Justiz ermittelt gegen Elitesoldaten

Wieder soll es rechtsextremistische Vorfälle bei der Bundeswehr gegeben haben. Diesmal soll das Kommando Spezialkräfte (KSK) betroffen sein. Die Justiz ermittelt gegen die Eliteeinheit.

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Tübingen. Die Bundeswehr hat ein Problem mit Rechtsextremisten. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), hat bereits vor Monaten darauf hingewiesen, dass die Truppe besonders anfällig für solche Gesinnungen sei. Hierarchien, Waffen und Uniformen zögen Bewerber an, die die Bundeswehr nicht haben wolle. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Tübingen wegen möglicher rechtsextremistischer Handlungen beim Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr.

Zunächst müsse ermittelt werden, wo sich die Vorfälle ereignet haben, um die Zuständigkeit zu klären, erklärte am Donnerstag KSK-Leiter Michael Pfohl. Er habe erst durch Medienberichte von den Vorfällen erfahren.

Hierarchien, Waffen, Uniformen – das lockt Rechtsextreme in die Bundeswehr, meint der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD).
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Auch die Bundeswehr hat interne Ermittlungen eingeleitet. „Nach dem bisherigen Erkenntnisstand haben sich die Vorwürfe verfassungsfeindlicher Äußerungen in Wort, Bild oder Tat aber nicht bestätigt“, sagte ein Sprecher des Heeres.

Bei der Abschiedsfeier für einen Kompaniechef der Elitetruppe KSK am 27. April 2017 soll nach den Recherchen von „Y-Kollektiv“ (Radio Bremen) und NDR-„Panorama“ unter anderem ein Schweinskopfwerfen veranstaltet worden sein. Außerdem sollen mehrere Soldaten den Hitlergruß gezeigt sowie Rechtsrock gehört haben. Ausgangspunkt der Recherchen waren die Angaben einer Augenzeugin. Sie schildert, dass sie von einem befreundeten Soldaten zu der Abschiedsfeier auf einer Schießanlage in der Nähe von Stuttgart als „Hauptpreis“ für den Kompaniechef eingeladen worden sei. Die Zeugin habe auch Belege für ihre Angaben wie WhatsApp-Nachrichten.

Das Kommando Spezialkräfte ist eine Eliteeinheit der Bundeswehr, die 1996 vor allem für die Befreiung und Evakuierung deutscher Geiseln in Krisengebieten gegründet wurde und stets geheim operiert. Sie war in den vergangenen 20 Jahren in Afghanistan und auf dem Balkan im Einsatz.

Von RND/dpa

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