Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Kampfkandidatur auf Parteitag

AfD-Spitze: Chrupallas Konkurrenten kommen aus der Deckung

Alice Weidel und Tino Chrupalla, die AfD-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, stehen zum Auftakt der Wahlkampftour der AfD auf der Bühne. In jüngsten Wählerbefragungen kam die AfD auf zehn bis elf Prozent. Die Partei zieht mit dem Slogan «Deutschland. Aber normal.» in den Wahlkampf.

Lachen sie auch noch in Riesa: Alice Weidel und Tino Chrupalla gelten als das wahrscheinlichste AfD-Spitzenpaar auf dem kommenden Bundesparteitag. Parteichef Chrupalla will sein Amt verteidigen, ob Weidel für einen Co-Spitzenposten antritt, lässt sie noch offen.

Berlin. Gut eine Woche vor dem AfD-Bundes­parteitag in Riesa kommen die Gegenkandidaten von Parteichef Tino Chrupalla aus der Deckung. Der frühere Berliner Landeschef und jetzige Europa­abgeordnete Nicolaus Fest gab per Bewerbervideo seine Kandidatur um den Spitzenposten bekannt. Ein Team will er in Kürze vorstellen. „Unsere Partei ist in keinem guten Zustand“, sagt er im Bewerbungsvideo. „Wir müssten bei 30 Prozent stehen. Mindestens. Stattdessen kämpfen wir im Westen mit der Fünf­prozent­hürde.“ Wenn die Partei so weitermache, sei sie „in wenigen Jahren im Westen am Ende. Der Osten ist dann ohne Bedeutung und Deutschland ist kaputt“, warnte Fest. Die Partei müsse den internen Dauerstreit überwinden, er stehe für einen Ausgleich, sagte Fest.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der frühere Vizechefredakteur der „Bild am Sonntag“ war zuletzt im Januar damit aufgefallen, dass er den verstorbenen Präsidenten des EU-Parlaments, David Sassoli, verunglimpfte. „Endlich ist dieses Dreckschwein weg“, habe Fest in einer Whatsapp-Gruppe von AfD-Europa­abgeordneten geschrieben, meldete der RBB.

Der in Bayern geborene Brandenburger Bundestags­abgeordnete Norbert Kleinwächter gab am Montag seine Kandidatur bekannt. Er will gegen Chrupalla antreten. „Bei den Mitgliedern gibt es einen starken Wunsch nach einem Neuanfang, sowohl inhaltlich als auch im Stil“, fügte er hinzu.

Der Brandenburger AfD-Bundestags­abgeordnete Norbert Kleinwächter will bei der anstehenden Wahl des Parteivorsitzenden gegen den amtierenden Parteichef Tino Chrupalla antreten.

Der Brandenburger AfD-Bundestags­abgeordnete Norbert Kleinwächter will bei der anstehenden Wahl des Parteivorsitzenden gegen den amtierenden Parteichef Tino Chrupalla antreten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die zurückliegenden Landtagswahlen, bei denen die AfD jeweils Stimmen verloren hatte, hätten gezeigt: „Das Gespann Tino Chrupalla und Alice Weidel funktioniert nicht gut“, sagte Kleinwächter. Chrupalla leitet gemeinsam mit Weidel die Bundestags­fraktion der AfD.

Mehrere prominente Vertreter des „gemäßigten“ Flügels unterstützen Kleinwächter

Zu Kleinwächters Unterstützern gehören mehrere prominente Vertreter jenes Parteiflügels, der sich selbst als gemäßigt bezeichnet. Die AfD sei im Kern eine „liberal-konservative Partei“, sagte Kleinwächter. Bestrebungen einiger Mitglieder, dies infrage zu stellen und die Partei etwa in Richtung „Sozialpatriotismus“ zu lenken, lehne er ab.

