Junkfood: Schluss mit dem klebrig-süßen Werbedauerfeuer!

  • Übergewicht ist immer ein gesundheitliches Risiko, in Corona-Zeiten ein besonderes.
  • Die deutsche Politik lässt den Herstellern von Zucker- und Fettbomben vor allem in der Werbung zu viel Spielraum, kommentiert Christian Burmeister.
  • In diesem Fall könnte sie sich ausgerechnet von Boris Johnson einiges abschauen.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Warum ist im deutschen Fernsehen die Werbung für Zigaretten und harten Alkohol verboten, für Junkfood aber selbstverständlich? Zucker- und Fettbomben können bei übermäßigem Genuss durch starke Gewichtszunahme ähnlich große Gesundheitsschäden und Folgekosten verursachen, wie es die beiden klassischen Rauschmittel tun. Der einzige Unterschied ist, dass Junkfood seine schädliche Wirkung dann besonders stark entfaltet, wenn es auf Bewegungsmangel trifft.

Ausgerechnet Briten-Premier Boris Johnson, vom dem sonst wenig Vernünftiges kommt, setzt in diesem Punkt neue Standards: Er verbannt im Königreich Werbespots für solche Produkte in die späten Abendstunden. Nicht nur, aber vor allem, um Kinder vor dem klebrig-süßen Werbedauerfeuer durch Nestlé, McDonald’s & Co. zu beschützen. Kinder haben eine besonders schlechte Gesundheitsprognose, wenn sie schon in frühen Jahren mit Übergewicht zu kämpfen haben – und Übergewichtige ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Corona-Verlauf.

Der Staat und der Einzelne sind in der Verantwortung

Selbstverständlich kann der Staat im Kampf gegen die gesundheitsgefährdenden Kilos nicht alles regeln. Es gibt auch eine individuelle Verantwortung, Erwachsene tragen sie für sich selbst und für ihre Kinder. Aber der Staat kann Präventionsangebote machen und Rahmenbedingungen für Unternehmen setzen. Im ersten Punkt ist Deutschland ganz gut aufgestellt im zweiten katastrophal. Das politische Feigenblatt ist aktuell die Lebensmittelampel, die die Industrie freiwillig auf ihre Fertigprodukte und Süßigkeiten klebt – oder eben nicht.

Das genügt selbstverständlich nicht. Die Politik muss das Problem viel entschlossener und grundsätzlicher angehen. Immerhin lassen die Grünen eine große, die Union eine grundsätzliche Bereitschaft dazu erkennen. Zu sinnvollen Maßnahmen würde neben Werbeeinschränkungen für Junkfood eine zielgenauere Besteuerung bei gesunden und ungesunden Lebensmitteln sowie eine angemessene Vergütung von Ärzten für Lebensstil- und Ernährungsberatung zählen.

Anzeige

Und in diesen Zeiten muss man es ja sicherheitshalber dazu sagen: Mit einer “Gesundheitsdiktatur” hätte all dies nichts zu tun. Die Freiheit, alles zu konsumieren, bliebe bestehen, nur die äußeren Anreize würden sich ändern. Nein, Korrektur: Die äußeren Anreize müssen sich ändern!

RND



“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen