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Kassenarztchef gegen Bevorzugung von Schülern bei Impfung

  • Die Bundesschülerkonferenz fordert, Schülerinnen und Schüler bevorzugt zu impfen, wenn ein Vakzin für sie zugelassen ist
  • Der Chef der Kassenärzte ist dagegen.
  • Welche Argumente er vorbringt.
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Berlin. Die niedergelassenen Ärzte haben sich gegen eine Priorisierung von Schülerinnen und Schülern bei den Corona-Impfungen ausgesprochen.

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Corona-Impfnachweis: Spahn plant strengere Regeln gegen Betrüger
1:09 min
Für das Nutzen und Ausstellen falscher Dokumente sollen nach Gesetzesplänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn künftig Haft- oder Geldstrafen drohen.  © dpa

„Es macht keinen Sinn, nach der Zulassung von Biontech für die 12- bis 16-Jährigen erneut eine Priorisierung für diese Altersgruppe einzuführen. Niemand weiß, wie viele Kinder und Jugendliche sich tatsächlich impfen lassen wollen“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Zudem würde dann ausreichend Impfstoff zu Verfügung stehen, sagte er.

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Die EU-Zulassung des Biontech-Vakzins für Heranwachsende zwischen 12 und 16 Jahren wird noch für Mai erwartet. Gassen forderte dann eine klare Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) „Ich plädiere dringend dafür, dass die Stiko eine klare Handlungsempfehlung ausspricht, damit Eltern und Heranwachsende eine für sie passende Entscheidung über eine Impfung treffen können.“

Die Bundesschülerkonferenz hatte gefordert, Schülern bei der Versorgung mit dem Biontech-Impfstoff Priorität zu geben und nach einer Zulassung des Vakzins für ab 12-Jährige zügig Impfmobile an die Schulen zu schicken. „Für ab 12-Jährige gibt es mit Biontech nur einen einzigen Impfstoff, der rasch zugelassen wird. Deshalb müssen mit diesem Impfstoff dann auch bevorzugt Schüler versorgt werden“, sagte der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, dem RND.

Eintragung in digitalen Impfpass nur für eigene Patienten

Die niedergelassenen Ärzte lehnen es strikt ab, die Corona-Immunisierung für alle Geimpften in den geplanten digitalen Impfpass einzutragen. „Die Arztpraxen sind keine Bürgerämter“, sagte Gassen. Der digitale Impfnachweis sei letztlich ein Reisedokument und keine medizinische Akte, argumentierte er.

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„Sollte die Politik die Praxen dazu verpflichten, für alle Geimpften die Eintragung in den digitalen Impfnachweis vorzunehmen, könnte das Ärzte dazu bewegen, aus der Impfkampagne auszusteigen“, warnte er. Eine Verpflichtung würde die Impfkampagne in den Praxen massiv ausbremsen, die ohnehin schon durch eine überbordende Bürokratie behindert werde, betonte der KBV-Chef.

Gassen sagte aber zu, dass für die praxiseigenen Patienten der Impfnachweis digital übertragen werden könne. „Für die in den Praxen geimpften Patienten werden wir selbstverständlich die Eintragung in den digitalen Impfpass vornehmen, sofern es eine einfache technische Lösung gibt“, betonte er.

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Voraussetzung dafür sei allerdings, dass es eine unbürokratische Anbindung des digitalen Impfnachweises an die Praxissoftware gebe. „Das muss mit ein oder zwei Klicks zu erledigen sein. Es darf nicht dazu kommen, dass das händisch erledigt werden muss“, sagte Gassen dem RND. „Solange wir noch so viele Menschen zu impfen haben, darf uns nichts aufhalten.“ Zudem fordert er einen finanziellen Ausgleich: „Im Übrigen muss diese Aufgabe natürlich angemessen vergütet werden.“

Europa streitet über Details des Impfzertifikats

Der Start des europaweit gültigen Covid-Impfzertifikats ist für den Juni geplant. Doch die Vertreter des Europaparlaments und der EU-Staaten streiten noch über die Details. Das Zertifikat soll ein fälschungssicherer Nachweis für eine Corona-Impfung, einen frischen Test oder eine überstandene Covid-Erkrankung sein. Ziel ist einfacheres Reisen in Europa. Gestritten wurde in den vergangenen Tagen unter anderem darüber, welchen Status frisch Getestete haben sollen und wer für die Kosten der Tests aufkommt.

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KBV-Chef Gassen kritisiert die späte Planung der EU. „Grundsätzlich fehlt mir jedes Verständnis dafür, dass die EU erst jetzt auf die Idee kommt, dass ein elektronischer Impfnachweis einmal erforderlich sein könnte“, sagte er. „Und wenn sie es nicht auf die Reihe bekommen, dann muss es doch einen Plan B geben.“ Der könne nur heißen, Reisen auch mit dem international gültigen, gelben Impfpass zu ermöglichen.

Kassenärzte irritiert über Astrazeneca-Ankündigung

Irritiert zeigte sich Gassen über die Entscheidung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern, dass der Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfung mit dem Vakzin des britischen Pharmakonzerns Astrazeneca von zwölf auf bis zu vier Wochen verkürzt werden kann. „Die mögliche Verkürzung des Impfintervalls löst natürlich Diskussionen in den Arztpraxen aus. Aus medizinischer Sicht ist davon auszugehen, dass ein längeres Intervall besseren Impfschutz bietet“, sagte der Mediziner dem RND. „Das sollten die Menschen wissen – gemäß der Zulassung des Impfstoffes ist die Verkürzung aber möglich.“

Wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag angekündigt hatte, fällt die Impfpriorisierung in Deutschland ab dem 7. Juni weg. Der Impfstoff von Astrazeneca ist allerdings schon länger für jede Alters- und Risikogruppe verfügbar.

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