Sein „Team Aufbruch“ werde Kleinwächter in den kommenden Tagen vorstellen, sagte er dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Er stimme sich auch eng mit Fest ab, es sei jedoch „keine gemeinsame Kandidatur im engeren Sinne“. Er wolle die AfD bis 2024 bundesweit auf 15 Prozent führen, sagte Kleinwächter. „30 Prozent ist dann das, was wir brauchen, um unser Land zu retten“, fügte er hinzu.

Die AfD wählt auf ihrem dreitägigen Bundesparteitag, der am 17. Juni im sächsischen Riesa beginnt, einen neuen Bundesvorstand. Laut der aktuell gültigen Fassung der Satzung stehen zwei oder drei Bundessprecher an der Spitze der Partei. In der AfD werden die Vorsitzenden „Bundessprecher“ genannt. Seit dem Parteiaustritt des langjährigen AfD-Chefs Jörg Meuthen im Januar steht Chrupalla allein an der Parteispitze. Er hat eine erneute Kandidatur angekündigt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Noch in dieser Woche werde er sein „Team Zukunft“ vorstellen, schrieb Chrupalla über die Pfingsttage auf Twitter. Seit Wochen kursieren Listen der verschiedenen Teams in parteiinternen sozialen Netzwerken. Zum Teil sind sie gefälscht und nur in Umlauf gebracht, um Konkurrenten zu schaden. Die aktuelle Liste von Chrupallas Bundesvorstand wird jedoch quer durch die Lager für echt gehalten. Darauf stehen die aktuellen Bundesvizes Alice Weidel und Stephan Brandner, der bayerische Bundestags­abgeordnete Peter Boehringer, Kay Gottschalk aus Nordrhein-Westfalen, Martin Reichardt aus Sachsen-Anhalt sowie Gerrit Huy aus Bayern und Marc Jongen aus Baden-Württemberg. Auch der Chef der Jugend­organisation JA, Carlo Clemens, steht auf Chrupallas mutmaßlicher Liste.

Grau in grau: Der zentrale Jahnplatz in Bielefeld war während des Verkehrsprojektes wegen Bauarbeiten gesperrt. Das heizte die Wut der Autofahrer noch mehr an.

Bielefelds Modellversuch gescheitert: die Stadt, in der das Auto siegte

Bielefeld wollte alles besser machen, ein Vorbild für mehr Lebensqualität sein. Also verbannte die Stadt das Auto aus dem Ortskern, stellte stattdessen Sitzgelegenheiten und Blumen auf. Rund ein Jahr später gilt der Verkehrsversuch als gescheitert. Was ist passiert?

Weidel hat sich nach wie vor nicht dazu geäußert, ob sie als Co-Parteichefin antreten will. Es wird vermutet, dass sie erst abwartet, ob sich der Parteitag für eine Einer- oder eine Doppelspitze entscheidet.

Auch Nicolaus Fest will die Partei anführen.

Auch Nicolaus Fest will die Partei anführen.

Kleinwächter werde bei der Wahl des ersten Vorsitzenden gegen Chrupalla antreten und rechne mit einem „knappen Ergebnis“, sagte er. „In Riesa werden die Weichen gestellt, ob sich die AfD zu einer Partei von Björn Höcke, Alexander Gauland und Andreas Kalbitz entwickelt oder zu einer der vielen vernünftigen Mitglieder, die wirklich die Probleme in Deutschland lösen wollen.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Dass der Thüringer Rechtsextreme Björn Höcke nach dem Parteivorsitz greift, gilt immer mehr als unwahrscheinlich. Er könnte stattdessen versuchen, so etwas wie der AfD-Chefideologe zu werden und außerhalb des Bundesvorstands mehr Einfluss auszuüben. Dafür spricht ein Höcke-Antrag, der die Einsetzung einer „Kommission Partei­struktur­reform“ verlangt. Der Antrag wird von Chrupalla und dem Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland unterstützt. Höcke könnte versuchen, sich zum Vorsitzenden einer solchen Kommission wählen zu lassen.

RND/jps/dpa

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen