Tief im Stoff und uneigennützig: Man kann vor Karl Lauterbach nur den Hut ziehen

  • Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) trat am Freitag gemeinsam mit dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach auf.
  • Letzterer gab sich gewohnt kenntnisreich und uneigennützig.
  • Ja, Lauterbach ist eine politische Ausnahme­erscheinung im besten Sinne des Wortes, kommentiert Markus Decker.
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Am Freitag geschah in der Berliner Bundespressekonferenz etwas für diese Tage nahezu Unglaubliches. Erstens trat der zuletzt heftig kritisierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gemeinsam mit dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach vor die Journalisten.

Zweitens sagte Lauterbach: „Die Pandemie ist keine Gelegenheit für Parteipolitik. Das muss der Geist sein, in dem wir hier zusammenarbeiten.“ Beides ist bemerkenswert.

Dass Spahn seinen Freund Lauterbach mitnahm, ist ein Zeichen von Stärke. Denn er scheute den unwillkürlich eintretenden Wettbewerb auf der Bühne nicht, den andere gewiss gescheut hätten. Es ist aber auch ein Zeichen von Schwäche. Der CDU-Politiker sucht nämlich nach Halt. Und der Sozialdemokrat bietet sich als Halt an.

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Lauterbach fordert: Wir müssen zurück in den Lockdown
1:27 min
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert angesichts exponentiell steigender Infektionszahlen die Rücknahme von Öffnungen.  © Reuters
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Das ist ebenfalls bemerkenswert. Lauterbach verweigert sich in der Corona-Not nicht – während bedeutende Teile der SPD die Pandemie eben doch für Parteipolitik nutzen, allen voran Kanzlerkandidat Olaf Scholz, der Spahn zuletzt immer wieder ins Visier nahm.

Nein, es ist keineswegs gewiss, dass Lauterbach ein wesentlich besserer Gesundheitsminister wäre als der Amtsinhaber. Man muss ja in der Politik nicht nur gute Pläne haben. Man muss sie auch gegen viele Widerstände umsetzen können.

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Trotzdem ist eines nicht zu bezweifeln: Es gibt im Deutschen Bundestag niemanden, der in seinem Fachgebiet so tief im Stoff steht wie Karl Lauterbach. Und es gibt auch niemanden, der sich mit seinem Wissen und seinen oft unpopulären Warnungen so uneigennützig in den Dienst der Sache stellt.

So gesehen ist der ebenso sympathische wie kauzige Rheinländer, der in den letzten zwölf Monaten fast durchweg recht behielt, wirklich eine politische Ausnahmeerscheinung im besten Sinne des Wortes. Man kann vor ihm nur den Hut ziehen.

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