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Kann ein politischer Aschermittwoch ohne Publikum lustig sein, Herr Krebs?

  • Der Kabarettist Wolfgang Krebs bietet am Aschermittwoch einen Livestream an, in dem er bayerische Politiker auf humorvolle Weise nachahmt.
  • Aber kann man ohne Publikum überhaupt lustig sein? Und welche Politiker sollten am Aschermittwoch besser nicht zu einer Rede ansetzen?
  • Darüber spricht der 54-Jährige im Interview mit dem RND.
Eva Kunkel
Lilly von Consbruch
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Berlin. Kann man ohne Publikum lustig sein? Der Kabarettist Wolfgang Krebs hat damit keine Probleme. Am Aschermittwoch tritt er in der Comödie Fürth auf und verkörpert unter anderem den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Die Zuschauer sitzen derweil in ihren Wohnzimmern und schauen sich seinen Auftritt per Livestream an.

So wird es in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie auch bei den Politikern ablaufen, die am politischen Aschermittwoch auftreten. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erzählt Wolfgang Krebs, wie zu Hause Bierzeltatmosphäre aufkommen kann, warum der Auftritt von Markus Söder an diesem Mittwoch Auskunft über seine Ambitionen auf das Kanzleramt geben kann und welche Politikerinnen und Politiker an diesem Tag besser nicht zu humorvoll werden sollten.

Herr Krebs, der politische Aschermittwoch findet dieses Jahr ohne Publikum und Bierzeltatmosphäre statt. Senkt das Ihre Erwartungen an den politischen Schlagabtausch?

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Nicht wirklich. Ich habe jahrelang am politischen Gillamoos in Abensberg vor 2500 Leuten gesprochen, und wenn die alle schreien und jubeln, das ist natürlich megamäßig. Aber wir haben uns alle drauf eingestimmt, dass es jetzt nicht so sein wird. Und ich glaube, auch die Zuschauer sind das mittlerweile gewohnt. Sie reagieren danach in sozialen Medien. Wenn ich im Fernsehen auftrete, gibt es auch keine Publikumsreaktionen. Ich finde das nicht schlimm.

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Welche Politikerinnen und Politiker werden ihre Spitzen auch ohne Publikum besonders gut setzen?

Politiker sind meistens sehr großartige Rhetoriker und sehr häufig, wenn nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, gerade die, die extrem humorvoll sind. Katharina Schulze ist eine sehr humorvolle Rednerin und kann sehr gut austeilen. Die strahlt eine unglaubliche Lebensfreude aus und kann mit ihrem Humor sicher überzeugen. Hubert Aiwanger ist auch ein wortgewaltiger, sehr lustiger Redner.

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Kann Markus Söder lustig sein?

Ich habe schon mehrere Reden von Markus Söder verfolgt, die extrem lustig waren. Er ist ein herausragendes Beispiel – ich weiß nicht, ob das jeder so hören will – für einen sehr humorvollen Politiker. Und er kann sich sogar über sich selbst lustig machen. Das ist sehr wichtig: dass man nicht nur gegen andere austeilt. Momentan muss er, glaube ich, einen anderen Ton wählen. Für eine humorvolle Rede ist vielleicht nicht die richtige Zeit. Da könnte er in diesem Jahr vorsichtig sein.

Wird er sich dieses Jahr wegen möglicher Ambitionen auf das Kanzleramt zurückhalten?

Mit einer humorvollen Rede bringt er sich wahrscheinlich eher für das Kanzleramt ins Gespräch, als wenn er eine sehr seriöse Rede hält. Denn dann wäre er ja genauso wie sonst. Ich glaube, wenn er sich bemüht, etwas Fröhliches zu machen, stellt er damit seine Kanzleramtsambitionen unter Beweis.

Und welche Politikerinnen und Politiker werden es schwer haben?

Wenn Julia Klöckner irgendwo reden will, das ist immer schwierig. Und gerade jetzt hat sie die gebeutelten Bauern an der Backe. Da nützt die ganze Fröhlichkeit nichts, da ist es wichtig, dass man Sachkompetenz hat. Auch bei der Verteidigungsministerin wird es schwierig, eine humorvolle Rede zu halten. Annegret Kramp-Karrenbauer hat aber schon oft genug unter Beweis gestellt, dass sie sehr viel Humor hat. Herr Altmaier kommt nicht infrage. Der kann viel lachen, sollte aber zuerst die im Oktober versprochenen Novemberhilfen zahlen. So wie er der Zeit hinterherläuft, feiert er vermutlich jetzt erst Weihnachten und nicht Karneval.

Wie kommt man auf dem heimischen Sofa am besten in Bierzelt- und Aschermittwoch-Stimmung?

Am Aschermittwoch beginnt ja die Fastenzeit. Vor allem im sehr christlich geprägten Bayern. Und Fastenzeit heißt, dass man auch Fastenbier trinken darf. Bei uns in Bayern ist das Starkbier. Mit Flüssigem bricht man das Fasten nicht. Total praktisch. Allen, die damit ein Problem haben, empfehle ich – ach, das ist schwierig. Ein Fastengetränk hilft wirklich.

Ist Ihnen als Bühnenkünstler nach den Corona-Beschlüssen von Bund und Ländern am vergangenen Mittwoch das Lachen vergangen?

Jede Lockerung bringt uns von den Zahlen weg, die wir brauchen. Und dann dürfen wir noch viel länger nicht auftreten. Nur weil ich als Kabarettist den Hut auf habe, gegen die Regierenden zu wettern, will ich das nicht zum Reflex werden lassen. Man muss auch zugeben können, wenn eine Regierung etwas gut macht. In Bayern haben wir für die Kunst- und Kulturszene einiges erreicht. Am Anfang hat die Politik geschlafen, aber jetzt wird auch gezahlt und das finde ich gerechtfertigt. Aber vielleicht haben wir Künstler in Bayern auch ein bisschen mehr Glück als im Rest von Deutschland.

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