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Wie Laschet und Söder in die letzte Runde ihres Kandidatenstreits gehen

  • Bei einer Klausurtagung des Unionsfraktionsvorstands erklärt CSU-Chef Markus Söder erstmals seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur.
  • Er überlässt aber der CDU die letztendliche Entscheidung und verspricht, sich in jedem Fall zu fügen.
  • Am Montag beraten die Gremien beider Parteien.
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Berlin. Weit auseinander stehen die beiden, Armin Laschet ganz links außen und Markus Söder ganz rechts. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt haben sich zwischen ihnen positioniert, als gelte es, zwei auseinander zu halten.

Und tatsächlich ist das, was da am Sonntagnachmittag im Foyer eines der Bundestagsgebäude passiert, eine Art Auftakt zum Duell. „Wir haben beide unsere Bereitschaft erklärt anzutreten“, sagt erst CDU-Chef Laschet. „Wir haben festgestellt, dass wir beide geeignet und bereit sind“, sagt CSU-Chef Markus Söder. Damit ist das Rennen um die Kanzlerkandidatur, das schon so lange schwelt, auch offiziell eröffnet. Söder hatte sich bisher auf Andeutungen beschränkt.

Nervös ist man in der Union zuletzt geworden, Fraktion und Partei drängten auf Entscheidungen. Vize-CDU-Chef Volker Bouffier, der hessische Ministerpräsident, schimpfte ungeduldig, man könne nicht auf ein Pfingstwunder warten.

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Zur Klausurtagung des geschäftsführenden Vorstandes der Bundestagsfraktion kamen die beiden Parteichefs daher nach Berlin – um zu sagen, dass noch nichts entschieden ist, aber dass man immerhin mal miteinander gesprochen habe und sich wirklich ganz ausnehmend gut verstehe. „Nicht abschließend“ sei das Gespräch gewesen, verkündet Söder.

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Laschet und Söder bereit für Unionskanzlerkandidatur
2:25 min
Der geschäftsführende Unionfraktionsvorstand berät derzeit zur K-Frage der Union.  © Reuters

Söders Mappe, Laschets Fuß

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Während Laschet sagt, man brauche eine schnelle Entscheidung, blättert Söder in seiner Mappe. „Die Welt braucht ein stabiles Deutschland“, sagt Laschet.

Söder sagt, die Union müsse sich ein Stück weit neu erfinden und dieses Programm mit der Person an der Spitze glaubwürdig verschmelzen. Es komme nicht auf die Ambitionen Einzelner an, sondern „auf das Wohl aller“. An der anderen Seite kippt Laschet einen Fuß auf die Ferse, ganz entspannt ist er nicht.

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Söder sagt, er sei bereit zu kandidieren, „wenn die größere Schwester das breit unterstützt“. Es sei dann „eine klare Sache, dass man da nicht kneifen darf“. Er würde dann also kandidieren, auch wenn dieser Schritt für ihn nicht einfach sei. Das ist das Angebot, die Aufforderung zum Duell. „Wenn die CDU eine andere Entscheidung fällt, würden wir das akzeptieren“, sagt Söder. Das ist das Rückzugsangebot. Er mahnt die CDU, die Entscheidung „nicht auf Biegen und Brechen“ zu treffen. Er verweist auf die Umfragen, die „noch Luft nach oben lassen“. Er betont, Mitglieder und Bevölkerung müssten eine Entscheidung mittragen. In den Umfragen unter Mitgliedern und Bevölkerung liegt Söder seit Monaten klar vor Laschet.

Parteispitzen tagen am Montag

Der sagt, ihm sei es in den vergangenen Monaten gelungen, die CDU zusammenzuführen, die sich in der Parteivorsitzfrage so zerstritten habe. Und um Einigkeit gehe es auch weiterhin.

Wann die Entscheidung fällt, lassen beide offen.

Am Montagvormittag kommt zunächst das CDU-Präsidium zusammen. Kurzfristig wurde von Videokonferenz auf Präsenzsitzung umgestellt. Am Abend trifft sich dann die CSU-Spitze. Wenn das CDU-Präsidium sich klar hinter Laschet stelle, werde der Kanzlerkandidat, heißt es in der Union. Laschet sagt am Abend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“, er werde um das Vertrauen des Präsidums bitten. Das Gremium werde zwar keinen Beschluss fassen, aber eine Empfehlung aussprechen, präzisierte er im ZDF.

In der Fraktionsklausur hat Laschet schon mal etwas Unterstützung von Angela Merkel bekommen. Die Kanzlerin hat ihn vor zwei Wochen in einer TV-Talkshow kritisiert. Nun versucht sie offenbar, dies zu relativieren. Bayern sei mittlerweile sogar noch mehr von der gemeinsamen Bund-Länder-Linie abgewichen als NRW, sagt die Kanzlerin laut Teilnehmern. Laschets ehemaliger Konkurrent um den Parteivorsitz, Friedrich Merz, warnt am Wochenende davor, Umfragen zu ernst zu nehmen und fordert, die CDU könne sich die Kanzlerkandidatur nicht nehmen lassen.

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Einen konkreteren Zeitplan hat mittlerweile Vize-CDU-Chef Bouffier vorgeschlagen. Man könne formell doch am 19. April über die Kanzlerkandidatur beschließen, hat er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt. An dem Tag wollen auch die Grünen bekannt geben, wer für sie die Kanzlerkandidatur übernimmt.

Söder und Laschet verlassen die Pressekonferenz hintereinander, jeder bleibt in seinem Kreis.

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