130.000 Menschen von der Versorgung abgeschnitten, wie die städtische Militärverwaltung mitteilte.

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Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko warnte unterdessen vor politischem Streit wegen der Stromausfälle und rief zu Zusammenhalt auf. Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj den ehemaligen Box-Weltmeister ungewöhnlich offen kritisiert. Selenskyj bemängelte, dass gerade in der Hauptstadt die Wiederherstellung der Stromversorgung nur langsam vorangehe. Die Behörden hofften auf eine Normalisierung am Sonntag.

Klitschko sagte der „Bild am Sonntag“, der Schlüssel des Erfolgs der Ukraine liege im nationalen und internationalen Zusammenhalt. „Wir müssen weiter gemeinsam dafür sorgen, das Land zu verteidigen und die Infrastruktur zu schützen.“ Er versicherte, dass in „Rekordtempo“ an einer Lösung gearbeitet werde. „Die Stadt hat wieder Wasser und 95 Prozent Heizung. Jetzt arbeiten wir vor allem daran, dass der Strom überall zurückkommt.“ Klitschko ist Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt seit 2014.

RND/miwu/alx

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