• Startseite
  • Politik
  • Karriere-Tip vom Ex-Chef: Sigmar Gabriel rät Kevin Kühnert zu Abschluss

Karriere-Tip vom Ex-Chef: Sigmar Gabriel rät Kevin Kühnert zu Abschluss

  • Er hat es schon wieder getan: Der frühere SPD-Vorsitzende und Außenminister Sigmar Gabriel äußert sich öffentlich zum Schicksal seiner Partei und ihrem heutigen Führungspersonal.
  • Dieses Mal hat er dem neuen Vizechef der SPD, Kevin Kühnert, empfohlen, sich durch einen Berufs- oder Studienabschluss für den Parteivorsitz zu qualifizieren.
  • Immerhin: An dem Vorgang merkt man, welchen Abschluss Gabriel selbst hat.
Anzeige
Anzeige

Sigmar Gabriel ahnt es schon, während er seine Antwort gibt: “Alles, was ich Kevin Kühnert sagen würde, hört sich irgendwie altväterlich an, und er wird sich das verbitten”, sagt der ehemalige SPD-Chef, als es um die künftige Karriere des Juso-Chefs Kühnert geht – der inzwischen immerhin schon zum Vize-Vorsitzenden der Partei aufgestiegen ist.

Für den Sprung ganz nach oben an die Parteispitze fehle ihm allerdings ein Berufsabschluss, findet Gabriel: “Er könnte ja jederzeit wiederkommen, wenn er sein Studium beendet und ein paar Jahre gearbeitet hat.”

“Ohne Frage ein wirklich großes Talent”

Anzeige

Es ist nicht das erste Mal, dass Gabriel mit Äußerungen zu seiner Partei und deren Führungspersonal für Empörung sorgt – und so kam es auch mit diesen Äußerungen im Interview mit dem “Spiegel”. In den sozialen Netzwerken empfehlen ihm vor allem die gut vernetzten Jusos und andere Kevin-Kühnert-Fans, sich mit derlei Empfehlungen zurückzuhalten.

Dabei sagt Sigmar Gabriel vor allem, Kevin Kühnert sei “ohne Frage ein wirklich großes Talent. Er macht das hoch professionell.” Allerdings frage er, Gabriel, sich “ob man ihn, der selbst mit 30 weder eine Berufsausbildung noch ein Studium abgeschlossen hat, gleich in Führungsfunktionen einer Partei bringen sollte”.

Gabriel hatte fast Studium abgebrochen

Als er in seiner Jugend selbst vor einer ähnlichen Situation gestanden habe und sein Studium abbrechen wollte, hätten ihn zwei vor Ort populäre Sozialdemokraten dringend davor gewarnt, berichtet der heute 60-Jährige: “Ihr Argument war: ‘Wir brauchen in der SPD keine Leute, die abhängig sind von der Politik. Wir brauchen Leute, die es sich leisten können, Nein zu sagen, weil sie im Zweifel ohne die Politik klarkommen.’”

Anzeige

Gabriel hatte in Göttingen Germanistik, Politik und Soziologie studiert, nebenbei als Nachtportier in einem Hotel und beim DGB gejobbt – und 1987 mit dem ersten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien abgeschlossen.

Er möchte Kühnert das nicht ebenfalls sagen, so Gabriel. “Aber hoffentlich hat er Freunde, die ihm denselben Rat geben, den ich damals bekam.” Danach stehe ihm die SPD für eine umso größere Karriere offen.

Anzeige

Gabriel selbst hat es nach der Politik in den Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank geführt. Obwohl er nie Wirtschaft studiert habe, könne er nämlich inzwischen Bilanzen lesen und andere Bankgeschäfte kontrollieren – seit seiner “achtjährigen Mitgliedschaft im Verwaltungsrat der KfW-Bank, bei der ich immerhin fast vier Jahre lang einer der Vorsitzenden war”, betont er im Spiegel.

Kevin Kühnert, 1989 wenige Monate vor dem Mauerfall in West-Berlin geboren, hat 2016 ein Studium der Politikwissenschaft und Soziologie an der Fernuniversität Hagen begonnen. Es ruht aber seit seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden der Jusos.

Zu Gabriels Argument, eine Rückfalloption durch einen Berufsabschluss mache den Politiker unabhängiger von seiner Fraktion, hatte Kühnert in einem früheren Interview gesagt: “Es kann hässlich aussehen, wenn Politiker von Prinzipien abweichen, nur um ihr Mandat zu behalten. Das beobachten wir aber auch bei solchen, die wirtschaftlich bestens abgesichert sind. Der beste Schutz dagegen ist politisches Engagement, das nicht auf das Parlament beschränkt ist.”




  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen