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  • Junge Union: Markus Söder sagt Auftritt bei „Deutschlandtag“ ab

Wenn das Zugpferd lahmt – Gegenwind für Söder

  • CSU-Chef Markus Söder kämpfte einst gegen die „One-Man-Show“ von Horst Seehofer.
  • Dann führte er sie selbst auf.
  • Nach dem Zerwürfnis mit dem CDU-Vorsitzenden Laschet und dem Absturz der Union bei der Bundestagswahl gibt es ersten Widerstand gegen den 54-Jährigen.
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Berlin. Es sieht dann doch ein bisschen nach Kneifen aus. Bisher war Markus Söder bei der Jungen Union immer ein Star, seine Redekunst gespickt mit Seitenhieben umjubelt. Und nun sagt der CSU-Chef seinen Auftritt beim „Deutschlandtag“ am Samstag in Münster ab. Der bayerische Ministerpräsident werde stattdessen an einer Basiskonferenz der CSU teilnehmen.

Das mag in diesen aufgewühlten Zeiten nach der Wahlschlappe der Union für den Parteichef tatsächlich wichtiger sein. Wäre da nicht die Schlappe der besonderen Art, die Söder vorige Woche persönlich eingefahren hat. Bei der JU in Bayern.

Aber zunächst zurück in die Vergangenheit: Es gab eine Zeiten, da hat Markus Söder diese „One-Man-Show“ missfallen. Da hieß der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident noch Horst Seehofer und der 18 Jahre jüngere Söder pochte auf „Teamwork“. Bis der Franke sowohl Ämter als auch die „Ein-Mann-Schau“ erbte und damit nicht mehr haderte.

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„Söder unsere neue Nummer eins″ und „Erneuerung jetzt“ stand auf Pappschildern, mit denen sich eine Gruppe der Jungen Union bei ihrer Landesversammlung in Erlangen nach der für CDU und CSU verlustreichen, aber noch siegreichen Bundestagswahl 2017 für Söder als neuen Spitzenmann der CSU ins Zeug legte. „MP Söder – #Markus 2018″ war ihr Slogan, um Seehofer abzulösen. Söder, dunkler Anzug, königsblaue Krawatte, stellt sich zum Parteinachwuchs und lächelt. Gruppenfoto mit dem neuen Zugpferd.

2018 übernimmt Söder als Ministerpräsident, die CSU rutscht bei der Landtagswahl im Herbst unter ihre traditionelle Zielmarke von 40 Prozent (37,2). Das schlechte Abschneiden wird aber noch Seehofer angelastet. 2019 wählt die Partei Söder zu seinem Nachfolger.

Die von ihm eingeforderte Teamarbeit entwickelt sich dann so, dass Söder sagt, was und wie das Team zu arbeiten hat. Die CSU akzeptiert es – bis hin zum Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Dobrindt, der sich vom Kämpfer an Seehofers Seite wundersam zum Kämpfer an Söders Seite wandelt. Auch Generalsekretär Markus Blume wird zum Bewunderer von Söder. „Was für eine Rede, was für eine Kraft, was für eine Leidenschaft“, schwärmt er beim CSU-Parteitag Mitte September in Nürnberg.

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CSU-Chef Söder mit 87,6 Prozent wiedergewählt
1:43 min
In einer kämpferischen Rede betonte Markus Söder zuvor den Regierungsanspruch der Union bei der anstehenden Bundestagswahl.  © Reuters

Söder hatte sich damit für die Wiederwahl als Parteichef beworben. Ein Ergebnis von über 90 Prozent wollte der 54-Jährige bekommen. Das ist in der CSU die Marge für Unangefochtenheit. Es werden aber 87,6 Prozent – nur 0,2 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren nach dem Generationenwechsel an der CSU-Spitze. Söder ist die Enttäuschung anzumerken.

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In der Partei wird später erklärt, wegen der Corona-Pandemie habe es vor diesem Kongress noch kein Ventil zum Dampfablassen gegeben. Söder habe die Partei reformiert – Frauenquote, radikale Abkehr von jeglichem AfD-Sprachgebrauch, Hinwendung zum Grünen-Thema Klimaschutz. Das habe bei Weitem nicht allen in der CSU gefallen.

Es hat aber einer Reihe von Leuten in der Partei auch nicht gefallen, wie Söder nach dem Machtkampf mit CDU-Chef Armin Laschet um die Kanzlerkandidatur der Union umgegangen ist. So sehr sich die CSU Söder in der Rolle gewünscht hätte – und Blume ihn zum „Kandidaten der Herzen“ erkor –, so sehr fühlten sich einige Christsoziale abgestoßen, wie abfällig der Nürnberger den Aachener behandelte. Gar nicht aus Mitleid mit Laschet, sondern weil man die Chancen bei der Bundestagswahl schwinden sah. Zerstrittene Parteien oder Schwesterparteien empfinden viele Wählerinnen und Wähler nicht als attraktiv.

Dass die Union bei der Bundestagswahl mit 24,1 Prozent auf Platz zwei abstürzte und die CSU in Bayern auch nur 31,7 Prozent holte, wird deshalb auch Söder angelastet. Vor allem in der CDU. Söder habe sich mit seiner nach außen kommunizierten harten Haltung in der Corona-Politik an Kanzlerin Angela Merkel herangerobbt und ihre Nähe gesucht, um sich selbst als starken Mann zu präsentieren.

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Klare Prioritäten

Verstanden habe man bei ihm aber immer diese Reihenfolge: Erst die Person (Söder), dann die Partei (CSU) und dann das Land (Bayern). Vor allem deshalb habe es große Vorbehalte in der CDU-Führung gegen ihn als Kanzlerkandidaten gegeben. Als Söders wichtigstes Ziel gilt die Landtagswahl 2023 in Bayern. Da will er mit der CSU über 40 Prozent kommen.

Bei der Landesversammlung der Jungen Union im bayerischen Deggendorf tritt Söder am vorigen Wochenende wieder nach: „Es ist einfach so: Am Ende wollten die Deutschen einen anderen Kanzlerkandidaten als den, den CDU und CSU aufgestellt haben.“ Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) – noch nie ein Freund Söders – hat ein Wort dafür, wenn jemand andere Menschen in ein schlechtes Licht stellt, um selbst besser zu glänzen: „södern“.

Das ficht Söder wenig an. Schmerzhafter für ihn ist der Fortgang der JU-Landesversammlung in Deggendorf nach seinem Auftritt. Der Entwurf des JU-Vorstands für ein Strategiepapier kommt in einer Passage nicht durch. Dort stand: „Es ist Zeit, (...) ein schlagkräftiges, frisches Team hinter unserem starken Zugpferd Markus Söder zu bilden, das glaubhaft die ganze Bandbreite einer Volkspartei abdeckt.“

Dagegen gibt es Protest. Das „Zugpferd Markus Söder“ wird gestrichen. Keine „One-Man-Show“ mehr. Der Widerstand in der Jungen Union ist noch kein Aufstand. Oft nimmt er dort aber seinen Ausgang. Söder weiß das selbst am besten. Er hätte sich beim „Deutschlandtag“, der Bundesversammlung der JU, in Münster etwas anhören müssen. Auch in der JU wird die Schuld für die Wahlschlappe nicht allein bei Laschet gesehen.

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Dass Söder sich der Diskussion nun nicht stellt, enttäuscht viele junge Unionsmitglieder. Hatten sich die Landesvorsitzenden der Jungen Union doch im Frühjahr mit riesengroßer Mehrheit für Söder als Kanzlerkandidat ausgesprochen. Sie hätten gern mit ihm geredet.

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