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Justiz: Lübeck-Razzia und Terrorverdacht in Berlin hängen nicht zusammen

  • Spezialkräfte der Polizei durchsuchen am frühen Morgen einen Gebäudekomplex in Lübeck-Genin.
  • Bewaffnete Beamte nehmen in Berlin einen terrorverdächtigen Syrer fest.
  • Die Fälle sollen jedoch in keinem Zusammenhang stehen - über den Mann in der Hauptstadt wird immer mehr bekannt.
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Lübeck. Wegen des Verdachts der "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" haben Spezialkräfte der Polizei am Dienstagmorgen in Lübeck-Genin einen Gebäudekomplex durchsucht und mögliche Beweismittel beschlagnahmt.

"Wir hatten Waffen vermutet, aber keine gefunden", sagte die Sprecherin der für solche Delikte in Schleswig-Holstein zuständigen Flensburger Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Stephanie Gropp, der Deutschen Presse-Agentur. Festnahmen habe es nicht gegeben.

Ob die Sicherheitsbehörden von der Möglichkeit eines Terroranschlags ausgingen, ließ Gropp aus ermittlungstaktischen Gründen offen: "Es war kein konkretes Anschlagsziel bekannt."

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Um 5.30 Uhr begann nach dpa-Informationen die Polizeiaktion mit der Durchsuchung des Gebäudekomplexes in Lübeck-Genin. Es handelt sich um ein Hofgelände mit Wohnungen und Geschäftsräumen. Beteiligt an der Razzia waren laut Gropp mehrere Einheiten der Polizei, darunter das SEK und der Bereitschaftsdienst der Polizei in Eutin. Die Leitung der Aktion hatte das Landeskriminalamt.

Mit Sturmhauben geschützte Sicherheitskräfte trugen aus dem Gebäudekomplex in einem Sack und einem Karton beschlagnahmte Unterlagen. "Wir müssen die Materialien noch auswerten und werden dann den Sachverhalt voraussichtlich besser bewerten können", sagte Gropp. Das Ermittlungsverfahren sei "noch nicht sehr alt".

Nach einem Hinweis hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eröffnet und Anhaltspunkte für den Straftatbestand mit dem etwas sperrigen Titel "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" gesehen. Ob der Hinweis von einer Sicherheitsbehörde oder von einem Tippgeber stammte, wollte Gropp aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Nach ihren Angaben gibt es keinen Zusammenhang mit dem Fall des am Dienstag in Berlin festgenommenen Syrers. Der 26-Jährige soll Chemikalien zum Bau von Bomben gekauft haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Laut Berliner Generalstaatsanwaltschaft soll der Syrer seit dem Frühjahr in einer Messenger-Gruppe, die der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) nahesteht, Anleitungen zum Bau von Waffen und zum Herstellen von Sprengstoff ausgetauscht haben.

Auf dem Hof in Lübeck-Genin befindet sich eine Kfz-Werkstatt mit Autohandel. Neben Angaben in deutscher Sprache sind an der Eingangstür auch Worte in arabischer Schrift. Gegen 9.00 Uhr sei die Razzia beendet worden, sagte Gropp.

Der in Berlin festgenommene Terrorverdächtige aus Syrien war an einer Grundschule in der Hauptstadt als Reinigungskraft beschäftigt. Zuvor habe er bis September im Berliner Bode-Museum gearbeitet, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Dienstag. Über ein mögliches Anschlagsziel des Verdächtigen lägen keine Erkenntnisse vor. "Wir gehen davon aus, dass es eine beträchtliche Gefahr gab", so Geisel. In ausgewerteten Chatprotokollen sei es darum gegangen, möglichst viele Menschen zu töten.

Geisel zufolge hatten die Ermittler den Mann seit Anfang des Jahres im Visier. Seit drei Monaten sei er von Kräften des Landes- und des Bundeskriminalamtes rund um die Uhr observiert worden. Auf seine Spur seien die deutschen Sicherheitsbehörden nach einem Hinweis eines "befreundeten ausländischen Nachrichtendienstes" gekommen. Dieser habe Internet-Chats des Verdächtigen beobachtet. Zur Frage, ob der Verdächtige Komplizen in Deutschland hatte, machte der Senator aus "ermittlungstaktischen Gründen" keine Angaben.

RND/dpa