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Kampf ums Weiße Haus: Demokraten – alle gegen einen, einer gegen alle

  • Bei der sechsten Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber gerät der 37-jährige Pete Buttigieg ins Kreuzfeuer.
  • Ein Treffen mit Spendern in einem noblen Weinkeller stößt der linken Senatorin Elizabeth Warren sauer auf.
  • Der Zusammenstoß zeigt: Der Verdrängungswettbewerb im Bewerberfeld wird schärfer.
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Die Debatte plätscherte eine gute Stunde friedlich dahin, als Elizabeth Warren plötzlich zum politischen Dolchstoß ansetzte. „Der Bürgermeister hatte kürzlich ein Spendertreffen in einem Weinkeller mit Kristallleuchtern und ließ Wein für 900 Dollar pro Flasche ausschenken“, empörte sich die linke Senatorin über den Mitstreiter am Stehpult auf ihrer rechten Seite: „Milliardäre in Weinkellern sollten nicht den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten auswählen!“

Die frontale Attacke galt dem Mann, der monatelang als sympathischer Überraschungskandidat im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur mitgelaufen ist: Pete Buttigieg, dem Bürgermeister der Kleinstadt South Bend in Indiana. Als eloquenter Sohn eines maltesischen Immigranten, Schwuler, Harvard-Absolvent und Veteran des Afghanistan-Krieges hatte der 37-Jährige lange den Bonus des unverbrauchten Außenseiters genossen.

Doch damit ist es vorbei, seit Buttigieg vor drei Wochen in den Umfragen zeitweise bis an Bernie Sanders und Warren heranrückte, die um den zweiten und dritten Platz hinter dem Favoriten Joe Biden buhlen. In den vergangenen Wochen geriet Buttigieg wegen seiner früheren Tätigkeit für die Unternehmensberatung McKinsey in die Kritik. Bei der sechsten Demokraten-Debatte am Donnerstagabend mutierte er zeitweise zum Prügelknaben.

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Der Konter auf Warrens Attacke ließ nicht lange auf sich warten: „Ich bin hier die einzige Person auf der Bühne, die kein Millionär oder Milliardär ist“, setzte Buttigieg an. Tatsächlich besitzen Warren und ihr Ehemann laut dem Magazin „Forbes“ ein Vermögen von 12 Millionen Dollar. „Das ist das Problem mit Reinheitstests, wenn man sie selber nicht besteht“, ätzte Buttigieg. „Frau Senatorin, Sie haben hundertmal mehr Geld als ich. Würde es meine Kampagne beschädigen, wenn Sie als reiche Person für mich spenden würden?“

Damit wollten es die Moderatoren eigentlich bewenden lassen. Doch Warren setzte nach: „Ich verkaufe nicht den Zugang zu meiner Zeit.“ Deswegen nehme sie keine Großspenden an: „Wenn Sie diesen einfachen Schritt als Kandidat nicht machen und Reichen die Stirn bieten, wie soll das amerikanische Volk glauben, dass Sie es als Präsident tun?“

Nun erzwang Buttigieg eine Replik. Er warf Warren Heuchelei vor, weil sie 10 Millionen Dollar, die als bereits vor der Selbstbeschränkung auf Kleinspenden gesammelt wurden, auf ihr Wahlkampfkonto übertragen habe. „Hat Sie das korrumpiert, Frau Senatorin? Natürlich nicht.“

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Die demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, Joe Biden (l.) und Bernie Sanders. © Quelle: Chris Carlson/AP/dpa

Der scharfe Schlagabtausch illustriert den zunehmend harten Kampf um die demokratische Spitzenkandidatur sechs Wochen vor den ersten Vorwahlen im Bundesstaat Iowa. Der moderate Ex-Vizepräsident Joe Biden hält sich in den Umfragen trotz mehrerer Ausfälle bei rund 28 Prozent. Am Donnerstag wirkte der 77-Jährige hellwach und schlagfertig. Er hatte seinen bislang besten Auftritt.

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Dahinter rangieren die beiden dezidiert linken Kandidaten Warren und Sanders. Doch Warren schwächelt seit einiger Zeit. Sie hat für alle Probleme große Pläne, aber ist Detailfragen zu oft ausgewichen. Der konservativere Buttigieg konkurriert mit ihr um die gebildete weiße Wählerschicht. Kürzlich ist auch noch der Multimilliardär Michael Bloomberg in das Rennen eingestiegen. Er hatte sich für die Debatte am Donnerstag zwar noch nicht qualifiziert, besitzt aber eine unerschöpfliche Wahlkampfkasse. Und schließlich bot Amy Klobuchar, die etwas bieder, aber sehr solide wirkende pragmatische Senatorin von Minnesota, zuletzt mehrere starke Auftritte.

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Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten ist um einen Bewerber reicher geworden: Den Milliardär Michael Bloomberg.  © Karl Doemens/dpa

Klobuchar war es auch, die in der Debatte zum zweiten Angriff auf Buttigieg ansetzte. Der Bürgermeister versucht, seine vergleichsweise geringe politische Erfahrung zu kompensieren, indem er sich als Gegenmodell zum Washingtoner Establishment verkauft. „Ich habe nie Ihre Erfahrung als lokaler Amtsträger infrage gestellt, und Sie sollten meine Erfahrung respektieren“, forderte Klobuchar von ihm.

Buttigieg reagierte, wie öfter bei Kritik, ziemlich angespannt und säuerlich: „Sie haben meine Erfahrung abqualifiziert“, spielte er den Vorwurf zurück. Sein Gegenangriff geriet unglücklich: „Versuchen Sie einmal, als Schwuler in Mike Pence’s Indiana eine Koalition zu schmieden, die Sie mit 80 Prozent zurück ins Amt bringt“, forderte er Klobuchar auf. Tatsächlich war er mit diesem Traumergebnis 2015 als Bürgermeister bestätigt worden. Sein Anlauf für eine landesweite Karriere war jedoch gescheitert. „Sie haben es versucht und sind gescheitert“, beschied ihm Klobuchar daher kühl.

Nach diesen Rempeleien klang das Schlusswort von Buttigieg recht ambitioniert: „Wir hier auf der Bühne wollen alle dasselbe“, versicherte er. Es gehe darum, Trump aus dem Amt zu jagen: „Im Moment der Entscheidung müssen sich alle um den demokratischen Kandidaten scharen."

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