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Gesundheitsminister macht Rückzieher

Lauterbach: Isolation für Corona-Infizierte bleibt doch weiter verpflichtend

Gesundheitsminister Karl Lauterbach in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“.

Corona-Infizierte sollen ab dem 1. Mai doch weiter in Quarantäne müssen, allerdings nur noch für fünf Tage. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) am Dienstagabend in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ an. Am Mittwoch wolle er diese Entscheidung offiziell machen.

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Nach Beratungen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatte der Minister am Montag mitgeteilt, dass Corona-Infizierte und Kontaktpersonen ab 1. Mai in der Regel nur noch freiwillig und für kürzere Zeit in Isolierung oder Quarantäne müssen. Infizierten sollte demnach nur noch „dringend empfohlen“ werden, sich für fünf Tage zu isolieren und Kontakte zu meiden – für Kontaktpersonen von Infizierten sollte es entsprechend gelten. Eine Anordnung des Gesundheitsamts sollte wegfallen.

Lauterbach will „symbolischen Schaden“ verhindern

„Die Gesundheitsämter sind bei der hohen Fallzahl schlicht überlastet. Deshalb hab ich den Vorschlag gemacht, dass wir die Isolation und die Quarantäne nicht mehr durch das Gesundheitsamt anordnen, sondern der Eigenverantwortung überlassen“, sagte Lauterbach bei „Lanz“. Er glaube zwar weiter, dass es den Gesundheitsämtern helfen würde, andererseits sei „der symbolische Schaden“ durch die nicht mehr verpflichtende Isolation „verheerend“. „Diesen Punkt werde ich wieder einkassieren“, kündigte Lauterbach deshalb an.

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„Es bleibt dann dabei, wenn jemand krank ist, also hat sich infiziert, dann ordnet das Gesundheitsamt weiter an. Und wenn jemand nur Kontaktperson ist, und es ist Quarantäne, dann macht man es selbst.“ Für die Quarantäne brauche man die Gesundheitsämter nicht.

Der Bundesgesundheitsminister räumte ein, einen Fehler gemacht zu haben. „Man muss als Minister auch in der Lage sein, Dinge, die nicht gut gelaufen sind, zu korrigieren“, so Lauterbach. Die Entscheidung gilt demnach aber nur Infizierte. Für Kontaktpersonen soll ab dem 1. Mai wie am Montag angekündigt tatsächlich nur noch eine „dringende Empfehlung“ für eine fünf Tage lange Isolation gelten.

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Am Mittwochmorgen gestand er sich diesen Fehler noch einmal auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ein – und betonte, dass es seine Entscheidung gewesen wäre, die nichts mit dem Kurs der FDP zu tun hätte. „Der Fehler lag bei mir und hat nichts mit der FDP oder Lockerung zu tun. Es ging um Entlastung der Gesundheitsämter“, schreibt Lauterbach.

Merz wirft Lauterbach „kurzatmige“ Politik vor

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wegen dessen Zurückrudern bei der geplanten Aufhebung der Corona-Isolationspflicht kritisiert. Bis Dienstagabend sei man davon ausgegangen, dass die Pflicht aufgehoben werde, sagte Merz am Mittwoch im Deutschlandfunk. „Das hat der Bundesgesundheitsminister gestern Nacht in einer Talkshow zurückgenommen.“ Daran sei zu sehen, wie „kurzatmig“ regiert werde. Beschlüsse hätten nicht einmal 48 Stunden Geltung.

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Kritik kam auch vom stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, Sepp Müller. Lauterbachs Pandemiepolitik und die Rücknahme der freiwilligen Isolation verwirrten die Menschen, sagte er. Der Bundesgesundheitsminister scheine „zunehmend benommen und angezählt“. Bei der Impfpflicht verhandele er zudem wie auf einem Basar. „Lauterbach setzt durch sein konfuses Agieren die Gesundheit der Menschen aufs Spiel.“

FDP-Generalsekretär: Kehrtwenden „nicht förderlich“

Auch FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai hat die Kehrtwende von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bei der Frage der häuslichen Isolation in der Corona-Pandemie kritisiert. „Wir befinden uns mittlerweile in einer neuen Phase der Pandemie und setzen daher zu Recht endlich wieder auf Eigenverantwortung“, sagte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das spiegelt sich durch den Wegfall tiefgreifender Freiheitseinschränkungen wider und sollte auch bei der Frage der häuslichen Isolation bei einer Infektion handlungsweisend sein.“

Djir-Sarai sagte: „Die gestrige Ankündigung des Bundesgesundheitsministers, die Anordnung der Quarantäne bei Corona-Infizierten nun doch aufrecht zu erhalten, kam durchaus überraschend.“ Er betonte: „Die Eindämmung der Pandemie kann nur erfolgreich sein, wenn die Menschen die Entscheidungen der Politik nachvollziehen und sich auf sie verlassen können.“ Der FDP-Generalsekretär sagte: „Da sind, unabhängig von fachlichen Bewertungen einzelner Maßnahmen, Kehrtwenden natürlich nicht förderlich.“

RND/seb/sag/pet/dpa

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