„Medizinisch sicher für viele Berufe sinnvoll“

Lauterbach hält Siesta bei Hitze für keinen schlechten Vorschlag

Karl Lauterbach spricht in der Bundespressekonferenz.

Karl Lauterbach spricht in der Bundespressekonferenz.

Berlin. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hält bei großer Hitze eine Arbeitsweise mit Siesta aus gesundheitlichen Gründen für sinnvoll. „Siesta in der Hitze ist sicherlich kein schlechter Vorschlag“, schrieb Lauterbach am Dienstag auf Twitter.

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Zuvor hatte der Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes zu so einer Arbeitsweise geraten. „Wir sollten uns bei Hitze an den Arbeitsweisen südlicher Länder orientieren: Früh aufstehen, morgens produktiv arbeiten und mittags Siesta machen, ist ein Konzept, das wir in den Sommermonaten übernehmen sollten“, sagte Verbandschef Johannes Nießen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Lauterbach sieht nicht die Politik gefordert

Lauterbach sieht in der Frage allerdings nicht die Politik gefordert. „Das sollten aber Arbeitgeber und Arbeitnehmer selbst aushandeln“, so der Gesundheitsminister. „Medizinisch sicher für viele Berufe sinnvoll.“

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Lindemann: Siesta kann „Arbeitsleistung verbessern und Gesundheitsschutz erhöhen“

FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeit in vollem Umfang - trotz Siesta - erledigen, kann der Vorschlag von Johannes Nießen, das Arbeiten an sehr heißen Tagen erleichtern, die Arbeitsleistung verbessern und obendrein den Gesundheitsschutz erhöhen.“ Die Politik solle sich aber nicht einmischen. „Über den Vorschlag kann man sicherlich diskutieren, jedoch sollte die Entscheidung bei den Unternehmen, Firmen oder auch Behörden am Ende selbst liegen - in Absprache mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“

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Gesundheitsmeteorologe: Siesta ist eine tolle Sache

Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutscher Wetterdiensts (DWD), hält die Siesta für eine „tolle Sache“. Die Menschen müssten es lernen, sich bei Hitze anders zu verhalten, betonte der Gesundheitsmeteorologe. Eine Siesta, wie in südlichen Ländern üblich, habe vor allem einen Zweck: „So kann man tagsüber, wenn es heiß ist, die Aktivitäten reduzieren und die Sonnenexposition verringern.“

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Mit einem langen Mittagsschlaf sei die Siesta nicht zu verwechseln, da sich das negativ auf den nächtlichen Schlaf auswirken könne, sagte Matzarakis der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn ich Siesta mache, dann schlafe ich 15 bis 20 Minuten - das reicht.“

In klimatisierten Büros sei es zwar leichter, bei Hitze durch den Tag zu kommen, doch auch dort gelte es, an heißen Tagen ausreichend zu trinken. Klar müsse auch sein: Die Zeit der Siesta solle nicht für Freibadbesuch oder eine Trainingseinheit im Fitnesscenter genutzt werden, denn Sinn der Siesta sei, körperliche Aktivität herunterzufahren.

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„Da muss eine Kulturänderung stattfinden“, sagte Matzarakis. Es gelte etwa zu prüfen, ob Arbeitszeiten entsprechend angepasst werden könnten. Doch schon Gleitzeitregelungen mit besonders frühem Arbeitsbeginn könnten helfen, Arbeit in der heißesten Zeit des Tages einzuschränken. Auch Ernährung sollte heißen Temperaturen angepasst werden: „Lieber Salat oder Wassermelone - und nicht etwa eine Schweinshaxe.“

Sollte es zur Einführung einer Siesta kommen, müssten aber auch noch weitere Fragen bedacht werden: „Was ist mit den Rettungsdiensten? Was ist mit Betreuenden und Pflegekräften - und mit den Betreuten, wenn die auch in die Siesta gehen?“

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RND/dpa