Das Söder-Laschet-Duell – ein Debakel

  • Armin Laschet und Markus Söder haben die letzte Runde ihres Streits um die Kanzlerkandidatur eröffnet.
  • Der Weg dahin war zu lang, die Einigkeitsschwüre wirken nicht glaubwürdig, kommentiert Daniela Vates.
  • Eine Entscheidung wird in der Partei vor allem Erleichterung, nicht aber Begeisterung auslösen - zu wenig für die Bundestagswahl.
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Berlin. Was für ein Debakel: Der Union ist mal wieder eine Personalfrage entglitten, eine sehr zentrale sogar. Sie stolpert in die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur, weil die Protagonisten offenkundig unfähig sind zur Einigung, weil getrennt taktiert wird und nicht zusammen nachgedacht.

Seit Monaten belauern sich die möglichen Kandidaten. Von Freundlichkeit und dem Bemühen um Gemeinsamkeit ist im Wettkampf zwischen Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder wenig zu spüren.

Nun haben beide ihre Kandidatur auch offiziell erklärt. Söder hat sein monatelanges Kokettieren aufgegeben. Damit wird aus dem Wettkampf in den Kulissen nun endgültig ein Duell auf offener Bühne.

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Laschet und Söder bereit für Unionskanzlerkandidatur
2:25 min
Der geschäftsführende Unionsfraktionsvorstand berät derzeit zur K-Frage der Union.  © Reuters

Laschet ist noch nicht aus dem Rennen

Aber wenn es Laschet gelingt, die CDU-Landesverbände hinter sich zu sammeln, obwohl seine Umfragewerte gegen ihn sprechen, kann Söder sich auf den Kopf stellen – er wird nicht weiterkommen. Darauf weist Söder selbst hin, wenn er die CDU als „große Schwester“ der CSU ermahnt, die Entscheidung nicht „auf Biegen und Brechen“ zu fällen. Bei allem Mahnen und Drängen hat sich Söder auch eine Rückzugsmöglichkeit eröffnet, indem er zusagt, sich einem Votum der CDU natürlich unterzuordnen.

Sein Hinweis auf den Willen der Parteimitglieder und auf den der Bevölkerung macht deutlich: Harmonisch und ruhig wird es in der Union dann nicht werden. Ein Nicht-Kanzlerkandidat Söder würde jeden Fehler und jedes Umfrageminus nutzen, deutlich zu machen, dass die Union sich ihre Probleme selbst zuzuschreiben habe.

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Und auch einem Kanzlerkandidaten Söder würden nach diesem viel zu langem Entscheidungsprozess mit all seinen Ellbogenchecks und Fiesheiten nicht alle Herzen zufliegen.

Das vorwiegende Gefühl nach einer Entscheidung wird Erleichterung sein, nicht Begeisterung - und bei einigen auch Enttäuschung. Für eine Bundestagswahl ist das nicht überzeugend.

Wie prekär die Lage ist, zeigt die Wortmeldung von Friedrich Merz. Sein Plädoyer, die CDU könne sich die Kanzlerkandidatur nicht nehmen lassen, kann als plötzliche Unterstützung seines einstigen Konkurrenten Laschet verstanden werden – aber auch als Vorbereitung von dessen Sturz für den Fall, dass Söder sich in der Union an die Spitze setzt.

Der Versuch einer Notrettung kommt von Vize-CDU-Chef Volker Bouffier. Er hat den 19. April als Datum für eine Entscheidung ins Gespräch gebracht.

An diesem Tag wollen die Grünen bekannt geben, wer für sie die Kanzlerkandidatur übernehmen soll. Bouffiers Plan ist offenkundig, durch Aufbau einer direkten Konkurrenz mit den politischen Wettbewerbern den unionsinternen Streit vergessen zu machen.

Es ist einer der wenigen geschickten Schachzüge in dieser Unionsaufführung, die unterhaltsam ist, aber auch ziemlich würdelos.

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