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Dreikampf der Kanzler­kandidaten: Laschet unter Druck, Scholz überraschend defensiv, Baerbock kämpferisch

  • Im ersten TV-Triell vor der Bundestagswahl versuchten die Kanzlerkandidaten im Wahlkampf zu punkten.
  • Während sich Annalena Baerbock kämpferisch zeigt, wirkte Olaf Scholz phasenweise überraschend zurückhaltend.
  • Am meisten Druck lastete am Abend auf Unionskandidat Armin Laschet.
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Die erste Runde des Schlag­abtauschs geht an Armin Laschet – zeitlich gesehen. Der Unions­kanzlerkandidat hat im Triell bei RTL am Sonntag­abend über den gescheiterten Afghanistan-Einsatz als derzeit größte internationale Krise eine Minute länger gesprochen als Olaf Scholz und Annalena Baerbock.

Es soll gerecht zugehen bei diesem für den bisher recht inhalts­leeren Wahl­kampf so wichtigen Fernseh­auftritt der drei Konkurrenten. Der CDU-Chef formuliert seine Bilanz aber auch am drastischsten: Es handele sich um ein „Desaster des Westens – auch der Bundesregierung“.

Der nordrhein-westfälische Minister­präsident geht damit nicht nur auf Distanz zu Vizekanzler und SPD-Kanzler­kandidat Olaf Scholz, sondern auch demonstrativ zu der Frau, die 18 Jahre die Christ­demokraten führte und deren Kanzlerschaft mit dieser vierten Legislatur­periode nach 16­ Jahren selbstbestimmt enden wird.

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Laschet steht unter enormem Erwartungs­druck, das Umfrage­tief der Union, die künftig ohne Angela Merkel auskommen muss, hat sich verstetigt. CSU-Chef Markus Söder treibt ihn vor sich her, er hält Laschet für zu schwach für diesen Wahlkampf – und lobt stattdessen die scheidende Merkel, wo er kann.

Diskussion über autofreie Innenstädte und Wohlstand

Richtig sattelfest erscheint Laschet beim Thema Afghanistan aber nicht. Geiseln würden nicht freigekauft, es werde nun sehr lange dauern, bis Ortskräfte noch herauskämen. Dabei laufen im Hintergrund Verhandlungen darüber, wer wie schnell aus dem Land kommt – auch durch Geld.

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Dieses in der deutschen Wahlkampf­geschichte erste Triell, in dem neben den Kanzler­kandidaten von Union und SPD mit Annalena Baerbock eine Herausforderin der Grünen dabei ist, dürfte die Sinne viele Zuschauerinnen und Zuschauer für die Wahl am 26. September schärfen. Die SPD lagt in einer Befragung des Meinungs­forschungs­instituts Insa bei der Sonntags­frage bei 24 Prozent, die Union bei 21, die Grünen bei 17, die FDP bei 13, die AfD bei 11 und die Linke bei 6 Prozent.

Scholz wirkt in dem Triell gemessen an seinen kämpferischen Auftritten vor Ort phasenweise überraschend defensiv. „Bedrückt“ ist er ob des jähen Endes 20-jähriger Militärmission und westlicher Wertevermittlung am Hindukusch. Über autofreie Innenstädte müssten die Städte entscheiden und der Kampf gegen den Klimawandel sei auch ein Industrieprojekt, das Deutschland weiterhin Wohlstand sichern werde. Und während seine Wahlplakate maßgeschneidert wirken, sieht es nun so aus, als sei das Jackett seines dunklen Anzugs eine Nummer zu groß für den 63-Jährigen.

Platziert in der Mitte zwischen Laschet und Scholz zeigt sich Baerbock kämpferisch. Manchmal breitet die 40-Jährige die Arme zu beiden Seiten aus und erklärt, warum ihrer Ansicht nach die beiden Vertreter der großen Koalition gravierende Fehl­entscheidungen beim Afghanistan-Mandat oder beim Klima- und Umwelt­schutz getroffen haben.

„Fesseln für die Industrie“

Einen weiteren Lockdown in der Pandemie lehnen alle Drei ab. Laschet erweist sich abermals als Vertreter des weichen Kurses. Das, was Söder kommen sieht – Vorteile für Genesene und Geimpfte, was im Umkehr­schluss Einschränkungen für Impf­verweigerer bedeutet –, weist Laschet von sich. Die sogenannte 2-G-Regel, die jetzt im SPD geführten Hamburg gilt, ist für ihn „kein Thema“. Eine Impfpflicht lehnen Scholz und Laschet klar ab, Baerbock sagt: „Stand heute: Nein“.

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Beim Klimaschutz will Laschet „nichts verbieten“, Baerbock will vorschreiben: Solarpflicht für alle Dächer, 2 Prozent des Landes für Windräder, Kohleausstieg vorziehen. Laschet hat sich eine Formulierung zurechtgelegt: Die Grünen würden der Industrie Fesseln anlegen und forderten sie dann auf, schnell zu laufen.

Schließlich sollen alle etwas Nettes übereinander sagen. Baerbock über Laschet: „Rheinische Frohnatur.“ Laschet über Scholz: „Er ist lange dabei und hat viel Erfahrung.“ Scholz über Baerbock: „Engagierte Politikerin.“ Er hoffe, dass sie gemeinsam einen Weg für die Zukunft finden werden. So gab es auch noch so etwas wie ein Koalitions­angebot. Bei der Gesamtzeit der Redeanteile liegen alle Drei am Ende übrigens nah bei einander. Jeweils rund 28 Minuten. Zeitlich ausgeglichen.

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