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Irme Stetter-Karp ist neue ZdK-Präsidentin: Genderbeauftragte führt künftig Katholiken an

  • An der Spitze der Katholiken steht in Zukunft wieder eine Frau.
  • Irme Stetter-Karp ist am Freitag zur neuen Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken gewählt worden, dem höchsten Gremium der katholischen Gläubigen.
  • Ein Portrait über die 65-jährige Sozialwissenschaftlerin, die das Amt in schwierigen Zeiten übernimmt.
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Berlin. Nach 24 Jahren steht nun zum zweiten Mal in der Geschichte wieder eine Frau an der Spitze des höchsten Gremiums katholischer Gläubiger in Deutschland. Am Freitag wurde Irme Stetter-Karp mit großer Mehrheit zur neuen Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) gewählt.

Die 65-Jährige kommt aus einer großen Bauern- und Gastwirtsfamilie in Ellwangen (Baden-Württemberg) und war das „typische katholische Mädchen vom Lande“, wie sie selbst über sich sagt. „Dass ich als junge Frau in den 1970er Jahren studiert habe, war damals in der Gegend nicht selbstverständlich“, erzählte sie im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sie lebte mit vielen Geschwistern unter einem Dach und hat das Teilen gelernt. Ein eigenes Zimmer hatte sie nie und musste schon früh zuhause mit anpacken. „Ich schufte gerne“, sagt sie heute.

Gründerin von Donum Vitae

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Die promovierte Sozialwissenschaftlerin ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern und setzte sich schon früh mit großer Leidenschaft für soziale Belange ein. 1999 gründete sie den Verein Donum Vitae (Geschenk des Lebens), der anonym schwangere Frauen berät. Es war eine trotzige Reaktion auf den von Papst Johannes Paul II. verordneten Ausstieg aus dem staatlichen System der Schwangerschaftsberatung.

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Für Stetter-Karp ist klar, dass sich Christen aus ihrem Glauben heraus in aktuelle Debatten einmischen müssen. „Bei vielen großen Herausforderungen, wie den Fragen nach Arm und Reich, gleichwertigen Lebensverhältnissen und Solidarität, können wir die christliche Perspektive einbringen“, sagte sie dem RND.

Mehr als 20 Jahre hat sich Stetter-Karp bei der Caritas engagiert und ist derzeit Genderbeauftragte und Vizepräsidentin des deutschen Caritasverbandes. „Die Arbeit bei der Caritas ist für mich Wahl und Berufung zugleich.“ Stetter-Karp hat das Bild einer dienenden Kirche vor Augen, die sich als Dienstleisterin am Menschen sieht. Ihre Expertise aus der Sozialpolitik will sie nun in die Arbeit als ZdK-Präsidentin einbringen.

Große Herausforderungen

Auch innerkirchliche Reformen will Stetter-Karp weiter vorantreiben. Dazu zählt auch die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und die Wiederherstellung von Glaubwürdigkeit. „Nicht überall ist Köln“, meint Stetter-Karp und spielt damit auf ein unter Verschluss gehaltenes Missbrauchsgutachten im Erzbistum Köln an.

Kirche sei vielfältiger, als viele glauben. Doch die Ungeduld vieler Katholiken mit ihrer Kirche bewegt sie sehr, spürt dies auch bei ihren eigenen erwachsenen Kindern. Sie wolle sich dafür einsetzen, dass der Geduldsfaden nicht reißt.

Unter Kollegen wird sie für ihre klare und gradlinige Kommunikation geschätzt. Sie gilt als taff, geht Themen direkt an und neigt nicht zu ausuferndem Smalltalk. Nur woher sie ihre Motivation für das Amt an der ZdK-Spitze zieht, weiß sie nicht. Aber sie antwortet mit einem „kleinen Joke“ und lacht: „Mein Vorname heißt auf Germanisch ‚Hüterin des Feuers‘ und es stimmt – ich habe einfach Feuer.“

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