Kanarische Inseln haben Pläne für den Neustart

  • Eine Frage der Gegenseitigkeit: Reisende sollen sich in Spanien sicher fühlen.
  • Und ihre Gastgeber natürlich auch.
  • Die Kanaren haben schon ihre Pläne für den Neustart der Tourismussaison.
|
Anzeige
Anzeige

Madrid. Yaiza Castilla spricht deutliche Worte. “Wir sind nicht bereit, den Tourismusmarkt um jeden Preis zu öffnen”, sagte die Tourismusministerin der kanarischen Regionalregierung in einem Radiointerview am Montag, “sondern nur mit der Garantie sanitärer Gegenseitigkeit.”

Der Ausdruck ist gut gewählt, er trifft den Kern jeder künftigen Öffnungspolitik im Reisesektor: Die Touristen sollen sich bei ihren Gastgebern sicher fühlen. Und die sollen sich vor ihren Gästen sicher fühlen. Die zweite Herausforderung ist zurzeit eine größere als die erste.

Spanien ist neben Belgien das Land mit den meisten registrierten Covid-19-Todesfällen im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Da möchte man jetzt eigentlich nicht hin.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Krasses Gefälle

Aber es gibt ein krasses Gefälle zwischen schlimm und kaum betroffenen Regionen: An der Spitze stehen La Rioja, Madrid, die beiden Kastilien, Navarra, das Baskenland und Katalonien. Das sind Gegenden, die man vorläufig lieber meiden sollte.

Am anderen Ende der Skala stehen die Mittelmeerregionen Valencia, die Balearen, Andalusien und Murcia. Und ganz am Ende die Kanaren.

+++Immer aktuell: Hier geht’s zum Corona-Liveblog+++

Anzeige

Dort sind bisher 99 Covid-19-Fälle pro 100.000 Einwohner vermeldet worden. Das ist ein klein bisschen mehr als ein Zehntel der Rate in Madrid mit 957 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die kanarische Todesrate (sechs auf 100.000) macht sogar nur ein Zwanzigstel der Madrider aus.

Angela Merkels Lieblingsinsel

Anzeige

Auf Fuerteventura, El Hierro und La Gomera ist bisher niemand bekanntermaßen dem Coronavirus erlegen. Auf La Gomera, Angela Merkels Lieblingsinsel, lag am Dienstag nur ein einziger Covid-19-Patient im Krankenhaus. Da könnte man sich einen Urlaub schon vorstellen.

Die Politik aber wird im 2000 Kilometer entfernten Madrid gemacht. Das ist eine Konsequenz des Alarmzustands, den Ministerpräsident Pedro Sánchez am 14. März ausrief und der danach bisher dreimal vom Parlament um jeweils zwei Wochen verlängert wurde. Alle Seuchenpolitik liegt jetzt in Händen der Sánchez-Regierung. Bei der müssen die Regionen ihre Ideen vorstellen.

Pläne mit Klarheit

Von allen Regionalregierungen ist die kanarische die eifrigste, wenn es darum geht, Wege aus der Quarantäne vorzuzeichnen. Das Beste an diesen Plänen ist, dass sie von der Tourismusministerin mit einer Klarheit vorgetragen werden, wie man sie sich von der spanischen Regierung ebenso wünschen würde.

Eine der Botschaften von Yaiza Castilla ist: “Es würde mir nicht gefallen, dass die Touristen auf die Kanaren kommen, um hier unter Quarantäne zu sein.” Das bedeutet zweierlei: dass die geltenden Ausgangssperren so weit gelockert sein müssen, dass die Menschen Strände, Straßen und Cafés wieder unbesorgt aufsuchen können – wahrscheinlich mit Einschränkungen, mit Abstandsregeln und zeitlichen Limits, aber doch so, dass einem nicht jedes Vergnügen vergeht.

Anzeige

Zum anderen aber heißt es, dass die Touristen selbst nicht zur Gefahrenquelle werden dürfen. Und da spricht Castilla eine deutlichere Sprache als viele andere.

Die Kanaren, sagt Castilla, leben zu 35 Prozent vom Tourismus. Die meisten Touristen kommen aus dem Ausland, vor allem aus dem Vereinigten Königreich und aus Deutschland. Die Öffnung der Grenzen werde vor allem davon abhängen, wie sich die Epidemie in den Herkunftsländern der Besucher entwickele. Um Gäste auf die Inseln zu lassen, werde man Virustests vor der Abreise und nach der Ankunft verlangen und eine Covid-19-App auf dem Telefon, um im Fall der Fälle die Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Massive Tests

Gabriel Escarrer, Vorstandschef des mallorquinischen Hotelkonzerns Meliá und Präsident des Lobbyverbandes Exceltur, denkt ähnlich. Einheimische und Besucher müssten sich jetzt “massiven Tests” unterziehen, sagt er in einem Gespräch mit dem Diario de Mallorca, damit sich die Balearen als “sicheres Ziel” positionieren könnten.

“Bis wir nicht in der Lage sind, diese Sicherheit zu geben, können wir uns davon verabschieden, auswärtige Touristen auf den Balearen zu empfangen.” Escarrer ist aber gar nicht so pessimistisch, dass das möglich sein wird: Er geht davon aus, dass Meliá “ab dem Monat Juli” wieder Hotels öffnen werde.

Video
RKI: Corona-Ansteckungsrate steigt wieder
1:31 min
Trotz des leichten Anstiegs attestiert RKI-Präsident Lothar Wieler Deutschland einen Erfolg im bisherigen Kampf gegen das Virus.  © Reuters
“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen