Johnsons PR-Chef verwehrt Journalisten Zugang zu Pressebriefing

  • Die britische Regierung verwehrt ausgewählten Journalisten den Zugang zu einem Pressebriefing in der Downing Street No. 10.
  • Daraufhin boykottieren weitere Medienvertreter das geplante Gespräch zum Brexit.
  • Nun ist die Kritik groß – das Vorgehen erinnert an US-Präsident Trumps Umgang mit Medien.
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Berlin/London. Nimmt sich der britische Premierminister Boris Johnson beim Umgang mit Medien ein Beispiel an US-Präsident Donald Trump? Das jüngste Vorgehen, über das unter anderem „The Guardian“ berichtet, erinnert jedenfalls an eine Taktik, wie sie schon das Weiße Haus 2017 anwandte. Vor einem Pressetermin in der Downing Street No. 10, bei dem Johnsons Kommunikationschef Lee Cain über die Verhandlungen mit der EU nach dem Brexit informieren wollte, sollten ausgewählte Medienvertreter nicht für das Briefing zugelassen werden.

So waren die anwesenden Journalisten – getrennt durch einen Teppich – in zwei Gruppen aufgeteilt worden. Dann wurden einige Korrespondenten regierungskritischer Medien aufgefordert, das Pressebriefing zu verlassen, bevor es angefangen hatte. Darunter Vertreter des „Independent“ und des „Mirror“. Cain rechtfertigte das Vorgehen damit, dass man informieren könne, wen und wann man wolle.

Kollegen boykottieren Pressebriefing

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Doch informiert werden wollten dann auch etliche weitere Journalisten nicht mehr. Vertreter vieler weiterer Medien, unter anderem vom BBC, The Daily Mail und The Guardian, boykottierten aus Protest das Briefing.

Der Ausschluss von Journalisten sorgt nun für harsche Kritik – auch hierzulande. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) wirft dem britischen Premier Boris Johnson vor, wichtige Informationen über den Brexit nur ausgewählten Journalisten zukommen zu lassen. „Das ist Informationspolitik nach Autokraten-Manier, die sich für die traditionsreiche britische Demokratie nicht gehört“, teilte der DJV-Vorsitzende Frank Überall am Dienstag in Berlin mit.

Johnson sei schlecht beraten, wenn er den Kampf von Donald Trump gegen Journalisten zum Vorbild seiner Medienkontakte mache, kritisierte Überall. Er lobte zudem das solidarische Verhalten von jenen Korrespondenten, die aus Protest gegen den Ausschluss ihrer Kollegen das Briefing verließen: „Gut, dass die Kollegen Johnson die Rote Karte zeigen. So geht das nicht.“

Ein Vorgehen im Stile Donald Trumps

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Nachrichtenagenturen waren nicht zum Treffen geladen. Die Nationale Gewerkschaft der Journalisten Großbritanniens sprach von einem „alarmierenden Vorfall“. Die Regierung müsse diese Paranoia stoppen, forderte die Organisation. Bereits mehrfach hatte es Ärger zwischen Johnson und den Medien gegeben. So war seine Rede an die Nation zum Brexit am 31. Januar von eigenen Mitarbeitern aufgezeichnet worden. Normalerweise übernehmen solche Aufgaben britische Fernsehsender.

Bekannt ist diese Vorgehensweise von US-Präsident Trump. So war etwa im Februar 2017 Journalisten von CNN, New York Times und Politico der Zugang zu einer Pressekonferenz verwehrt worden. Dagegen wurden das rechte Portal Breitbart News und konservative Medien damals zugelassen. Die „White House Correspondents’ Association“, ein Zusammenschluss von Journalisten, bezeichnete die Maßnahme damals als Vergeltungsaktion für unliebsame Berichterstattung.

RND/cz/dpa


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