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Katars Überlebensstrategie

Terrorfinanzierung und „guter Freund“ der USA: Wie Katar auf der Weltbühne mitspielen will

Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich mit dem Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, getroffen.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich mit dem Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, getroffen.

„Katar ist ein guter Freund“, sagte US-Präsident Joe Biden im Januar, als Emir Tamim bin Hamad Al Thani ihm in Washington einen Besuch abstattete. Das Land sei ein verlässlicher und fähiger Partner, so Biden weiter. Das kleine Land Katar, nicht größer als Hessen, ist für die USA der militärische Dreh- und Angelpunkt im Nahen Osten. Es ist von Präsident Biden zum wichtigen Nicht-Nato-Verbündeten ernannt worden, der bedeutendsten Auszeichnung, und kann seitdem einfacher Rüstungsgeschäfte und andere Wirtschaftsdeals mit US-Firmen abschließen.

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Nur 30 Kilometer von Doha entfernt befindet sich der US-Stützpunkt Al Udeid. Dort sind so viele Soldaten der US-Armee stationiert wie nirgendwo sonst im Nahen Osten. Zwischen 10.000 und 13.000 US-Soldaten befinden sich nach offiziellen Angaben in Al Udeid. Die gigantische Militärbasis, zu großen Teilen von Katar finanziert, bietet Platz für bis zu 120 Kampfflugzeuge. Sie starten hier seit 2014 in Richtung Syrien und Irak, um im Rahmen der Operation Inherent Resolve Luftschläge gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) zu verüben. Auch das britische Militär beteiligt sich daran.

Nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 wurden erstmals US-Streitkräfte in Katar stationiert statt in Saudi-Arabien. „Die Verlegung des US-Militärstützpunktes von Saudi-Arabien nach Katar war für Katar ein großer Erfolg“, erklärt Sebastian Sons, Experte für den Nahen Osten beim Forschungsinstitut CARPO. „Sicherheitspolitisch war dies für Katar der Sprung in ein anderes Universum.“ Der Golfstaat sei international deutlich sichtbarer geworden und seinem Ziel nähergekommen, vor externen Bedrohungen besser geschützt zu sein. Die Sandwichposition zwischen dem mächtigen Saudi-Arabien im Westen und Iran im Osten sorgt immer wieder für Spannungen in der arabischen Welt. „Die Militärbasis ist ein Überlebenselixier und eine Existenzgarantie für Katar.“

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Die Partnerschaft zwischen den USA und dem Golfstaat erstreckt sich auf viele Bereiche. Bei seinem Besuch in Washington unterzeichnete der Emir Verträge im Öl-, Luftfahrt- und Waffensektor im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar. Washington liefert Kampfflugzeuge an Doha, die Armeen halten gemeinsame Übungen ab. Der 2017 eröffnete Hafen Hamad Port ist so gebaut, dass ihn US-Kriegsschiffe der Fünften Flotte nutzen können. Katar steht bereit, wenn es irgendwo auf der Welt eine Krise gibt. Als im August die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan bevorstand, war Katar zur Stelle und evakuierte mit seiner staatlichen Fluggesellschaft rund 120.000 Zivilisten. Als Russland den Westen in eine Energiekrise stürzt, bietet der Golfstaat sein Gas an.

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„Man setzt auf den Grundsatz: Je mehr Freunde man hat, umso weniger Feinde hat man“, erläutert Experte Sons die Strategie Katars. Dass der Wüstenstaat sowohl mit den USA als auch mit den Taliban, Al-Qaida, der Muslimbruderschaft und den Hamas befreundet ist und islamistische Gruppen finanziell unterstützt, wirkt für Außenstehende wie ein Widerspruch. „Aber Katar ist ein kleiner Staat und möchte als Vermittler und als Plattform international Einfluss gewinnen.“ Die Vermittlungsfunktion ist das Alleinstellungsmerkmal Katars. „In der Geschichte Katars kam es immer wieder vor, dass die Herrscher Partnerschaften mit verfeindeten Staaten eingegangen sind“, erläutert der Experte und verweist auf Abkommen mit Großbritannien und dem Osmanischen Reich. Ideologisch halte sich das Land mittlerweile stärker zurück, beobachtet Sons, und verfolge eine opportunistische Außen- und Sicherheitspolitik.

Doch die Strategie des Golfstaates, gute Beziehungen zu allen Akteuren pflegen zu wollen, birgt auch Risiken. Als Katar zwischen 2010 und 2013 glaubte, auch für die islamistischen Gruppen im Arabischen Frühling öffentlich Partei ergreifen zu können, brachte der Emir die großen Nachbarländer gegen sich auf. Sie stürzten Katar mit einer mehr als drei Jahre andauernden Lebensmittelblockade in eine schwere Krise. Nur weil der Iran und die Türkei Katar weiter die Treue hielten, überlebte das Land.

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