Kaiserschnitt-Kinder sind öfter fettleibig

  • Die Techniker Krankenkasse hat die Behandlungsdaten von 40.000 Kindern analysiert.
  • Dabei hat sich herausgestellt, dass Kaiserschnitt-Kinder mehr Gesundheitsprobleme haben als Kinder, die auf natürlichem Weg zur Welt gekommen sind.
  • Kassen-Chef Jens Baas fordert Konsequenzen.
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Berlin. Kaiserschnitt-Kinder haben deutlich mehr Gesundheitsprobleme als Kinder, die auf natürlichem Weg zur Welt gekommen sind. Das geht aus dem Kindergesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach steigt für Kaiserschnitt-Kinder das Risiko, in den ersten acht Lebensjahren an Fettleibigkeit (Adipositas) zu erkranken, um fast 36 Prozent. Das Risiko für Persönlichkeitsstörungen wächst um rund 31 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen wie ADHS ist bei Kaiserschnitt-Kindern um fast 16 Prozent höher. Als Konsequenz forderte Kassen-Chef Jens Baas, die Zahl der Kaiserschnitte in Deutschland so weit wie möglich zu reduzieren.

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„Es wird zu oft zum Messer gegriffen“

„Kaiserschnitte haben für die Gesundheit der Kinder weitreichendere Folgen, als vielen bisher bewusst ist“, sagte Baas. Daher müssten im Interesse der Kinder medizinisch nicht notwendige Kaiserschnitte vermieden werden. „Denn in vielen deutschen Kreißsälen wird immer noch zu oft zum Messer gegriffen“, beklagte der Kassen-Chef. Bei der Entscheidung über einen Kaiserschnitt sollten Ärzte und Eltern auch die Folgen für die Gesundheit des Kindes im Blick haben, mahnte Baas.

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Die Bundesrepublik liegt mit einer Kaiserschnitt-Rate von 30,5 Prozent von allen Klinikentbindungen 2017 über dem westeuropäischen Durchschnitt (27 Prozent). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass im Schnitt nur bei 10 bis 15 Prozent der Geburten ein Kaiserschnitt unbedingt medizinisch erforderlich ist. Regional differiert die Kaiserschnitt-Rate in Deutschland stark – von 24,0 Prozent in Sachsen bis 37,2 Prozent im Saarland. „Diese Unterschiede lassen sich kaum durch medizinische Faktoren erklären“, erklärte Baas.

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Kaiserschnitt-Raten in Deutschland.

Für den Report hat die TK die Behandlungsdaten von fast 40.000 Kindern untersucht, die 2008 geboren wurden. Warum die Risiken für bestimmte Krankheiten bei Kaiserschnitt-Kindern höher sind, lässt sich aus den Daten nicht ablesen. Diese Zusammenhänge müssten wissenschaftlich untersucht werden.

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Die Krankenkasse forderte, Konsequenzen aus dem Report zu ziehen. „In der Praxis sollten Kinderärzte und Eltern bei Kaiserschnitt-Kindern genauer hinschauen, um Auffälligkeiten frühzeitig zu bemerken und gegenzusteuern“, sagte Klaus Rupp, Leiter des Versorgungsmanagements der TK.