Junge Union und Jusos: Rückwärts, vorwärts, Pragmatismus

  • Bei der SPD freunden sich die Jusos mit Olaf Scholz an, den sie nicht an der Parteispitze, nun aber im Kanzleramt sehen wollen.
  • Auch die Junge Union wäre gerne Kanzlermacher, wird aber von den Parteichefs als zu wenig modern kritisiert.
  • Damit setzen die einen auf Pragmatismus, die anderen auf Risiko, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin. Es war eine deutliche Ansage, die sich die Junge Union am Wochenende von der Unionsspitze anhören musste. Der CDU/CSU-Nachwuchs müsse sich „breiter aufstellen“, erklärte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Es sei schließlich „die Junge Union, nicht die Jungenunion“. CSU-Chef Markus Söder gab den Rat, man dürfe „nicht das erzählen, was man immer erzählt hat“.

Freundlich im Ton kam das daher. Der Hinweis, die JU sei ein „politischer Schrittmacher“ allerdings wurde zur hohlen Formel. Die Botschaft Söders und Kramp-Karrenbauers war: Der Nachwuchs behindert die Modernisierung der Union.

Ein riskanter Hinweis ist das, insbesondere kurz vor einem Wahljahr, in dem die Parteien die Jugendorganisationen als Wahlkampfhilfen braucht und sich eine Trotzreaktion nicht leisten kann.

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Wie mächtig eine Jugendorganisation sein kann, haben bei der SPD die Jusos vorgemacht. Über Jahre sind sie als die ewig linken Nörgler belächelt worden. Nach der letzten Bundestagwahl aber haben sie sich mit so großer Wucht gegen eine große Koalition aufgelehnt, dass das Bündnis fast gescheitert wäre.

Ohne den Druck des nun ausgeschiedenen Juso-Chefs Kevin Kühnert hätten sich Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans vor einem Jahr wohl kaum als SPD-Vorsitzende durchgesetzt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte das Nachsehen.

Die Junge Union würde daran vermutlich gerne anknüpfen und sich als die Organisation feiern, die Friedrich Merz unter anderem mit stetem Drängen auf einen Parteitagstermin den Weg an die Parteispitze geebnet hat – ganz ohne verpflichtende Frauenquote und anderes Gedöns.

Bei der SPD allerdings ist dann nicht einer der neuen Parteichefs Kanzlerkandidat geworden, sondern der unterlegene Olaf Scholz.

Den empfehlen die Jusos nun mit Leidenschaft fürs Kanzleramt. Auch Lordsiegelbewahrer sind manchmal flexibel.

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