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Die Junge Union kürt Merz – die Frauenunion setzt sich ab

  • Die Junge Union spricht sich in einem Mitgliederentscheid für Friedrich Merz als neuen CDU-Chef aus.
  • Sein Konkurrent Armin Laschet landet nur auf Platz drei – seine Unterstützer halten die Umfrage für nicht aussagekräftig.
  • Distanz zu Merz lässt die Frauenunion spüren: Sie lehnt dessen Alternativvorschlag zu einer Frauenquote als Rückschritt ab.
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Berlin. Ein silberglänzendes Mikrophon hat Friedrich Merz schon einmal sicher. JU-Chef Tilman Kuban wird es ihm überreichen, als Zeichen für einen Sieg: Merz hat die Mitgliederbefragung der Jungen Union über die Kandidaten für den CDU-Vorsitz gewonnen.

51,95 Prozent der Stimmen erreichte der 64-jährige Vizepräsident des CDU-Wirtschaftsrats – ein Jahr nachdem die Bundesversammlung des Parteinachwuchses, des sogenannten Deutschlandtags, ihn mit begeisterten Sprechchören gefeiert und sogar gejubelt hatte, als Merz auf der Bühne mal einen Schluck Bier aus der Flasche trank.

Die Überraschung folgte dann eher auf Platz zwei und drei: CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, der in der CDU eigentlich als chancenlos gilt, überholte mit 28,1 Prozent den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und Landesparteichef Armin Laschet, der nur auf 19,95 Prozent kam.

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JU-Chef Kuban sagte, Merz sei damit der Kandidat der Jungen Union. Das Votum des Mitgliederentscheids sei zwar für die 100 JU-Delegierten auf dem Bundesparteitag nicht bindend, aber „eine wichtige Empfehlung“. Auch die übrigen Parteimitglieder sollten sich zu Herzen nehmen, was der Nachwuchs wolle.

„Ein Kasten Bier und ein großes Lob“

Was der will, ist allerdings gar nicht so sicher: An der Abstimmung beteiligten sich 14.983 der knapp 75.000 JU-Mitglieder, also 20 Prozent. Gewählt wurde digital innerhalb von zwei Wochen, ein persönlicher Code sollte Geheimhaltung garantieren. Die Entscheidung über die Verschiebung des Parteitags und der darauffolgende Wutanfall von Merz lagen in der Mitte des Abstimmungszeitraums.

Ausgewertet wurden lediglich die örtliche Verteilung der Stimmen. Offen blieb, wie viele Frauen und Männer für die jeweiligen Kandidaten gestimmt haben.

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Merz sprach von einem „großartigen Ergebnis“, Röttgen versprach seinem Team „einen Kasten Bier und ein ganz großes Lob“. Laschet äußerte sich zunächst nicht. Dafür kamen aus seinem Unterstützerkreis Zweifel an der Abstimmung.

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Der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen CDU-Landtagsfraktion, Bodo Löttgen, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Das Ergebnis überzeugt mich aufgrund der geringen Wahlbeteiligung mit Blick auf die Aussage und die vermeintlich erhoffte Signalwirkung in keinster Weise. Es lässt keinerlei Rückschlüsse auf das Abstimmungsverhalten der 1001 Parteitagsdelegierten zu.“

Ärger um die Frauenquote

Kritik an Merz kam auf anderer Ebene von der Frauenunion. Diese erteilte Merz' Vorschlag eine Absage, die Delegiertenanzahl zu Parteitagen am Frauenanteil der entsendenden Untergliederungen zu orientieren.

„Der Vorschlag würde uns in der CDU wieder zurückwerfen“, sagte die Vorsitzende der Frauenunion, Annette Widmann-Mauz, dem RND. Schon heute gelte für Delegiertenwahlen für Landes- und Bundesparteitage ein Drittelquorum.

Entscheidend sei, dass Frauen in der Union nicht nur sichtbarer, sondern auch wirksamer würden, sagte Widmann-Mauz. Sie warb erneut für den vom CDU-Vorstand im September nach langen Debatten verabschiedeten Kompromissvorschlag für eine Verschärfung der Frauenquote für Führungsgremien der Partei.

Auch die Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unions-Bundestagsfraktion, Yvonne Magwas (CDU), sagte dem RND: „Es gibt einen mit großer Mehrheit getragenen Beschluss der Satzungs- und Strukturkommission sowie des Bundesvorstands. Das sollte die Grundlage für Gespräche sein.“

Merz bezeichnet die Quote als zweitbeste Lösung. Er hat erklärt, dass der Parteitag an den Vorstandsbeschluss nicht gebunden sei.

Auf dem nun für Mitte Januar geplanten Parteitag wird das Thema wohl nicht zur Abstimmung kommen. Entschieden werden soll dort allein über die Personalfragen.

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